Elektro-Scooter ohne Sitz im Vergleich

E-Scooter: Test

Elektro-Scooter im Vergleich

Sogenannte "Last-Mile"-Lösungen sind die Alternative, um nervenden Staus in der Rushhour zu entgehen. AUTO BILD hat sieben Modelle getestet. Plus: Fünf Elektro-Roller im AUTO BILD REISEMOBIL-Test.
E-Scooter, elektrische Skateboards und Hoverboards liegen voll im Trend: Immer mehr Menschen summen auf elektrischen Mikromobilen durch die Städte. Kein Wunder, denn besonders in der Rushhour bremsen teure Parktickets, lange Parkplatzsuche und Staus die Lust am Autofahren. Dazu kommen Diesel-Fahrverbote wegen zu hoher Stickoxidwerte, etwa in Hamburg. Darum ist in großen, urbanen Räumen ein Wandel im Mobilitätsverhalten erkennbar. Zunehmend setzen Pendler und Großstädter auf "Last Mile"-Lösungen. Hierbei handelt es sich um Elektro-Kleinstfahrzeuge für kurze Strecken, also für die letzten ein bis zwei Kilometer ins Büro. Die kompakte und faltbare Bauweise vieler E-Scooter erlaubt die Mitnahme in Bus und Bahn oder das Verstauen im Kofferraum und ermöglicht so das einfache Kombinieren verschiedener Verkehrsmittel.

Sieben E-Scooter ohne Sitz im Test

Billiges Blech: gebrochener Schweißpunkt am Rahmen des Takira E-Scooters.

AUTO BILD hat sieben E-Scooter getestet. Nach den ersten Runden war sofort klar: Außer dem Billigprodukt von Takira haben alle Suchtpotenzial! Bei Tempo 20 – einige Flitzer können auch schneller – weht einem ordentlich der Wind um die Ohren. Da fühlt sich sogar die Fahrt zum langweiligen Morgen-Meeting wie Urlaub an. Und das ganz ohne Strampeln und Schwitzen. Somit sind E-Scooter und Co tatsächlich eine umweltfreundliche Antwort auf das alltägliche Verkehrschaos. Logisch, dass viele neue Start-ups entstehen, die sich mit dem Thema Mikromobilität beschäftigen und clevere Konzepte entwickeln. Auch die Automobilindustrie tüftelt bereits an Lösungen, die den Pkw sinnvoll ergänzen sollen. BMW etwa hat mit dem X2City bereits einen E-Scooter im Angebot.
Alle Kandidaten mussten sich auf einem abgesperrten City-Parcours einem umfangreichen Härtetest stellen. Nach Topspeed- und Beschleunigungsmessungen wurden Fahreigenschaften und Komfort geprüft. Machen die Flitzer Spaß, wie kommen sie mit Unebenheiten und Steigungen zurecht, wie gut sind die Bremsen? Und: Lassen sich die Roller praktisch transportieren? Dazu haben wir Maße und Gewicht gecheckt. Abschließend wurden Verarbeitung und Design bewertet.
Die Testergebnisse aller sieben E-Scooter im Detail gibt's in dieser Bildergalerie!

Elektro-Scooter ohne Sitz im Vergleich

Rechtslage zu E-Scootern noch ungewiss

Leider ist die Nutzung der coolen E-Scooter auf öffentlichen Verkehrswegen bislang meistens verboten. Die meisten Elektro-Scooter werden wegen ihres Motors als Kraftfahrzeug angesehen. Voraussetzung fürs Fahren sind eigentlich Führerschein, Zulassung und Versicherung. Meist können sie aber keiner genehmigungspflichtigen Fahrzeugart zugeordnet werden. Wird ein Fahrer im öffentlichen Verkehr mit einem Elektro-Scooter ohne Zulassung erwischt, drohen Geldbuße, ein Punkt in Flensburg und Strafverfahren. Laut Bundesregierung soll den E-Scootern noch 2018 die Teilnahme am öffentlichen Verkehr erlaubt werden. Demnach wird eine eigene Fahrzeugkategorie mit Tempo 12 bis 20 km/h (Klasse: "Elektro-Kleinstfahrzeuge") angestrebt. Rechtlich sollen diese "wie Fahrräder mit der Maßgabe besonderer Vorschriften" behandelt werden, also beispielsweise Radwege benutzen müssen/dürfen. Führerschein- oder Versicherungspflicht gäbe es dann nicht.
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Reichweite: 20 km

