E-Autos im TÜV-Vergleich: zehn Modelle im Check
TÜV-Schock für manche E-Autos – andere glänzen mit Topwerten

– Zehn Elektroautos tauchen im aktuellen TÜV-Report auf, darunter Tesla Model 3, VW ID.3, Renault Zoe und Hyundai Kona Elektro. Das Abschneiden der E-Autos bei der Hauptuntersuchung könnte kaum unterschiedlicher ausfallen. Wir haben die Quoten von allen Modellen verglichen und wissen, wer überzeugt und wer versagt.
Bild: Michael Nehrmann/AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Elektroautos müssen genauso wie Autos mit Verbrennungsmotoren zum ersten Mal drei Jahre nach der Erstzulassung und dann alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Der große Unterschied: Das Thema Abgasuntersuchung entfällt – und damit auch alle Prüfpunkte, die sich mit der Abgasanlage befassen. Denn die gibt es bei Elektroautos eben nicht.
Das ist toll, denn wegen löchriger Endtöpfe, klemmender AGR-Ventile oder verstopfter Rußpartikelfilter kann ein E-Auto nicht durch die Hauptuntersuchung fallen. Etwas überraschend: Weiterhin kann allerdings Ölverlust am Antrieb vorkommen. Zwar gibt es hier bisher nur einige wenige Modelle, die diesbezüglich Schwachstellen im aktuellen TÜV-Report aufweisen. Welche Komponenten für den Ölverlust verantwortlich sind, schauen wir uns aber bei den betreffenden Modellen noch genauer an.
Gravierendere Rolle spielt das hohe Gewicht der E-Autos
Eine gravierendere Rolle spielt aber das vergleichsweise hohe Gewicht der Elektroautos: Unter den bis zu über 500 Kilogramm schweren Akkus der von uns betrachteten E-Autos leiden vor allem das Fahrwerk und die Bremsen. Die Bremsscheiben werden allerdings oft auch durch Vernachlässigung in Mitleidenschaft gezogen. Durch den Widerstand des E-Motors in Rekuperationsphasen bleiben die eigentlichen Bremsen bei vielen Verzögerungsvorgängen arbeitslos. Denn dann arbeitet der Elektromotor als Generator und wandelt kinetische Energie in Strom um, der in den Akku gespeist wird. Die dabei entstehende Verzögerung reicht oft vollkommen aus, um das Auto zum Stillstand zu bringen.
Vorbildlich, wer sein E-Auto so gleichmäßig bewegt. Denn das reduziert nicht nur den Verbrauch, sondern auch die Feinstaubemissionen, die sonst durch den Bremsabrieb entstehen – und die können beträchtlich sein. Doch die Bremsscheiben rosten bei Nichtgebrauch – und werden dadurch öfter bei der Hauptuntersuchung beanstandet. Doch nun werfen wir einen Blick auf die einzelnen Modelle.
Die TÜV-Statistik zur ersten Hauptuntersuchung von E-Autos nach zwei bis drei Jahren zeigt deutliche Unterschiede in der Mängelfreiheit. Ganz vorne landen vor allem deutsche und koreanische Modelle: Der VW e-Golf, der Mini Cooper SE und der Hyundai Kona Elektro schneiden mit besonders hohen Quoten mängelfreier Fahrzeuge ab.

Bei den mängelfreien Modellen geben die E-Autos ein ausgeglichenes Bild ab. 50 Prozent sind besser, die andere Hälfte schlechter als der Schnitt.
Bild: KI
Im Mittelfeld bewegen sich unter anderem der VW ID.4, der Peugeot e-208 sowie der Opel Corsa-e. Deutlich schwächer fallen die Ergebnisse beim Skoda Citigo, dem Renault Zoe und vor allem beim Tesla Model 3 aus, das mit Abstand den niedrigsten Anteil mängelfreier Fahrzeuge aufweist.
Auch bei den geringen Mängeln – also Beanstandungen, die noch nicht zu einer Wiedervorführung führen – zeigt sich ein differenziertes Bild: Am besten schneiden der VW ID.3, der Mini Cooper SE und der VW e-Golf ab. Bei diesen Modellen liegt der Anteil kleiner Mängel teils deutlich unter dem Durchschnitt von 3,5 Prozent.

Bei den geringen Mängeln kristallisiert sich die Elite der E-Autos heraus. Vor allem Mini, Hyundai und VW zeigen kaum Schwächen.
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Deutlich höher ist die Quote hingegen beim Renault Zoe (5,2 %), dem Peugeot e-208 (4,5 %) sowie dem VW e-Up (4,1 %) und dem Tesla Model 3 (4,0 %). Diese Fahrzeuge landen mit Werten oberhalb des Durchschnitts im hinteren Feld der Statistik.
Deutlicher fallen die Unterschiede beim Anteil der erheblichen Mängel aus – also jenen Defekten, die eine Wiedervorführung beim TÜV erforderlich machen. Am schlechtesten schneidet dabei der Tesla Model 3 ab: Mit einem Mängelanteil von 14,2 Prozent liegt er mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt (6,4 Prozent). Zwar bringt das Model 3 auch die höchste durchschnittliche Laufleistung im Feld mit – 53.000 Kilometer –, doch liegt seine Durchfall-Quote höher als bei den meisten Prüflingen nach sechs bis sieben Jahren, also zum dritten TÜV-Termin.
Mit Ruhm bekleckern sich auch Renault Zoe und Skoda Citigo e iV nicht. Sie kommen bei rund 30.000 Kilometer Laufleistung ebenfalls auf hohe Werte von acht 8,9 Prozent, der Corsa-e folgt mit acht Komma drei Prozent.

