Diskussion um Tagfahrlicht

Geht Deutschland ein Licht auf?

Das Tagfahrlicht ist in Europa fast ├╝berall Pflicht, bei uns wird heftig diskutiert: Sicherheitsfaktor oder Spritfresser?

Stolpe fordert Tagfahrleuchten f├╝r alle Autos

Das Beweisst├╝ck liegt stets im Handschuhfach. Es ist die Seite 80 der AUTO BILD-Ausgabe 48 aus dem Jahre 2003. Hans-Werner Renneberg (66) aus Kaarst hat die Seite laminiert und h├Ąlt sie jedem Polizisten unter die Nase, der seinen 3er-BMW anh├Ąlt. In dem Artikel geht es darum, da├č die Beamten h├Ąufig die (erlaubten) Tagfahrleuchten mit den (bei klarer Sicht verbotenen) Nebelscheinwerfern verwechseln. Und Renneberg wird regelm├Ą├čig angehalten, seit er auch tags├╝ber mit seinen Tagfahrleuchten unterwegs ist.

Die Verunsicherung d├╝rfte bald ein Ende haben: Denn Noch-Verkehrsminister Manfred Stolpe fordert die Ausstattung aller Neufahrzeuge mit den Tagfahrleuchten, die im Vergleich zum Abblendlicht wegen ihrer schw├Ącheren Leuchtkraft lediglich dem Erkanntwerden dienen und nur zwischen acht und 16 Watt verbrauchen.

Hintergrund der Forderung: Das Bundesverkehrsministerium (BMV) empfiehlt allen Autofahrern, seit 1. Oktober auch am Tage mit eingeschaltetem Licht zu fahren. Zun├Ąchst freiwillig, nach einer ├ťbergangszeit dann verpflichtend. So wie es unser Nachbar ├ľsterreich bereits f├╝r sich beschlossen hat: Ab 15. November 2005 ist Abblendlicht tags├╝ber Pflicht.

Unfallzahlen gehen laut Studien zur├╝ck

Zahlreiche Studien belegen, da├č die Unfallzahlen damit deutlich zur├╝ckgehen. Schon jetzt steht Deutschland mit seiner Kann-Regelung in Europa ziemlich allein da (siehe Tabelle auf Seite 3). Bedenken, auch am Tage eingeschaltetes Abblendlicht w├╝rde den Verbrauch des teuren Sprits weiter erh├Âhen, weisen Leuchten-Hersteller wie Hella zur├╝ck: Nur rund 0,15 Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometer wurden errechnet ÔÇô sogar das Fahren mit offenem Fenster sei teurer.

Die modernen, an die Z├╝ndung gekoppelten Tagfahrleuchten, die es ab Werk gegen Aufpreis bisher eher f├╝r Oberklassemodelle wie den Audi A8 gibt, verbrauchen laut einer Studie der Bundesanstalt f├╝r Stra├čenwesen (BASt) sogar nur zwischen maximal 0,052 (Gl├╝hlampentechnik) und 0,02 Liter (LED-Technik) auf 100 Kilometer. Die auch als Nachr├╝stsatz erh├Ąltlichen Leuchten (80 bis 144 Euro) eignen sich am besten f├╝r den Einsatz am Tag, so die BASt. Die Blendwirkung sei praktisch ausgeschlossen. Der Sicherheitsnutzen sei zweifellos h├Âher als die Zusatzkosten.

Auch deshalb will Stolpe eine EU-weite Regelung. Der Auto Club Europa (ACE) begr├╝├čt dann auch den Vorsto├č aus Berlin. Europaweit k├Ânnten zwei Millionen Verkehrsunf├Ąlle vermieden werden, hei├čt es. Das bedeute 155.000 Verletzte und 5500 Tote weniger pro Jahr.

Elektronisch gesteuerte Fahrlichtanlage

Doch noch herrscht keine Einstimmigkeit in der Frage, ob Deutschland ein Licht aufgehen soll. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) ist gegen Abblendlicht am Tage, da es Zweiradfahrer und Fu├čg├Ąnger gef├Ąhrde. Sie gingen im "Lichtstrom" entgegenkommender Autos "regelrecht unter". Den Einbau der speziellen Tagesfahrleuchten begr├╝├čt aber auch der AvD.

Eine ganz andere Idee hatte Dietrich Klug aus Plauen. Der studierte Physiker entwickelte eine "elektronisch gesteuerte Fahrlichtanlage" (Efa). Sobald das Auto steht, schaltet eine Elektronik das Abblendlicht auf Standlicht um. Ein Sensor tastet permanent die Stra├če ab und mi├čt, ob das Auto f├Ąhrt. Auf diese Weise k├Ânnten bei uns j├Ąhrlich bis zu 3,2 Milliarden Liter Sprit gespart werden.

Doch trotz Unbedenklichkeitsbescheinigungen durch das BMV, die DEKRA und den ADAC erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) keine Allgemeine Betriebserlaubnis. "Das Risiko ist derzeit noch zu gro├č", so KBA-Justitiar Frank Liebhart. Mit freundlichen Gr├╝├čen aus Dunkel-Deutschland.

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