DTM: Alle Fahrer und Autos 2018

DTM-Hammer in Hockenheim

„Mercedes, Ihr seid Idioten!“

DTM-Kracher in Hockenheim. Das zweite Rennen am Wochenende war voll von Überholmanövern, Lackaustausch und heißen Rad-an-Rad-Duellen.
Was für ein episches Duell um den Sieg! Timo Glock und Gary Paffett sorgten beim zweiten Saisonrennen in Hockenheim 20 Minuten lang für Tourenwagensport auf allerhöchstem Niveau, für ein denkwürdiges Rennen. Rad an Rad, mit dem Messer zwischen den Zähnen, mit Lackaustauch und allen verfügbaren Mitteln kämpften die beiden Routiniers um Platz eins, ein Höllenritt auf der Rasierklinge. Mit dem besseren Ende für Glock.
BMW-Boss Jens Marquardt hat es ja sowieso schon vorher gewusst. Glock ist wie ein guter Rotwein: Je älter, desto besser wird er, sagte Jens Marquardt vor der neuen DTM-Saison bei AUTO BILD MOTORSPORT. Und Glock liefert tatsächlich ab: Der 36-Jährige feierte am Sonntag in Hockenheim den fünften Sieg im 76. DTM-Rennen. Und es scheint, als könne Glock in seiner sechsten Saison in der Tourenwagenserie nach dem Titel greifen: Nach dem ersten Rennwochenende ist Glock Gesamtführender, mit einem Punkt Vorsprung vor Paffett. Bereits am Samstag war er als Dritter auf das Podium gefahren.

Paffett gewann das erste Rennen am Samstag

Glock rastete am Funk aus: „Das war das verrückteste Rennen, das ich je gefahren bin. Mercedes, ihr seid total bescheuert, dass ihr diese Meisterschaft verlasst! Ihr verdammten Idioten!“ Glock und Paffett nahmen sich nach der Zieldurchfahrt völlig fertig in den Arm. Sie wussten, sie hatten für beste Unterhaltung gesorgt. Paffett hatte bereits am Samstag mit seinem ersten Sieg nach einer fast fünfjährigen Durststrecke seine Titelambitionen unterstrichen.
ABMS-Pilot Pascal Wehrlein bewies seinen Kampfgeist eindrucksvoll: Nach einem ernüchternden Qualifying mit Startplatz elf kämpfte sich der 23-Jährige Gegner für Gegner nach vorne. Ein taktischer Fehler mit einem zu späten Boxenstopp warf den Deutschen aber wieder zurück, am Ende wurde er guter Sechster. Samstag war er Fünfter geworden: Eine ordentliche Bilanz für den Auftakt, nach zwei Jahren DTM-Pause!
Versöhnlich lief es für Audi. Nach dem Tiefschlag am Samstag mit nur drei Pünktchen war die Ausbeute am Sonntag wesentlich besser. Mike Rockenfeller raste von Startplatz neun als Zweiter auf das Podium. Auch Loic Duval auf Platz fünf und René Rast auf Rang sieben schafften es in die Punkte. Ebenfalls stark: Rookie Joel Eriksson fuhr sensationell auf Platz vier.
Ergebnis Rennen 2 in Hockenheim:
1. Timo Glock - BMW M4 DTM - 58:04,067 Minuten
2. Mike Rockenfeller - Audi RS 5 DTM - +2,078s
3. Gary Paffett - Mercedes-AMG C 63 DTM - +3,099s
4. Joel Eriksson - BMW M4 DTM - +3,481s
5. Loic Duval - Audi RS 5 DTM - +3,854s
6. Pascal Wehrlein - Mercedes-AMG C 63 DTM - +4,129s
7. René Rast - Audi RS 5 DTM - +4,849s
8. Bruno Spengler - BMW M4 DTM - +8,862s
9. Paul Di Resta - Mercedes-AMG C 63 DTM - +11,082s
10. Augusto Farfus - BMW M4 DTM - +11,265s
So lief Rennen 1
Dominanter Auftakt für Mercedes in die Abschiedssaison der Stuttgarter in der DTM: Gary Paffett und Lucas Auer sorgen am Samstag in Hockenheim für einen Doppelsieg der Marke mit dem Stern, Timo Glock wird im BMW Dritter.

