DTM: Die heftigsten Unfälle

DTM: Interview mit Eddie Mielke

„Polarisieren gehört zu meinem Geschäft“

Er ist die neue Stimme der DTM bei Sat.1: Eddie Mielke ist emotional, polarisiert aber auch. Im Interview spricht er über seinen Stil, die Stärken und Schwächen der DTM und den neuen TV-Partner.
Eddie Mielke, wie viel Bock macht die DTM 2018?
Eddie Mielke (56): Sehr viel. Wir haben mit den Rennverläufen natürlich ein wenig Glück gehabt. Es gab ja schon Rennen, die an Spektakel kaum zu überbieten sind.  z.B. in Hockenheim mit dem Zweikampf zwischen Timo Glock und Gary Paffett.
Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Quoten?
Mielke: Darüber müssen Sie mit dem Sender sprechen, aber soweit ich das sehe, befinden wir uns mit den Quoten auf einem guten Weg.

DTM: Die heftigsten Unfälle

Sie haben 2002 und 2003 schon mal die DTM kommentiert. Wie sehr hat sie sich seitdem verändert?
Mielke: Der Umgang mit brisanten Themen ist entspannter. Beispiel: Die Frage, ob es in Budapest eine Mercedes-Teamorder war oder nicht. So wie wir als Journalisten damit umgehen konnten und durften – das wäre früher so nicht möglich gewesen. Da wäre versucht worden, das Problem im Sinne der politischen Korrektheit zu klären. Daher muss man aber auch sagen, dass es viel zu lange gedauert hat, bis man in der Hinsicht in die Offensive gegangen ist. Dafür ist man aber im Moment auf dem richtigen Weg.
Hat Sie auch etwas negativ überrascht?
Mielke: Der Zuschauerzuspruch an der Strecke. Da hatte ich mehr erwartet. Da ist noch Luft nach oben.
Wie erklären Sie sich das?

Das ist das Sat.1-DTM-Team

Mielke: Bei den Rennen in Hockenheim und am Lausitzring war das Wetter exorbitant gut, das hat sicherlich etwas gekostet. Und natürlich spielt auch das typisch deutsche Krisengerede eine Rolle. Es gab ja genug Meldungen über den Winter, bei denen man das Gefühl hatte, dass die DTM tot ist. 
Die DTM bietet Action, hat aber auch Zukunftsangst: Wie geht man als Fernsehsender damit um?
Mielke: Wir erklären das dem Fan sehr offen. Man darf sich von der Situation aber nicht beeinflussen lassen, nicht alles schlecht reden und die Krise mit Gewalt ausrufen. Wenn es so weitergeht mit Spannung und Dramen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es 2019 keine DTM geben wird. Ich glaube daran, dass es bei Entscheidungen von Unternehmen oder Teams sehr schnell gehen kann.
Warum hat die DTM Ihrer Meinung nach eine Zukunft?
Die Stimmung ist wieder besser. Der Weg, der eingeschlagen wurde, ist richtig. Dass DTM-Chef Gerhard Berger nicht zaubern kann, ist klar. Ich finde aber, dass man das entspannt sehen und optimistisch angehen muss. Es hat früher auch schon mal Krisen gegeben. Die Serie hat tolle Rennfahrer, tolle Autos und ist super spannend. Die bisherigen drei Wochenenden waren beste Werbung für den Rennsport, und ich bin mir sicher, dass es weitergehen wird.
Sie selbst polarisieren mit Ihrer emotionalen Art sehr: Wie gehen Sie damit um?
Mielke: Polarisieren gehört zu meinem Geschäft. Wenn man einen emotionalen Stil pflegt, wird man das immer. Wichtig ist, dass man den Dialog mit Fahrern, Teamchefs oder Kollegen sucht, darüber spricht und einen Mittelweg findet. Ich habe aber das Gefühl, dass es ganz gut ankommt, und deshalb werden wir so weitermachen.
Schauen Sie sich die Sendungen im Nachhinein nochmal an, um vielleicht auch Dinge zu ändern?
Mielke: Ja, und ich finde, dass man schon Veränderungen gesehen und gehört hat. Ein Beispiel: Hockenheim 1 war definitiv zu viel in Sachen Euphorie, Begeisterung und Emotionen. Das gab das Rennen letztendlich nicht her. Es ist also nicht so, dass ich bei Kritik die Ohren zumache.
Lesen Sie die Kritik der Fans in den sozialen Medien?
Mielke: Natürlich bekomme ich das mit, das interessiert mich auch, und ich nehme das auch an. Wir bekommen aber auch sehr viel positiven Zuspruch. Ich hatte mir das fast schlimmer vorgestellt. Wir sind sehr aufmerksam unterwegs, damit wir die Anforderungen und Erwartungen erfüllen. Denn dass sich der Stil ändert, war eine klare Vorgabe. Und klar ist auch: In meinem Alter werde ich meinen Stil nicht mehr ändern können, aber auch nicht mehr wollen.

