E-Bikes als Reisegefährten: Was Camper beim Transport beachten müssen
So transportieren Camper ihre E-Bikes sicher

– E-Bikes sind die neuen Lieblinge der Wohnmobilisten. Kein Wunder, erhöhen sie doch die Reichweite am Urlaubsort erheblich. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten und was Sie einpacken sollten.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Das E-Bike hat das muskelbetriebene Fahrrad in der Beliebtheit überholt. Auch die meisten Camper stehen auf den Rückenwind aus der Steckdose, vergrößert er doch im Urlaub den Bewegungsradius. Was das Fahren erleichtert, erschwert buchstäblich den Transport.
Schließlich beschert der E-Antrieb dem Fahrrad einen satten Gewichtsaufschlag. Das System aus Elektromotor und Akku bringt allein im Schnitt schon zusätzliche sieben Kilogramm auf die Waage, dazu gesellt sich eine robustere Rahmenkonstruktion. Deshalb muss der Käufer mit einem Mindestgewicht von 20 Kilogramm rechnen. Gängige Touren-Pedelecs wiegen sogar oft mehr als 25 Kilogramm.
Das spürt der geneigte E-Biker, wenn er sein Zweirad auf den hoch am Fahrzeugheck montierten Träger hieven will. Die sind speziell bei kurzen Alkovenmobilen und Teilintegrierten gang und gäbe. Die Träger sind deshalb hoch angebracht, weil die StVZO einen freien Blick auf Heckleuchten und Nummernschild vorschreibt.

Ist der Fahrradträger hoch montiert, erweist sich eine Haushaltsleiter beim Be- und Entladen als praktisch.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Für Campingbusse bieten Fahrzeughersteller Trägersysteme an, die direkt an der Heckklappe befestigt werden. Allerdings sind die Gasdruckfedern, die eine geöffnete Heckklappe oben halten, oft überfordert. Da ist es durchaus empfehlenswert, eine mechanische Stütze, beispielsweise einen Holzstiel, mitzuführen, damit die Heckklappe nicht sofort wieder zuknallt. Sofern man kein Gardemaß hat, ist auch eine kurze Haushaltsleiter keine schlechte Idee. Damit muss man beim Beladen nicht ständig über Kopf arbeiten, Montage und Sicherung der Bikes auf dem Träger gelingen besser.
Akku sollte ausgebaut werden
Noch bevor die Fahrräder nach oben gehievt werden, sollten sie leichter werden. Der Akku muss raus, das bringt schon mal zwei bis drei Kilogramm Gewichtsersparnis. Der landet zusammen mit anderen losen Teilen wie Fahrradcomputer, Handyhalterung oder Luftpumpe ohnehin im Stauraum. Gaffer-Tape schützt die elektrischen Kontakte der Akkuhalterung vor Verschmutzung und Feuchtigkeit. Bei Fahrrädern mit integrierten Stromspeichern sollte nach Entnahme des sogenannten Intube-Akkus der entstandene Hohlraum abgedeckt werden. Premiumhersteller bieten passgenaue Deckel an. Notfalls tut es aber auch Plastikfolie, die mit Klebeband stramm über der Rahmenöffnung fixiert wird.

Rahmenfeste Akkus sollten vor dem Transport ausgebaut werden.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Das ist noch wichtiger, wenn man einen Kupplungsträger nutzt. Denn hier sind die Fahrräder bei Regenfahrten permanent der Gischt ausgesetzt, die das eigene Mobil produziert. Der Kupplungsträger ist die Eier legende Wollmilchsau, weil er leicht ist und auch mal auf dem eigenen Pkw genutzt werden kann. Außerdem ist er einfach zu beladen.
Stützlast muss beachtet werden
Solche Träger sind in der Regel für zwei Fahrräder ausgelegt und dürfen mit maximal 60 Kilogramm belastet werden. Für zwei E-Bikes reicht das, doch darf die Stützlast, die je nach Fahrzeug zwischen 75 und 100 Kilogramm liegt, nicht überschritten werden. Dabei ist das Eigengewicht des Trägers, der zwischen rund 13 und 20 Kilogramm liegt, noch mit einzurechnen. Aber auch das sollte kein Problem darstellen. So lässt sich an einem Fahrzeug mit hoher Stützlast unter Umständen auch ein Träger mit drei Fahrradschienen befestigen.

Klebeband schützt die Elektrokontakte vor Schmutz und Feuchtigkeit.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Acht geben sollte man auf jeden Fall auf die Schienenlänge. Speziell Pedelecs mit Mittelmotoren haben oft einen größeren Radstand als normale Fahrräder und brauchen daher längere Schienen mit mindestens 1,20 Meter Länge. Wie groß der tatsächliche Achsabstand am eigenen Bike ist, lässt sich einfach mit einem Zollstock nachmessen. Nicht missen wollen wir schließlich, den Träger – auch in beladenem Zustand – nach hinten abklappen zu können. Denn nur so kommt man unterwegs auch noch an den Inhalt des Heckstauraums heran.
Der Preis ist nicht alles
Beim Kauf des Kupplungsträgers lohnt es sich, einschlägige Vergleichstests nachzulesen. Da landen regelmäßig Modelle der Marken Thule, Uebler und Atera auf den vorderen Plätzen, auch Westfalia ist meist gut platziert. Die unverbindlichen Preisempfehlungen für solche Siegertypen bewegen sich in etwa zwischen 400 und 700 Euro, in der Praxis allerdings werden sie meist günstiger gehandelt. Eine individuelle Preisrecherche lohnt sich also, einfach den billigsten Träger zu kaufen, sicher nicht. Schließlich transportiert man hier wertvolles Gut. Wer 2000 bis 5000 Euro pro Pedelec ausgibt, sollte nicht auf 50 Euro beim Trägerkauf schauen.

Der Träger von Weih-tec wird seitlich weggeschoben, um die Hecktüren öffnen zu können.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Die superstabile Alternative zum Kupplungsträger ist das rahmenfeste Trägersystem. Hier muss man sich um die Traglast keine ernsthaften Sorgen machen, dafür aber tiefer in die Tasche greifen. Ab 2000 Euro bekommt man zum Beispiel einen Träger des Herstellers Weih-Tec, der uns gut gefallen hat. Die Fahrräder lassen sich bequem verladen und parken superstabil. Will man die Hecktür des Campervans öffnen, lässt sich das Schienensystem samt Ladung nach links oder rechts wegschieben.
In preislichen Sphären eines E-Bikes bewegen sich Träger, die bei Ducato und Co in den Scharnieren der Heckflügeltüren Halt finden. Dazu gehört beispielsweise das Modell Futuro E-Lift von Sawiko für knapp 3000 Euro. Es lässt sich zum Beladen und Befestigen der Bikes elektrisch bis auf den Boden absenken. Danach werden die Fahrräder so weit angehoben, dass sowohl die Rückleuchten des Campers als auch sein Kennzeichen frei sichtbar sind. So weit oben kommen auch lange Finger deutlich schwieriger dran.

Ladungssicherung ist auch beim Bike-Transport im Wohnmobil oberste Bürgerpflicht.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Noch sicherer sind Bikes im Innenraum großer Vans oder Reisemobile untergebracht. Sie lassen Ihre Pedal-Stromer komplett im Heckstauraum verschwinden, wo sie vor Wind, Wetter und bösen Buben gut geschützt ans Urlaubsziel reisen.
Service-Links