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Reichweite: 20 km

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Reichweite: 25 km

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Reichweite: 35 km

Fünf Elektro-Scooter mit Sitz im Test

E-Scooter mit Zulassung gelten aktuell noch als Leichtmofa und sind von der Helmpflicht befreit. Sie benötigen dafür aber einen Führerschein und ein Versicherungskennzeichen. AUTO BILD REISEMOBIL hat fünf Elektro-Roller mit Straßenzulassung getestet. Zwischen 38,2 und 71,4 Kilogramm bringen die fünf Test-Scooter auf die Waage. Zum Vergleich: Der schwerste Kandididat aus dem Test oben wog 28 Kilo, der leichteste neun. Außer beim SFM Oliver 500 bestehen die Rahmen überwiegend aus Stahl statt aus Aluminium. Trotzdem sind sie eine interessante Alternative: Sie lassen sich mit wenigen Handgriffen zusammenfalten und fahren rein elektrisch. Muskelkraft benötigt man nur beim Ein- und Ausladen. Kinderleicht dagegen der Start: Schlüssel rein, Zündung an, am Stromgriff drehen – los geht's. Und wie! Nur der Takira Tank Type 500 TT hält sich an die vorgeschriebenen 20 km/h Spitze. Der SFM Oliver 500 und der Forca Bossmann liegen knapp drüber und noch in der Toleranz. Forca Evoking (bis 26 km/h) und Eneway Revoluzzer (bis 30 km/h) verlangen dagegen eine gewisse Selbstbeherrschung, um dem Reiz des zu schnellen Fahrens nicht zu erliegen.

Baumwurzeln, Schlaglöcher und Kantsteine sind wegen der kleinen Reifen eine echte Herausforderung für E-Scooterfahrer.

Und es macht Spaß, ohne Anstrengung den Fahrtwind zu spüren. Zumindest auf kurzen Fahrten wie zum Brötchenholen oder an den Strand. Kaum zu glauben, wie unterschiedlich sich 500 Watt anfühlen können: Am besten gefällt uns der Nabenmotor des Revoluzzer 2.0. Er kommt dem Ideal eines fast lautlosen E-Mobils am nächsten. Ganz anders der Forca Evoking. Sein Motor überträgt die Kraft per Kette und jault dabei unüberhörbar. Der Forca Bossmann ist bei gleichem Antriebskonzept leiser, aber wegen des hohen Gewichts viel träger. Der bürstenlose Drehstrommotor im SFM Oliver 500 treibt des Hinterrad per Zahnradgetriebe an, reagiert beim Beschleunigen aus dem Schiebebetrieb aber mit Verzögerung und nervt mit Klackgeräuschen im Freilauf.

Steigungen werden zur Geduldsprobe

Längere Strecken lassen schnell den Wunsch nach mehr Geschwindigkeit aufkommen. Das gilt besonders auf vielbefahrenen Straßen, wo mit 20 km/h dahinzuckelnde Elektro-Scooter ein Verkehrshindernis sind. Noch schlimmer wird es an Steigungen. Selbst leichteste Anstiege spürt der E-Scooter-Fahrer sofort, steilere Erhebungen werden zur Geduldsprobe. Bergab weiß der Fahrer die serienmäßigen Scheibenbremsen zu schätzen. Damit kommen die E-Scooter aus Tempo 20 in unter zwei Metern zum Stehen. Am besten verzögert der Revoluzzer, der schon nach 1,5 Metern steht. Der Tank Type hat die schwergängigsten Bremsen und hebt bei Vollbremsung schon mal das Hinterrad.