In Ungarn schepperte es in der Boxengasse mehrmals

Nach dem Boxengassen-Drama in Budapest gab es Kritik am Umgang des Senders damit...
Mielke: Ich habe mitbekommen, dass uns einige Fans dafür geschlachtet haben. Ich finde nicht, dass irgendjemand voyeuristisch mit einer Kamera auf Verletzte draufgegangen ist. Nach dem Motto: „Sensationsgeiler Privatsender, kaum gibt es Verletzte, da drehen die durch.“ Das ist unfair. Rennsport ist gefährlich, da ist etwas sehr Unglückliches passiert, und wir hatten alle sehr viel Glück. Aber wir haben auch eine Informationspflicht. 
Was kann Sat.1 bei den Übertragungen noch anders machen?
Mielke: Man kann sich immer verbessern. Für jedes Wochenende gilt: Wach bleiben, die Themen sehen und entdecken, alles ansprechen und keine politischen Scheuklappen haben. 
Apropos alles ansprechen: War es in Budapest Teamorder? 
Mielke: Ich gehe davon aus, dass es Teamorder war. Ich verstehe sie allerdings nicht, am dritten Wochenende macht man so etwas nicht. Und wenn das jetzt immer passiert, ist das totaler Mist. Aber ich bin optimistisch, auch durch die kritische Berichterstattung, dass sich die Haltung geändert hat. Mich würde es wundern, wenn vor dem Saisonfinale noch einmal so offensichtlich mit diesen Mitteln gearbeitet wird.
Sind die Strafen nach dem Boxengassen-Drama gerechtfertigt?
Mielke: Die drei Disqualifikationen für Lucas Auer, Edoardo Mortara und Bruno Spengler sind Quatsch, ein Witz. Es gibt diesen Reglementpassus, aber so eine glatte Boxengasse bei Nässe darf es einfach nicht geben. Die drei Fahrer hatten gar keine Chance. 
Stichwort Typen in der DTM: Wie machen sich die Fahrer?
Mielke: Das sind alles unterschiedliche, aber hoch interessante Typen, die viel Spaß machen im täglichen Umgang. Ein Typ ist einer, der etwas sagt und auch dazu steht. Einer mit Charakterfestigkeit. Da hat die DTM eine Menge zu bieten. Es wurden Emotionen gefordert, wir liefern Emotionen und die Fahrer machen da gut mit.
Was ist das, was bei Ihnen in all den Jahren als Kommentator hängen geblieben ist?
Mielke: Das Positive: Ich fahre immer noch mit Herzklopfen zur Rennstrecke. Der Kick, der Spaß, den mir das Kommentieren bringt, ist immer noch da. Das Negative: In Budapest war ich sehr angespannt, weil ich schon zweimal kommentieren musste, wie jemand auf der Strecke sein Leben verloren hat. Deshalb hatte ich richtig Schiss, dass jemand zu Schaden gekommen ist. Man darf nie vergessen, dass Motorsport bei aller Begeisterung auch gefährlich ist.
Sie sind auch in der MotoGP verwurzelt: Was kann die DTM von der MotoGP lernen?
Mielke: Man kann das nicht 1:1 kopieren. Es ist der MotoGP alles gelungen, was einem als Marke gelingen muss. Das hat aber auch sehr viel damit zu tun, dass es dort die von drei Pressesprechern dreifach chemisch gereinigten Worthülsen nicht gibt. Glück hatte man auch mit einem Weltstar wie Valentino Rossi. Lernen kann die DTM eines: Dass man trotz aller Hightech-Ansätze und hochprofessioneller Herangehensweisen die Motorsport-Seele nicht verlieren darf. Sonst bekommt man den Fan nicht mehr.
Es ist ein enges Rennen: Wer wird Meister, Eddie Mielke?
Mielke: Ich glaube, dass es richtig spannend bleibt. Wir wissen ja, wie schnell es gehen kann. Ich gehe auch davon aus, dass sich noch ein Audi-Fahrer einmischen wird. Es ist schwer zu sagen. Wenn ich mich jetzt festlegen müsste, würde ich auf Timo Glock tippen.

Autor: Andreas Reiners

Fotos: Hersteller

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