DTM: Alle Fahrer und Autos 2018

DTM: Kritik nach Mercedes-Sieg

Scheider: Stallorder ist "scheiße"

Paul di Resta gewinnt in Budapest vor Lucas Auer. Danach gibt es jedoch große Kritik an den Stuttgartern. BMW erlebt ohne Punkte ein Debakel.
Aufregung nach dem Samstagsrennen der DTM in Budapest! "Das ist scheiße! Sorry das sagen zu müssen, aber es ist so", poltert Sat.1-Experte Timo Scheider. Grund für den Ärger des Ex-DTM-Piloten: Der rennentscheidene Positionstausch bei Mercedes zwischen Sieger Paul di Resta und dem Zweitplatzierten Lucas Auer. Scheider: "Di Resta hat Auer nach dem Stopp erst vorbeifahren lassen, später wurde zurückgetauscht. Das ist eigentlich ein No-Go und wollen wir nicht sehen."

Erst lässt Di Resta Auer ohne Gegenwehr ziehen...

Klare Kante vom neuen TV-Experten der DTM, der damit vielen Fans aus dem Herzen spricht. Ein Stallorder-Funkspruch ist zwar nicht zu vernehmen, doch Scheider ist sich in Bezug auf Mercedes' Schmusekurs sicher: "Der Fahrer weiß schon vor dem Rennen was in Situation xy zu tun ist. Man hat es dann beim Rücktausch gesehen, da blinken zweimal die Bremslichter auf, dann lässt er ihn wieder vorbei."
Sieger Di Resta, der wie 2017 das Samstagsrennen auf dem Hungaroring gewinnt und damit seinen neunten DTM-Erfolg feiert, gibt sich in Bezug auf den Aufreger des Rennens in Runde 22 deutlich pragmatischer. "Es war den ganzen Tag ein sehr guter Job. Am Ende haben wir als Team zusammengearbeitet."

... später gibt es dann den Platztausch zurück.

Die mangelnde Gegenwehr beim Duell der Markenkollegen findet Di Resta nur fair, für ihn hat der Sieg keinen faden Beigeschmack: "Ich habe nach meinem Stopp zuerst auch nicht so hart gegen Lucas gekämpft. Es geht um die Ausgeglichenheit und darum, zusammenzuarbeiten. Das Ziel war ein Doppelpodium und das haben wir erreicht."
Auch Auer verteidigt das Vorgehen, berichtet zudem von schlechterer Pace gegen Rennmitte. "Das muss ich akzeptieren. Erst am Ende bin ich wieder schneller gewesen", sagt der Österreicher zu ABMS. Dass er sich gegen Di Resta nicht hart verteidigt, ist für Auer selbstverständlich. "Audi war zu dem Zeitpunkt nicht weit weg. Da denke ich gar nicht an Paul, sondern an mich selbst. Wenn ich schon nicht gewinne, will ich wenigstens Zweiter werden. Da muss man einfach weiter denken."

Ein Doppelsieg mit Beigeschmack: Mercedes in Ungarn

Mercedes' DTM-Leiter Uli Fritz findet die Aufregung nach Rennende deshalb überzogen. "Wir können nicht mit den Fahrern reden und haben auch nicht gesagt, wie es ablaufen soll. Die Fahrer machen das untereinander aus, im Sinne von 'eigene Strategie optimieren'. Da hat Lucas entschieden, dass er sich die Reifen nicht kaputtfährt an Paul." Zudem gibt Fritz zu bedenken: "Paul war zu dem Zeitpunkt auch schneller. Es war keine Stallorder, keine Meisterschaftsentscheidungen, definitiv nicht."
Den Ärger vieler Fans und von Experte Scheider versteht Fritz aber: "Es sieht nicht schön aus am Fernseher, klar. Man muss den Fahrern aber den Raum lassen, dass sie die Strategie selbst für sich optimieren."
Bei der Konkurrenz kommt die Aktion trotzdem nicht wirklich gut an. "Jeder hat seine eigene Philosophie", sagt zwar Timo Glock. Von BMW-Sportchef Jens Marquardt gibt es dennoch eine kleine Mahnung in Richtung der Konkurrenz aus Stuttgart. "Wir haben bislang tolle und spannende Rennen gesehen. Wir tun gut daran, diese guten Zutaten weiterzuführen und nicht beim fünften von 20 Rennen auf das Ende der Meisterschaft zu schielen", sagt Marquardt auf ABMS-Nachfrage.

