Herr Rast, von Audi sind Sie 2023 zu BMW gewechselt. Haben Sie sich an Ihre neuen Farben schon gewöhnt? 
René Rast (36): Ja, mittlerweile fühlt sich mein BMW-Overall nicht mehr fremd an, aber ich muss mich immer noch ein bisschen zwingen, meinen Fahrstil anzupassen. Den Audi R8 und den  BMW M4 kannst du nicht vergleichen. Der Audi hat einen Mittelmotor, der BMW einen Frontmotor. Mit dem Audi musst du eigentlich immer versuchen, die Geschwindigkeit in der Kurve hoch zu halten, während der BMW einen anderen Fahrstil erfordert: später bremsen, langsamer um die Ecke und zügig wieder raus.
Sie sind zuletzt am Norisring zweimal Zweiter geworden. Wie zufrieden sind Sie bisher mit Ihrer Saison?
Zufrieden. Mein Teamkollege Sheldon [van der Linde, Schubert-BMW; d. Red.] ist die Messlatte, hat letztes Jahr die Meisterschaft gewonnen und ist auch dieses Jahr mittendrin im Titelkampf. Dass ich mit ihm mithalten kann und teilweise sogar vor ihm war, damit kann ich sehr zufrieden sein.
Dreifach-Champion René Rast liegt in der DTM auf Rang sieben, hat 34 Punkte Rückstand auf Porsche-Pilot Thomas Preining.
Bild: Gruppe C Photography / ADAC

Sie sind nicht nur Sheldon van der Lindes Teamkollege, sondern mittlerweile gemeinsam mit Ihrem Manager Dennis Rostek auch sein Berater. Wie wichtig ist es Ihnen, Ihre Erfahrung an junge Rennfahrer weiterzugeben?
Sehr wichtig, denn Motorsport wird immer schwieriger. Es gibt kaum noch Nachwuchsklassen – und wenn doch, sind sie sehr teuer. Deswegen ist es im deutschen Motorsport derzeit extrem schwierig, weil einfach das Geld fehlt. Wenn wir weiter Fahrer in der Formel 1 haben wollen – oder auch in anderen relevanten Rennserien –,  müssen wir da definitiv ansetzen. Irgendwer muss die Ausbildung und Förderung zahlen. Und wenn ich den Jungs mit Expertise zur Seite stehen kann, hilft auch das.
Der ADAC setzt da mit seiner Stiftung Sport an, hat zur Saison 2023 auch die DTM übernommen und bekennt sich damit zum deutschen Rennsport. Wie finden Sie die neue DTM?
Der Name DTM steht immer noch für Premium-Hersteller und Premium-Fahrer sowie erstklassigen Rennsport im Allgemeinen. Ich glaube, es ist unheimlich wichtig, dass man das bewahrt.
Rasts BMW M4 des Schubert-Teams wird von einem 3-Liter-Reihensechszylinder-Twin-Turbo mit bis zu 590 PS angetrieben.
Bild: Gruppe C Photography / ADAC

Und wie wichtig ist Nachhaltigkeit im Motorsport?
Wir müssen alle unseren Beitrag dazu leisten, weniger CO2 auszustoßen. Wenn der Motorsport das fördern und ein Bewusstsein für nachhaltige Mobilität schaffen kann, ist schon viel gewonnen.
Die DTM fährt mit 50 Prozent Bioanteilen im Kraftstoff, in der Formel E, quasi Ihrem Zweitjob, fahren Sie mit Batteriestrom. Inwiefern kann der Motorsport auch Technologievorreiter sein?
Motorsport war immer Vorreiter. Da müssen wir wieder ansetzen. Wir dürfen die Fans aber auch nicht zu sehr vergraulen, weil sie immer noch den Motorsport haben wollen, den sie kennen und lieben. Sie gucken Rennen nicht, um die Welt zu verbessern, sondern weil sie Entertainment haben wollen. Das darf man einfach nicht vergessen. Das Gleiche gilt für die Hersteller: Sie machen das nicht nur, um grün zu werden, sondern um einen Marketing-Effekt zu bekommen.

Zur Person René Rast

Der Mindener ist der Allrounder des deutschen Rennsports. Er war Meister im Porsche Carrera Cup, Porsche Supercup und im ADAC GT Masters. Mit Audi dreimal Champion in der DTM. Jetzt für BMW in der DTM und McLaren in der Formel E 
unterwegs.

TV-Tipp DTM Nürburgring

Die DTM am Nürburgring gibt’s am 5./6. August jeweils ab 12.55 Uhr live auf ProSieben