Die Reichweite hängt von vielen Faktoren ab

Schränkt die Käuferschaft ein: Der Fahrer des Tank Type darf maximal nur 77 Kilo wiegen.

Wer die E-Scooter viel rollen lässt und wenig bremsen muss, der kann mit dem Evoking mehr als 50 Kilometer schaffen. Die letzten Kilometer allerdings bei nachlassender Geschwindigkeit. Ein paar Kilometer früher bleiben der Oliver 500 und der Revoluzzer stehen. Der Bossmann macht schon nach etwa 35 Kilometern schlapp, dem Tank Type fehlt für mehr als 25 Kilometer Reichweite der Freilauf. Genaue Angaben zur Reichweite sind schwierig – sie hängt von Streckenprofil, Temperatur und auch vom Gewicht des Fahrers ab. Der darf beim Tank Type nur 77 Kilo wiegen, beim Bossmann sind es 83, beim Oliver 96, beim Evoking 101 und beim Revoluzzer sogar 146 Kilo. Die simplen Ladezustandsanzeigen arbeiten nur bei Volllast einigermaßen zuverlässig. Bis die leeren Blei-Akkus wieder aufgeladen sind, dauert es zwischen acht und neun Stunden. Stärkere Akkus gibt's für alle gegen Aufpreis.

Blinker sind empfehlenswerte Extras

Alle fünf E-Scooter mit Sitz lassen sich gut fahren und sind dabei gar nicht mal unkomfortabel. Oliver 500, Revoluzzer und Tank Type haben sogar einstellbare Federungen. Beim Bossmann stört die schwergängige Lenkung, der kleine Lenkeinschlag erschwert das Rangieren. Am wohlsten fühlen sich die Roller auf ebenem Untergrund. Unebenheiten aller Art sind mit Vorsicht zu genießen. Die begrenzte Fahrstabilität der kleinen Reifen fällt besonders beim Abbiegen auf, wenn der Fahrer Handzeichen gibt und einhändig fährt. Daher sind Blinker empfehlenswerte Extras. Mindestens ein Rückspiegel ist vorgeschrieben, beim Fahren aber verzichtbar. Bei allen Scootern verhindern Sicherheitsschalter das Losfahren bei ausgeklapptem Ständer und Vortrieb bei gezogener Bremse. Lenkradschlösser suchen wir vergebens. Sie wären ein guter Diebstahlschutz, denn wegtragen wird diese kleinen Schwergewichte niemand. Beim Oliver 500 kann der Fahrer den Akku vor Diebstahl schützen und das Fach unterm Trittbrett abschließen. Zum Transportieren lassen sich die E-Scooter mit wenigen Handgriffen zusammenklappen. Das Faltmaß haben wir ohne Werkzeug ermittelt. Die Spiegel lassen sich zur Not auch ohne Schraubenschlüssel losdrehen. Beim Verstauen hilft es, den Akku herauszunehmen. Er steckt bei allen in einer praktischen Tasche. In der Bildergalerie: alle detaillierten Ergebnisse des AUTO BILD REISEMOBIL-Tests!

Fünf E-Scooter mit Sitz im Test

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FORCA Evoking III

Preis: 739,99 Euro

Reichweite: bis 40 km

FORCA Bossman-S

Preis: 1069,99 Euro

Reichweite: bis 40 km

TAKIRA racing Tank Type 1000TTX

Preis: 499,99 Euro

Reichweite: bis 20 km

E-Flux Freeride

Preis: 459,90 Euro

Reichweite: bis 20 km

SFM Oliver 500 Silicium

Preis: ab 1199,00 Euro

Reichweite: bis 25 km

Autoren: Michael Struve, Christian Bruns, Jörg Maltzan

Stichworte:

Elektroroller

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