Gedämpfte Stimmung auf dem Podium in Budapest

Sportlich läuft der Tag für seine BMW-Truppe alles andere als rund. Die Münchner verpassen geschlossen die Top-10, holen keinen einzigen Punkt. Marquardt in Erklärungsnot: "Das war natürlich gar nichts, das muss man so klar sagen. Wir sind mit den heißeren Bedingungen heute nicht zurechtgekommen." Experte Scheider fordert: "Da müssen heute Abend die Köpfe rauchen. Für morgen muss man andere, krassere Wege gehen. Denn mit so einem Ergebnis kannst und willst du hier nicht nach Hause gehen."
Größer ist die Freude schon bei Audi, vor allem beim Dritten auf dem Podium, Nico Müller. Bis zum Samstag war der Schweizer als einziger Pilot 2018 noch punktelos. Auf dem Hungaroring gibt es für Müller dann erst zwei Bonuszähler für Platz zwei im Qualifying und im Rennen schließlich den Sprung aufs Podest.
Weil der bisherige Spitzenreiter Timo Glock durch die schwache BMW-Performance nicht über Rang 14 rauskommt, übernimmt Mercedes-Pilot Gary Paffett die Gesamtführung mit sieben Zählern Vorsprung. Von Platz neun gestartet, kommt der Brite immerhin noch auf den sechsten Rang nach vorne - auch Paffett hat dabei allerdings Hilfe, wird von Mercedes-Kollege Pascal Wehrlein durchgewunken, der schlussendlich 13. wird. Mercedes' Teamtaktiken sorgen also nicht nur an der Spitze für Aufregung...
Der DTM Gesamtstand hier im Überblick.
Ergebnis - Rennen, 2.6.2018:
1. Paul Di Resta (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM 57:13,199 Min.
2. Lucas Auer (Österreich) - Merced.-AMG C63 DTM +0,587 Sek.
3. Nico Müller (Schweiz) - Audi RS 5 DTM +2,236
4. René Rast (Minden) - Audi RS 5 DTM +2,898
5. Edoardo Mortara (Italien) - Merced.-AMG C63 DTM +6,695
6. Gary Paffett (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM +12,166
7. Robin Frijns (Niederlande) - Audi RS 5 DTM +15,009
8. Loic Duval (Frankreich) - Audi RS 5 DTM +22,754
9. Jamie Green (Großbritannien) - Audi RS 5 DTM +25,829
10. Daniel Juncadella (Spanien) - Merced.-AMG C63 DTM +26,844

So lief das Qualifying:

Diese Strecke liegt ihm einfach: Mercedes-Pilot Paul di Resta hat sich die Pole für das Samstagsrennen der DTM (13.30 Uhr in Sat.1) geschnappt. Im Vorjahr gewann der Schotte auf dem Hungaroring ebenfalls den ersten Lauf, empfahl sich damit sogar für einen Einsatz in der Formel 1 mit Williams - als Ersatzmann für den erkrankten Felipe Massa beim Ungarn GP 2017.
Mit einer Runde von 1:37.349 Minuten ist Di Resta am Samstagvormittag anderthalb Zehntel schneller als Audi-Pilot Nico Müller, der neben ihm in Reihe eins startet.

Dieser Ausritt kostet Lucas Auer die Pole in Ungarn

Im Pech ist hingegen Lucas Auer. Der Österreicher liegt auf Bestzeitkurs, kommt nach einem Quersteher jedoch von der Strecke ab. "Ich war richtig schnell bis Kurve elf, dann wollt ich's wissen. Dabei habe ich das Auto verloren. Wenigstens konnte ich es abfangen und den Einschlag verhindern - in so einem Moment geht dir der Puls auf 200 hoch", sagt Auer. Der Trost: Immerhin noch Startplatz drei und den letzten Zusatzpunkt fürs Quali.
Vorjahres-Champion René Rast startet dahinter als Vierter. Rast: "Damit können wir zufrieden sein. Audi sieht heute wieder stärker aus als zuletzt, Budapest liegt uns allgemein." Der Grund dafür: "In der Vergangenheit war's vor allem unsere gute Aero. Vielleicht kommt aber auch unsere Set-Up-Philosophie der Strecke entgegen. Der Kurs ist relativ schenll, alle fahren ein hohes Downforce-Level. Das hilft uns."
Nicht so gut läuft es hingegen bei BMW. Mit Augusto Farfus und Bruno Spengler schaffen es auf den Plätzen acht und zehn nur zwei Autos der Münchner in die Top-10.
Und auch die Favoriten in der Meisterschaft haben Probleme. Gary Paffett (Mercedes), aktuell Gesamtzweiter, kommt nur auf Startrang neun. Formel-1-Rückkehrer Pascal Wehrlein (Mercedes) startet lediglich vom zwölften Platz und der Gesamtführende Timo Glock (BMW) muss sich gar mit Rang 16 begnügen. "Ich habe leider nicht im Ansatz eine gute Runde hinbekommen, hatte immer Verkehr. Von da hinten wird es jetzt natürlich schwierig", so Glock.
Ergebnis - Qualifying, 2.6.2018:
1. Paul Di Resta (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM 1:37,349 Min.
2. Nico Müller (Schweiz) - Audi RS 5 DTM +0,135 Sek.
3. Lucas Auer (Österreich) - Merced.-AMG C63 DTM +0,215
4. René Rast (Minden) - Audi RS 5 DTM +0,249
5. Edoardo Mortara (Italien) - Merced.-AMG C63 DTM +0,378
6. Daniel Juncadella (Spanien) - Merced.-AMG C63 DTM +0,380
7. Jamie Green (Großbritannien) - Audi RS 5 DTM +0,555
8. Augusto Farfus (Brasilien) - BMW M4 DTM +0,568
9. Gary Paffett (Großbritannien) - Merced.-AMG C63 DTM +0,645
10. Bruno Spengler (Kanada) - BMW M4 DTM +0,701

Autoren: Frederik Hackbarth, Andreas Reiners

Fotos: Picture-Alliance

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