Polizeikontrolle mit Kelle

Digitaler Führerschein auf dem Smartphone: Sicherheitslücken

Digitaler Führerschein fürs Handy wegen Sicherheitslücken gestoppt

Gerade erst wurde eine erste Stufe des digitalen Führerscheins präsentiert, schon ist das Projekt wieder gestoppt. Grund: Hinweise auf Sicherheitslücken in der dazugehörigen App.
Mal wieder das Portemonnaie und damit auch den Führerschein vergessen? Das soll Autofahrern in Deutschland künftig nicht mehr passieren. Sie sollen ihren "Lappen" bald auch in digitaler Form auf dem Smartphone vorzeigen können. Und das hat ja heutzutage fast jeder immer dabei. Doch leider gibt es jetzt auf dem Weg in die Realität einen unerwarteten Rückschlag.
Eine Woche nach dem Startschuss durch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wurde das Projekt "digitaler Führerschein" von seinem Hause vorerst gestoppt. Genauer gesagt wurde die in Deutschland dazugehörige Smartphone-App "ID Wallet" nach Hinweisen auf Sicherheitslücken aus dem App Store von Apple und dem Google Play Store zurückgezogen.
Der von der Bundesregierung beauftragte Dienstleister Digital Enabling GmbH verwies lediglich auf Probleme durch die Überlastung der Server durch erhöhte Aufmerksamkeit von Nutzerinnen und Nutzern, "die sich intensiv mit Sicherheits- und Vertrauensfragen befassen". Um den Hinweisen nachzugehen und das System auf höhere Nutzlasten auszulegen, werde man in den kommenden Wochen weitere Tests durchführen und in dieser Zeit die App aus den Stores nehmen.

Digitaler Führerschein soll analoges Papier langfristig ersetzen

Der digitale Führerschein, der in der ID Wallet aufbewahrt wird, sollte zunächst die Nutzung von Mietwagen oder Carsharing-Angeboten erleichtern. Langfristig sollte das digitale Abbild des Führerscheins auf dem Smartphone das analoge Papier vollständig ersetzen können, etwa bei einer Ausweiskontrolle. Minister Scheuer zeigte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) "stocksauer". Es gehe ihm "auf den Zeiger", dass sein Ministerium funktionierende Projekte abliefere und es an zersplitterten Zuständigkeiten "wieder einmal hake". Das Kanzleramt habe darauf bestanden, dass der digitale Führerschein in der App zur Verfügung stehe. In der schwarz-roten Bundesregierung hatte sich vor allem die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), für eine Digitalisierung von amtlichen Dokumenten und darauf aufsetzenden Anwendungen wie die ID Wallet stark gemacht. Die Anwendung liegt auch formell in der Zuständigkeit des Bundeskanzleramtes.

EU-Verkehrsminister ebneten den Weg

Spätestens im Januar 2033 verlieren die alten Papierdokumente ihre Gültigkeit.

©Reinhold Radermacher, StädteRegion Aachen

Anfang November 2020 hatte sich die EU-Kommission auf der Informellen Tagung der europäischen Verkehrsminister klar zum digitalen Führerschein bekannt und damit den Weg geebnet. "Über diesen praktischen Fortschritt freue ich mich sehr, denn er führt den Menschen die Vorteile der Digitalisierung klar vor Augen", sagte Scheuer damals. Auch der ADAC begrüßte das Vorhaben mit Blick auf Verbraucherfreundlichkeit und Komfort, mahnte aber gleichzeitig die Einhaltung hoher Datenschutzstandards an. Außerdem müsse im Sinne der Verkehrssicherheit gewährleistet sein, dass ein temporärer Führerscheinentzug oder ein Fahrverbot "hier und zeitgleich abgebildet werden", sagte eine Sprecherin.

Norwegen benutzt eine Führerschein-App

Schon seit mehreren Jahren läuft ein Stufenplan zum Führerscheintausch von den alten Papierdokumenten zum EU-Scheckkartenformat. In Norwegen ist man schon weiter. Dort kann man seit Längerem seinen Führerschein (hier gibt es sieben Lerntipps für die Führerscheinprüfung) mithilfe einer App namens "Førerkort" (das norwegische Wort für "Führerschein") präsentieren. Nach der Eingabe eines persönlichen Codes öffnet sich die Seite der staatlichen Verkehrsbehörde, wo die Details der Fahrerlaubnis festgehalten sind. Außerdem gibt es einen QR-Code, den die Polizei scannen kann.
Mit Material von dpa.

Fotos: DPA

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