Das Model 3 übertrifft alle – im negativen Sinne. Zoe, Corsa-e und e-Up sind allerdings auch deutlich schlechter als der Durchschnitt. Besonders erfreulich schneiden Mini, Kona und Golf ab.
Bild: KI
Besser schneiden Modelle wie der VW ID.3, der Mini Cooper SE oder der Hyundai Kona Elektro ab – sie bleiben mit rund 33.000 bis 36.000 Kilometern und Mängelquoten zwischen vier und fünf Prozent unter dem Schnitt. Am besten im Vergleich: der VW e-Golf mit nur 3,4 Prozent erheblichen Mängeln bei 32.000 Kilometern Laufleistung. Nicht mehr weit weg vom aktuellen Sieger des TÜV-Reports, dem Honda Jazz, der auf lediglich 2,4 Prozent erhebliche Mängel kam.
Das sind die Problemzonen der E-Autos
Starten wir mit dem größten Sorgenkind, dem Tesla Model 3. Beim TÜV macht vor allem das Fahrwerk des Amis mit der Achsaufhängung Probleme. Die Mängel-Werte zur ersten HU liegen 15 Mal über dem Durchschnitt. Auch Rost und angegriffene Bremsleitungen können zur ersten HU bereits zum Scheitern führen, beides ist jedoch sehr selten.

Der Tesla Model 3 liefert im aktuellen TÜV-Report zur ersten HU die schlechteste Vorstellung ab. Die Quote der erheblichen Mängel ist vergleichbar mit dem Durchschnittswert zur dritten HU nach sechs bis sieben Jahren.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Nicht selten dagegen sind verschlissene Bremsscheiben und eine Beeinträchtigung der Bremsleistung. Dazu finden die Prüfer viele Fehler an der Beleuchtung, allen voran den vorderen Scheinwerfern (Tagfahrlicht und Abblendlicht). Doch auch Fehler an den Heckleuchten kommen häufiger vor. Insgesamt die schwächste Vorstellung aller geprüften Modelle – Verbrennermodelle mit einbezogen. Da ist die hohe Laufleistung nur ein kleiner Trost.
Auch der Renault Zoe zeigt sich zur ersten Hauptuntersuchung nicht von seiner besten Seite. TÜV-Prüfer bemängeln besonders häufig die Achsen und Achsaufhängung, gefolgt von Bremskomponenten und der Funktion der Fußbremse. Vor allem die Verschleißteile der Bremsanlage – etwa korrodierte oder ungleichmäßig abgefahrene Bremsscheiben – führen vergleichsweise oft zu einer Beanstandung. Probleme mit der Beleuchtung und der Lenkung treten ebenfalls regelmäßig auf.

Renault Zoe: Viel besser als der Tesla, aber bei den erheblichen Mängeln immer noch deutlich über dem Mittelwert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ab der zweiten HU kommt ein weiteres Thema bei einigen Zoe-Modellen auf: Ölverlust am Motor bzw. Antrieb. Das kann die Dichtung des Getriebeausgangs zur Antriebswelle sowie gelegentlich den Bereich um die E-Maschine betreffen, wo kleine Undichtigkeiten entstehen können. Die betroffenen Stellen sind dabei oft schwer zugänglich und werden beim TÜV durch Ölspuren am Unterboden sichtbar.
Beim Opel Corsa-e bemängeln die Prüfer zur ersten HU häufiger die Achsaufhängung sowie die Bremsscheiben. Dazu kommen Mängel an der Beleuchtung, bei denen insbesondere Abblend- und Tagfahrlicht auffallen.

Bild: Stellantis
Ölverlust am Antrieb kommt unterdurchschnittlich oft vor, ist aber nicht ausgeschlossen. Potenzielle Kandidaten für Undichtigkeiten sind Antriebswellen oder das Reduktionsgetriebe.
Beim VW e-Up konzentrieren sich die Beanstandungen zur ersten HU vor allem auf die Beleuchtung – besonders Scheinwerfer und Schlusslichter fallen vergleichsweise häufig negativ auf.

Bild: Tobias Kempe
Auch bei der Fußbremse und den Bremsbauteilen zeigt sich ein höheres Mängelaufkommen. Achsaufhängung und Lenkung zeigen ebenfalls gelegentliche Auffälligkeiten, bewegen sich aber im normalen Rahmen.
Am Peugeot e-208 bemängeln die Prüfer häufiger die Bremsanlage – konkret geht es um starke Abnutzung an Scheiben und Belägen, die bereits nach rund 30.000 Kilometern auffällig häufig auftreten.

