Dodge Durango SRT Hellcat im Test
Durango SRT Hellcat mit 719 PS: unvernünftig, aber geil!
– Ein Muscle Car im SUV-Kleid? Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich – das beweist der Dodge Durango SRT Hellcat. Der US-Dino im AUTO BILD-Test!
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was zur Hölle ...? Der bei 250 km/h die linke Spur für einen grauen Giganten räumende Mustang-Fahrer flucht zu Recht. Denn der Dodge Durango Hellcat macht seinem Namen mal eben alle Ehre und krakeelt mit Tempo 290 an ihm vorbei Richtung Horizont. Moment! Bevor Sie jetzt "Anzeige ist raus" denken und uns wegen der achten Todsünde (Raserei) schreiben: Unser Team hat weniger Punkte als Olaf Scholz Kanzlerjahre, der Ford-Pilot blieb körperlich und seelisch unversehrt, das Ganze diente allein dem Erkenntnisgewinn. Lesen Sie bitte selbst!
Der Dodge Durango bietet ordentlich Reisekomfort
So ein Durango darf ohne jeden Zweifel als formatfüllend gelten, ist immerhin 5,11 Meter lang, schon ohne Spiegel 1,92 Meter breit und 1,83 Meter hoch. Doch dahinter steckt weniger Prahlerei, sondern ein mehr als erwachsenes Platzangebot. Sechs Einzelsitze in drei Sitzreihen bieten ordentlichen Reisekomfort, gerade der Pilot wünscht sich aber mehr Format und auch mehr Seitenhalt – großen Fahrern erscheint das Mobiliar eher wie ein guter Gaming-Chair und weniger wie ein ernsthafter Sportsitz. Dafür nehmen wir aber auch ganz hinten noch anständig Platz, Freunde zum Kurztrip einladen gefährdet die Beziehung nicht.

Cockpit des Dodge Durango SRT Hellcat mit zwei Digitalschirmen und Lederakzenten in Rot (muss man mögen). Verarbeitung okay.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Beim Gepäck muss zu sechst natürlich ein bisschen aufgepasst werden, ansonsten lässt sich bei bis zu 2,4 Kubikmeter Kofferraum aber recht sorglos einpacken. Und dann können ja auch noch bis zu 3,5 Tonnen an den Haken genommen werden – was Transportfragen hinreichend beantwortet. Der Innenraum bemüht sich mit Leder (hier in "Demonic Red", gehört zum "Premium Package") um Noblesse, die Verarbeitung bleibt insgesamt ordentlich. Kabelloses Laden von Smartphones sowie Apple CarPlay-/Android-Auto-Verbindung lassen eine gewisse Modernität durchs Auto wehen, einen bestimmten Radiosender per Sprache auswählen klappt allerdings nicht.

Vom Platzangebot in der zweiten Reihe passt der Dodge Durango SRT Hellcat auch größeren Gästen. Ganz hinten wird es naturgemäß enger.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Böse brüllender 6,2-Liter-V8
Ja, aus der Sicht von Klimaschutz und CO2-Bilanz ist der Hellcat ein echter Dino – allerdings einer, der unfassbar flink und faszinierend ist. Wobei allein die Klangkulisse einer besonderen Würdigung bedarf. Wer auf 130-km/h-Schleichfahrt geht, erlebt den V8 als coolen Cruiser und bei knapp 2000 Touren tiefbassig brabbelnd. Wird Leistung verlangt, bläst der Kompressor mit metallisch-mechanischem Kreischen zur Attacke und entfaltet zusammen mit dem böse brüllenden 6,2-Liter ein Spektakel, das die Hauptbühne in Wacken verdient hätte. In solchen Momenten möchte man meinen, dass in den stramm stehenden Unterarmhärchen des Piloten der SRT-Schriftzug sichtbar und das Hellcat-Logo auf sein Trommelfell tätowiert wird.

So sehen andere den Dodge Durango SRT Hellcat meistens. Fest montierte Anhängerkupplung nach US-Vorbild. Damit darf der Dodge bis 3,5 Tonnen abschleppen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Sicher ist jedenfalls, dass dieses 2,5 Tonnen schwere Ungetüm mit einem cw-Wert von 0,35 (etwa auf Augenhöhe mit dem ersten Actros-Lkw von Mercedes) dank Launch Control in sagenhaften 3,5 Sekunden auf Tempo 100 springt und erst bei 290 km/h den Kampf gegen die Fahrwiderstände verliert. Ein Basiselfer beschleunigt eine halbe Sekunde langsamer und ist am Ende kaum schneller (294 km/h). Der Fahrer sollte das Lenkrad des Durango dann aber gut festhalten, denn der Vorderwagen wird etwas leicht.
Wobei das Fullsize-SUV ansonsten ganz gute Handling-Manieren mitbringt, was auch an den unzähligen Einstelloptionen liegt (sieben Modi: Tow/Snow/Custom/Auto/Comfort/Sport/Track). Auch wenn der erwähnte Basis-Elfer auf dem Rundkurs auf und davon ist – der Hellcat macht auf kurvigen Landstraßen durchaus Laune. Und trotz 20-Zoll-Rädern geht der Komfort in Ordnung. Lange Wellen schwingt der Dodge sauber aus, nur Schlaglöcher stoßen übel auf.
18,3 Liter Testverbrauch – noch Fragen?
Keine Frage: 136.188 Euro sind unfassbar viel Geld, 719 PS in einem XL-SUV mit guter Ausstattung (Allrad, 20-Zoll-Räder, LED-Licht, Leder, E-Sitze heiz- und kühlbar etc.) aber auch nicht schlecht. Doch die Anschaffung ist leider nur die halbe Wahrheit, denn der Unterhalt verlangt ebenfalls finanzielle Ausdauer. Allein 18,3 Liter Verbrauch sind herausfordernd, 434 g CO2/km sowieso. Auch dieser Dino wird aussterben – seufz!
Technische Daten/Messwerte
Motor Bauart/Zylinder V8, Kompressor, vorn längs ● Hubraum 6166 cm³ ● Leistung 529 kW (719 PS) bei 6100/min ● max. Drehmoment 889 Nm bei 4800/min ● Antrieb/Getriebe Allrad/Achtstufenautomatik ● 0-100 km/h 3,6 s ● Höchstgeschwindigkeit 290 km/h ● Testverbrauch 18,3 l S/100 km ● Tankvolumen 93 l ● Länge/Breite/Höhe 5110/1924/1827 mm ● Bodenfreiheit 207 mm ● Radstand 3042 mm ● Sitzhöhe 780 mm ● Kofferraumvolumen 490-2400 l ● Leergewicht 2546 kg ● Zuladung 675 kg ● Anhängelast 3500 kg ● Garantie 2 Jahre ● Preis ab 136.188 Euro
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