Es gibt Regionen, da bestimmen im Winter nicht Autos, sondern Schneemobile (Ski-Doos) das Bild. Nicolas Muron, Luftfahrtingenieur aus Saint-Nicolas de Véroce in den französischen Alpen, war genervt von dem Geknatter – und erfand das Moonbike. Jetzt stehen wir vor dieser Weltneuheit und reiben uns die Augen, denn der Anblick ist schon schräg: Nase vom Snowboard, Rumpf mit flacher Sitzbank wie beim 
Motorroller, Federgabel à la Mountainbike, Lenker ähnlich denen an BMX-Rädern. Dazu beißt sich eine breite Raupenkette in den Schnee, die auch einem ausgewachsenen Snowmobil stünde. Das Ganze surrt dann so leise durch die Winterlandschaft wie ein Tesla mit Schrittgeschwindigkeit. Anhand der Optik und sehr oberflächlich betrachtet, könnte man also meinen: Auweia – damit durch die verschneiten Alpen? Nach einer exklusiven Testrunde am Stubaier Gletscher in Tirol können wir nur heftig nicken: und ob!
Spaßgerät? Einsatzmobil für Profis? Beides. Vorrangig soll das Moonbike in alpinen Gebieten Liftbetreibern, Jägern, Hüttenwirten oder Bergrettern (dann mit Anhänger) die Arbeit erleichtern.
Das Moonbike ist schließlich genau hierfür gemacht. Es soll im Rettungseinsatz dienen, Pistenbully-Fahrer zu ihren Einsatzgeräten bringen, Liftbetreibern die Wartung ihrer Masten erleichtern oder auch einfach nur Spaß bereiten bei Schneetouren von Hütte zu Hütte. Die dürfen auch mal länger ausfallen: Der Akku unter der Sitzbank lässt sich gegen Aufpreis verdoppeln, damit käme das einspurige Schneemobil selbst bei minus 25 Grad bis zu drei Stunden lang vorwärts. Der Batteriekasten ist beheizt, damit der sensi­ble Stromspender in der Kälte durchhält. Die Batterie lässt sich über einen Anschluss in der Verkleidung oder ausgebaut über einen 230-Volt-Stecker aufladen. 

Quirlig geht's durch die Winterlandschaft

Der Fahreindruck in einem Satz: Quirliger kann man kaum durch die Winterlandschaft kommen! Dank 175 Nm starkem Radnabenmotor – der dann über Umlenkrollen die Antriebskette in Bewegung setzt – pflügt sich das Moonbike tabulos durch die Schneelandschaft. Per Daumenhebel rechts wird die E-Maschine dosiert, mit dem Bremshebel links betätigt der Fahrer eine hydraulische Hinterradbremse.
Die breite Gummiklette beißt sich auch auf vereisten Passagen oder bergauf unbeirrt in den Schnee – das Fahren auf der Kante in Kurven erfordert etwas Mut.
Der Rest ist Traktion: Wie ein Raupenbagger schiebt sich das Moonbike selbst auf eisig-rutschigen Rampen vorwärts. Ohne Verluste beißen die biegsamen Gummizähne in die Schnee­decke, außer einem schnarrenden Geräusch aus der Umlenkung der Kette hört man nichts vom Schneegestöber im Untergeschoss. Überhaupt fühlt sich das Moonbike sehr fest und hochwertig verarbeitet an. Das Cockpit ist wasserdicht, die Antriebsschrauben sind aus Edelstahl – klasse! 
Das Moonbike steht für nachhaltige Mobilität. Der Akku unterm Sitz hält 1,5 bis 3 Stunden.
Gewöhnungsbedürftig: Trotz der kleinen Finne in der Sohle der vorderen Kufe möchte der Scooter jeder noch so kleinen Rille im Untergrund nachlaufen. Kurven lassen sich am besten in Schräglage bewältigen. Allerdings erfordert es reichlich Gewichtsverlagerung und eine kleine Portion Mut, das Gefährt auf dem glatten Untergrund in Schräglage zu bringen. Nach ein paar Übungskurven klappt das jedoch – Skifahren ist deutlich schwerer zu erlernen.
Bis zu 42 km/h sind drin – und das fast ohne Antriebsgeräusche.
Richtig in seinem Element ist der Scooter in knöcheltiefem Neuschnee. Sanft gleitend schiebt sich die Kufe ihre Bahn. Ab hier versteht man auch, warum der Hersteller das Fahrzeug Moonbike nennt: Es fühlt sich fast schwerelos an, wenn das Bike mit Tempo und zartem Tupfen über kleine Schneekuppen eine Serpentine erstürmt. Die Bremse benötigt man kaum, sobald der Fahrer vom Gas geht, verzögert das Moonbike über die Rekuperation. Und noch etwas ist gewöhnungsbedürftig, gerade für Biker: Beim Anhalten steigt man einfach ab. Nichts kippt– das Moonbike bleibt dank der breiten Kette eiskalt stehen.
Heiß auf Eis: Redakteure Jan Horn (l.), Matthias Moetsch am Stubaier Gletscher in Tirol.

TECHNISCHE DATEN: Motor: Elektro-Radnabenmotor. Leistung: 3 kW (4 PS). max. Drehmoment: 175 Nm. Antrieb: Gummikette. Leergewicht: 87 kg. Fahrdauer: 1,5-3 Std. Spitze: 42 km/h. Steigfähiigkeit: 40 Prozent. Fahrbare Schneetiefe: 30 cm. Preis: 10.600 Euro.