Entscheidend: Paffett nach dem Stopp an Auer vorbei

Am Start münzt Paffett seine Pole in die Führung um, danach sorgt aber vor allem Markenkollege Auer für Furore. Der zunächst Viertplatzierte überholt erst Marco Wittmann, dann Glock und schließlich auch den Führenden Paffett. Der Brite kommt dann jedoch eine Runde früher zum Boxenstopp rein als Auer - und schnappt den Österreicher nach dessen Boxenstopp wieder.
„Das Auto war sensationell im zweiten Stint“, jubelt Paffett nach seinem 21. DTM-Sieg. „Mein letzter Sieg (2013 am Lausitzring; d. Red.) ist schon ganz schön lange her. Wir waren oft nah dran, aber es hat nie gereicht.“

Durststrecke beendet: Großer Jubel bei Gary Paffett

Edoardo Mortara wird Vierter, Pascal Wehrlein überzeugt im ABMS-Silberpfeil als starker Fünfter gleich im ersten Rennen nach seiner DTM-Rückkehr! „Damit bin ich richtig zufrieden. Dass ich mich so schnell wieder in der DTM einlebe, hätte ich nicht gedacht“, freut sich Wehrlein. Ein Problem beim Boxenstopp verhindert ein noch besseres Ergebnis. Der Schwabe liegt zwischenzeitlich schon auf Rang drei, steht dann aber drei Sekunden länger an der Box als die direkten Gegner. Wehrlein: "Da ist noch Luft nach oben. Ein besseres Qualifyingergebnis und schon sieht die Welt ganz anders aus."
Gar nicht gefallen dürfte die erste Standortbestimmung der Saison hingegen Audi: Titelverteidiger René Rast wird als bester Fahrer der Ingolstädter nur Neunter.
Rast: „Ich glaube, wir haben noch das Maximum rausgeholt. Der Start lief schon nicht gut, am Ende bin ich wieder etwas zurückgekommen. Das Ergebnis ist natürlich nicht, was man möchte. Aber trotzdem war ich noch bester Audi und das Rennen selbst hat immerhin viel Spaß gemacht.“

Unsafe Release: Rast könnte noch eine Strafe kriegen

Auch bei BMW ist die Stimmung nach dem Auftakt gemischt: Zwar schafft es Glock aufs Podium, neben ihm mit Bruno Spengler auf Platz sechs aber nur noch ein weiterer BMW in die Top 10. Nach dem starken Quali-Ergebnis müssen die Münchner im Rennen deutlich Federn lassen - und sich für das Rennen am Sonntag (13:30 Uhr / Sat.1) nun genauso wie Audi einen Plan überlegen, wie man den starken Mercedes in Hockenheim die Stirn bieten will.
Ergebnis - 1. Rennen, 5.5.2018:
1. Gary Paffett (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM 58:03,639 Min.
2. Lucas Auer (Österreich) - Merced.-AMG C63 DTM +1,449 Sek.
3. Timo Glock (Thurgau/Schweiz) - BMW M4 DTM +6,514
4. Edoardo Mortara (Italien) - Merced.-AMG C63 DTM +8,198
5. Pascal Wehrlein (Worndorf) - Merced.-AMG C63 DTM +11,391
6. Bruno Spengler (Kanada) - BMW M4 DTM +15,758
7. Paul Di Resta (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM +16,600
8. Daniel Juncadella (Spanien) - Merced.-AMG C63 DTM +16,969
9. René Rast (Minden) - Audi RS 5 DTM +18,268
10. Loic Duval (Frankreich) - Audi RS 5 DTM +19,646