Bild: PSA Group
Auch bei der Achsaufhängung werden überdurchschnittlich viele Mängel dokumentiert, etwa in Form von Spiel oder Verschleiß an Querlenkern und Lagern. An der Beleuchtung zeigen sich hingegen nur unterdurchschnittlich viele Auffälligkeiten. Einzelne Fahrzeuge weisen auch Undichtigkeiten am Antrieb auf.
Überraschend stark wird beim VW ID.4/ID.5 die Funktion der Fußbremse bemängelt. An den Bremsscheiben haben die Prüfer hingegen kaum etwas auszusetzen – hier sind die großen E-Autos von VW eine postivie Ausnahme. Auffälliger ist der Bereich Achsaufhängung und Fahrwerkskomponenten – bei SUV dieser Klasse nicht ganz untypisch, aber dennoch relevant. Positiv hervorzuheben ist dagegen die Beleuchtung, die kaum negativ auffällt.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Vergleichsweise häufig tritt dagegen Ölverlust am Antrieb auf. Auch wenn nicht alle Fahrzeuge betroffen sind, wird bei einem spürbaren Teil der ID.4/ID.5 bereits zur ersten HU eine Undichtigkeit vermerkt. Die Ursachen: schwitzende Dichtstellen an der Antriebswelle oder am Getriebeausgang, oft begünstigt durch thermische Belastung im Betrieb. Mit durchschnittlich 38.000 Kilometern bringt der ID.4 zudem eine der höchsten Laufleistungen im Testfeld mit.
Häufige Beanstandungen betreffen beim VW ID.3 die Achsaufhängung, Lager oder Gelenke weisen mit zunehmender Laufleistung Verschleiß auf. Auch die Funktion der Fußbremse wird von den Prüfern überdurchschnittlich oft kritisiert.

Bild: Volkswagen AG
Die Bremsscheiben sind allerdings wie bei den großen Brüdern ID.4/ID.5 nur sehr selten ein Thema – erfreulich! Nur Durchschnittlich sind die Mängelquoten beim Abblendlicht. Wichtiger: Ölverlust wird beim TÜV dagegen überhaupt nicht beanstandet.
Der Mini Cooper SE gehört zu den erfreulichen Überraschungen im TÜV-Vergleich: Mit nur wenigen Beanstandungen zur ersten HU beweist der britisch-bayerische Stromer solide Qualität. Selten notieren die Prüfer kleinere Auffälligkeiten an der Achsaufhängung. Häufiger tauchten dagegen Beleuchtungsmängel auf, meist im Bereich des Abblend- und Tagfahrlichts.

Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Bei Bremse und Bremsbauteilen bleibt der Mini fast komplett Mängelfrei. Sowohl die Bremswirkung als auch der Zustand der Komponenten liegt im grünen Bereich – ein seltener Fall bei E-Fahrzeugen. Insgesamt zählt der Mini Cooper SE zu den zuverlässigsten Vertretern im gesamten Vergleich.
Der Hyundai Kona Elektro liefert bei der ersten HU eine überzeugende Vorstellung. In den meisten Prüfpunkte bleibt der Koreaner mängelfrei oder die Quote klar unter dem Durchschnitt, was dem Kona Elektro zu einem der vordersten Plätze im TÜV-Vergleich verhilft.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Sein größtes Problem sind die leicht überdurchschnittlich oft verschlissenen Bremsscheiben. Demgegenüber steht die vergleichsweise hohe Laufleistung von durchschnittlich 36.000 Kilometern.
Der VW e-Golf liefert zur ersten Hauptuntersuchung eine fast mustergültige Vorstellung ab. Mit einem Anteil erheblicher Mängel von nur 3,4 Prozent und einem sehr geringen Gesamtmängelaufkommen überzeugt das Wolfsburger E-Auto. Klassische Problemzonen wie Achsaufhängung, Dämpfung und Federung betreffen ihn nicht, obwohl er mit über 1,6 Tonnen deutlich schwerer ist als die Verbrenner-Version.

Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Leicht erhöhte Beanstandungen kommen lediglich bei der Bremswirkung vor. Und: Mit 32.000 Kilometern Laufleistung weist der E-Golf für ein E-Auto ein ordentliches Fahrpensum auf. Unterm Strich bleibt der Eindruck eines ausgereiften, solide verarbeiteten Stromers. Schade, dass Ladetechnik (maximal 40 kW Ladeleistung) und Akku-Größe (31,5 kWh nett) nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind.
Fazit
Die TÜV-Auswertung zeigt deutliche Unterschiede in der Qualitätsbilanz junger Elektroautos. Während VW e-Golf, Hyundai Kona Elektro und Mini Cooper SE mit besonders niedrigen Mängelquoten überzeugen, enttäuscht vor allem der Tesla Model 3 mit der höchsten Quote erheblicher Mängel. Auffällig: Mehrere Volumenmodelle wie der Renault Zoe und Opel Corsa-e schneiden ebenfalls schlechter ab als der Durchschnitt. Das zeigt, dass E-Autos in puncto Zuverlässigkeit noch kein Selbstläufer sind – und Käufer genauer hinschauen sollten.
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