DTM: Saisonfinale in Hockenheim 2019

DTM: AUTO BILD im Renntaxi

Chauffiert vom Formel-1-Champion

ABMS-Redaktionsleiterin Bianca Garloff wurde von Emerson Fittipaldi um den Hockenheimring geschleudert.
72 Jahre alt und kein bisschen langsam! Aber der Reihe nach...
Ein bisschen mulmig ist mir ja schon. Immerhin hat Emerson Fittipaldi seine Formel-1-Karriere schon beendet, als ich noch nicht einmal geboren war. 1980 fuhr der Brasilianer sein letztes Rennen in der Königsklasse. Ich bin Jahrgang '81.
So lief das Qualifying am Sonntag: Hier klicken
Und jetzt soll ich neben dem mittlerweile 72-jährigen Rennfahrer im DTM-Renntaxi beim Finale in Hockenheim (heute ab 13 Uhr live in SAT.1/ Samstags-Sieger war Meister und Audi-Star René Rast) Platz nehmen. Bei feuchter Strecke. In einem 500-PS-starken Audi RS5 DTM.
Doch "Emo" schlendert cool durch den Boxenbereich. Der Overall passt wie früher, der Gesichtsausdruck des berühmten Brasilianers ist immer noch derselbe.
Und die Erfolgsbilanz natürlich: zweimal Formel-1-Weltmeister (1972 auf Lotus und 1974 auf McLaren), Sieger bei den legendären 500 Meilen von Indianapolis 1989 und noch einmal 1993. Da war ich zwölf und schaute gerade mein erstes Autorennen im Fernsehen…
Und jetzt zwänge ich mich ins enge DTM-Cockpit neben den Helden von einst, der schon gegen Jochen Rindt fuhr oder gegen Niki Lauda.
Er reckt mir seine Hand mit dem feuerfesten roten Handschuh entgegen. Abklatschen wie die Profis. Daumen hoch. Die festgezurrten Gurte geben mir das Gefühl eine Zwangsjacke – aber auch von Sicherheit. Mein Nacken ist mit dem Hans-System geschützt. Kann also nichts passieren.
Emo gibt Gas. Sein Enkel fährt fürs Audi-Privatteam WRT in der DTM, deshalb ließ sich der Brasilianer zum Gastfahrer-Job überreden. Fittipaldi hat eine echte Rennsport-Dynastie gegründet.
Neffe Christian fuhr Autorennen, jetzt Pietro und sein anderer Enkel Enzo auch. "Und meine jüngste Tochter Vittoria fährt auch schon Kart", verrät er später. Sie ist acht Jahre alt. "Das alles macht mich sehr stolz." Fittipaldi hat eine Orangenplantage in Brasilien, produziert auch Zigarren.

Das DTM-Renntaxi von Audi

Wir rollen auf die Start-Ziel-Gerade. Unvermittelt gibt er Vollgas. Ich werde ruckartig in die Sitzschale gedrückt, in meinem Magen kribbelt's. Ein Gefühl, dass nicht aufhört – bis zum Bremspunkt vor Kurve eins. Ich werde nach vorn in die Gurte geschleudert. Und schon ist er wieder am Gas.
Vor, zurück, vor, zurück. Motorsport ist brutal. Alles um mich herum dröhnt, es gibt keine Federung, jede Kurve, jedes Bremsmanöver tut weh. Und trotzdem macht es Laune!
Auf der langgezogenen Parabolika erreichen wir Tempo 270. Emo reckt den Daumen nach oben. Ich antworte auf dieselbe Art und Weise. Beim Beschleunigen aus der Spitzkehre schwänzelt das Heck. Gekonnt gegengelenkt – weiter geht's! So geht Rennfahren!
Die Fliehkräfte in den schnellen Kurven zerren an meinem Nacken, als wir ins Motodrom kommen. Wir rasen auf die Sachskurve zu. Da war doch was!?
Genau: Letztes Jahr rutschte Sebastian Vettel hier in seinem Ferrari ins Kiesbett. Die Kurve fällt leicht nach innen ab, die Tribünen stehen näher als gedacht, die Mauer auch. Fittipaldi bremst, lenkt ein, geschafft. Vettels Kurve des Grauens ist überstanden.
Dreimal umrundet der ehemalige Formel-1-Champion mit mir den Hockenheimring, wird mit jedem Mal schneller, bremst später, steht früher auf dem Gas. "Diese Autos haben wahnsinnig viel aerodynamischen Grip", resümiert er später. "Die machen richtig Freude, weil du wahnsinnig schnell durch die Kurven fahren kannst. Unsere Autos waren damals viel schwieriger zu bewegen."
Beim Aussteigen zittern meine Knie, mein ganzer Körper ist voller Adrenalin. Denn: Ich war gerade auch Teil eines historischen Pilotprojekts. Denn das Renntaxi fuhr mit einem Spezialsprit von DTM-Serienpartner Aral.
Hintergrund: Das Benzin besteht zur Hälfte aus hochwertigen erneuerbaren Komponenten, die aus Abfallstoffen gewonnen werden, sorgt dadurch für eine um über 30 Prozent bessere CO2-Bilanz. Der Test ist Teil der DTM-Zukunft, in der wie in der Formel 1 auch Hybridmotoren zum Einsatz kommen sollen.
Eine 72-jährige Legende weist der beliebten deutschen Tourenwagenserie den Weg in die Zukunft. Sein ehrgeiziges Versprechen: "Nächstes Jahr habe ich mehr Übung im DTM-Auto, dann sind wir noch schneller!" Gern! Ich bin dabei.

DTM: Saisonfinale in Hockenheim 2019

Fotos: M. Kunkel

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