So lief das Qualifying

Auftakt nach Maß für Gary Paffett! Mit einer Traumrunde zum Einstand holt sich der Brite die Pole für den ersten DTM-Lauf 2018 in Hockenheim (Samstag, 13:30 Uhr, Sat.1). In 1:32.264 Minuten umrundet Paffett am Samstagmittag den Hockenheimring und ist damit satte zwei Zehntel schneller als die versammelte Konkurrenz - obwohl das komplette Feld eng zusammen und innerhalb von nur einer Sekunde liegt!

Paffett gewann das erste Rennen am Samstag

"Das ist ein toller Auftakt, gerade in Hockenheim, wo wir uns nicht immer leicht getan haben", freut sich Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Von Paffetts Leistung ist er indes nicht überrascht. "Gary hat so viel Erfahrung, Speed und Leidenschaft in sich - für mich ist er immer ein Meisterschaftskandidat", sagt Wolff, der sich im Rennen auf einen "heißen Ritt zwischen uns und BMW" freut.
Als Zweiter hinter Paffett startet Ex-Champion Marco Wittmann im BMW vor Markenkollege Timo Glock. Hinter dem bayerischen Duo: Zwei weitere Mercedes. Lucas Auer fährt als Vierter los, Ex-F1-Pilot Pascal Wehrlein reiht sich gleich in seinem ersten Qualifying nach der DTM-Rückkehr im ABMS-Mercedes als hervorragender Fünfter ein.
Mit fünf BMW und vier Mercedes in den Top-10 fällt die Bilanz für Audi im Qualifying hingegen schlecht aus: Einzig der amtierende Meister René Rast schafft es als Neunter unter die besten Zehn. "Das ist natürlich nicht, was wir uns vorgestellt haben. Wir müssen schauen, was wir machen können, dass wir wieder vorne reinrutschen können", sagt Rast.

An Gary Paffetts Zeit im Qualifying kam keiner ran

Ex-Audi-Star Timo Scheider, seit dieser Saison Experte für den neuen DTM-TV-Partner Sat.1 analysiert: "Bei Audi werden jetzt die Köpfe rauchen. Das Ergebnis ist schon eine große Enttäuschung, ihnen fehlen mit Rast schon fünf Zehntel auf die Pole, das ist viel zu viel." Einen möglichen Grund macht Scheider auch aus für Audis schwache Performance: "Die Autos haben dieses Jahr weniger Abtrieb. Das war immer der große Vorteil, den Audi die letzten Jahre hatte. Und der scheint weg zu sein."
Wenig verwunderlich angesichts Audis Problemen: Auch die einmalige Rückkehr von Mattias Ekström an diesem Wochenende verläuft nicht gut. Der schwedische Gaststarter qualifiziert sich nur als 18. für das Rennen. Hinter ihm steht am Start nur noch der Vorjahresdritte Jamie Green (ebenfalls Audi).
Ergebnis - Qualifying, 5.5.2018:
1. Gary Paffett (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM 1:32,264 Min.
2. Marco Wittmann (Fürth) - BMW M4 DTM +0,199 Sek.
3. Timo Glock (Thurgau/Schweiz) - BMW M4 DTM +0,204
4. Lucas Auer (Österreich) - Merced.-AMG C63 DTM +0,220
5. Pascal Wehrlein (Worndorf) - Merced.-AMG C63 DTM +0,222
6. Augusto Farfus (Brasilien) - BMW M4 DTM +0,419
7. Edoardo Mortara (Italien) - Merced.-AMG C63 DTM +0,455
8. Bruno Spengler (Kanada) - BMW M4 DTM +0,512
9. René Rast (Minden) - Audi RS 5 DTM +0,516
10. Joel Eriksson (Schweden) - BMW M4 DTM +0,530

Autor: Andreas Reiners

Fotos: Hersteller

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