Tankrabatt und 9-Euro-Ticket sind weg, was nun? Schauen Autofahrer jetzt in die Röhre? Erstmal schon. Zwar wird über ein günstiges Monatsticket als Nachfolger des beliebten 9-Euro-Tickets bereits gesprochen, doch nützt das den Berufspendlern, die regelmäßig tanken müssen, wenig, denn Tanken ist wieder deutlich teurer. Aber: Wenn schon keine neue Rabattaktion für Benzin und Diesel im Gespräch sind, so werden wenigstens die ab 2023 geplanten Schritte zum Erhöhen der Spritpreise um ein Jahr verschoben. Hier die Infos für Autofahrer, die im jüngsten Entlastungspaket der Ampel-Regierung enthalten sind, es ist das dritte Paket.

Diese Entlastung gibt's für Autofahrer

Die eigentlich gute Nachricht im Entlastungspaket ist, dass eine schlechte um ein Jahr verschoben wurde. Eigentlich hätte mit Beginn des Jahres 2023 die nächste Erhöhung der CO2-Abgabe greifen sollen. Sie hätte den CO2-Preis für Benzin auf 9,8 Eurocent pro Liter (+ 1,4 Cent) und für Diesel auf 11 Cent (+ 1,5 Cent) ansteigen lassen sollen. Diese Erhöhung wird nun auf 2024 verschoben, die für nachfolgende Jahre geplanten weiteren Erhöhungen ebenfalls um je ein Jahr.

Wie sich der steigende CO2-Preis auf den Spritpreis auswirkt

Jahr
CO2-Preis/Tonne
Preisaufschlag/Liter Benzin
Preisaufschlag/Liter Diesel
Abzweigung
2021
Abzweigung
Abzweigung
2022
Abzweigung
Abzweigung
2023
Abzweigung
Abzweigung
2024
Abzweigung
Abzweigung
2025
Abzweigung
Abzweigung
2026
Abzweigung
25 Euro
30 Euro
bleibt bei 30 Euro
35 Euro
45 Euro
55 Euro
ca. 7 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 8,4 Cent
ca. 9,8 Cent
ca. 12,6 Cent
ca. 15 Cent
ca. 8 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 9,5 Cent
ca. 11 Cent
ca. 15 Cent
ca. 17 Cent

Wird der Strompreis fürs E-Auto-Laden gedeckelt?

Privathaushalte sollen den Ampel-Plänen zufolge die Strommenge für einen Basisverbrauch zu einem vergünstigten Preis erhalten. Für kleine und mittlere Unternehmen mit Versorgertarif soll dies auch gelten. 
Nach aller Voraussicht dürfte sich die angekündigte Strompreisbremse aber nicht preismindernd für E-Autofahrer auswirken. Aus dem Abschlusspapier des Koalitionsausschusses der Ampel ist nur von einem Basisverbrauch die Rede, für den Privathaushalte Strom zu einem vergünstigten Preise erhalten sollen. Da E-Autos wie Durchlauferhitzer zu den Großverbrauchern in Privathaushalten gehören, ist nicht zwingend mit der geplanten Deckelung für die nötigen Strommengen zu rechnen.  

Wie sieht der Nachfolger fürs 9-Euro-Ticket aus?

Das ist noch unklar: Die meisten Vorschläge auf dem Ampel-Gipfel beziehen sich auf die Höhe des Preises eines künftigen Monatstickets: Von 49 bis 69 Euro reichen die Vorschläge. Die Bundes-SPD etwa hat ein bundesweites 49-Euro-Ticket ins Spiel gebracht, die Grünen wollen das um ein regionales Monatsticket für 29 Euro ergänzen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) wiederum hatte sich für ein 69-Euro-Ticket ausgesprochen. Entscheidend wird am Ende die Finanzierung sein, um die sich Bund und Länder heftig streiten, denn als Voraussetzung für einen Bundeszuschuss hat die Ampel einen Landeszuschuss in gleicher Höhe gefordert. 

Wie lange gab's den Tankrabatt?

Der Tankrabatt in Deutschland war drei Monate lang wirksam, galt vom 1. Juni 2022 bis 31. August. Im Zuge des Entlastungspakets war die Energiesteuer auf Kraftstoffe so weit wie von der EU erlaubt, gesenkt worden. Bei Benzin reduzierte sich der Steuersatz um 29,55 Cent pro Liter, bei Diesel um 14,04 Cent. Da auch weniger Mehrwertsteuer zu entrichten war, lagen die Gesamteinsparungen bei 35,2 Cent (Super) beziehungsweise 16,7 Cent (Diesel) pro Liter Sprit.

Wurde der Tankrabatt voll weitergegeben?

Ob die Tankkunden in den drei Monaten nach dem 1. Juni 2022 in vollem Umfang von der Energiesteuersenkung profitierten, ist umstritten. Der ADAC hielt die Spritpreise im Vergleich zum Öltarif für zu hoch und äußerte damit indirekt Zweifel.
Laut dem neuen Benzinpreisspiegel des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI indes wurde der Tankrabatt von Händlern und Tankstellenbetreibern im Wesentlichen an Kunden weitergegeben. Allerdings habe die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe an den Zapfsäulen zuletzt kaum noch spürbare Wirkung gezeigt. Zu den Preistreibern zählten den Angaben zufolge vor allem die Trockenheit und der damit verbundene niedrige Pegelstand des Rheins. Das sorge vor allem bei Diesel für hohe Transportkosten und damit steigende Preise.
Spritpreise auf Spritpreistafel: Der Tankrabatt macht Benzin und Diesel deutlich billiger
Die Tankstellen in Deutschland erlebten in den vergangenen Monaten Preisschwankungen ungekannten Ausmaßes.
Laut RWI sei mit dem Tankrabatt eher Wohlhabenden geholfen worden als armen Haushalten, die oft gar kein Auto hätten. Zum anderen habe er nicht dazu angehalten, weniger Benzin und Diesel zu verbrauchen. Ähnlich hatten im Juni Wissenschaftler des renommierten Münchner Ifo-Instituts argumentiert, die ebenfalls eine nahezu komplette Weitergabe der Steuersenkung analysiert hatten.
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Woher stammte der Tankrabatt?

Ende April 2022 hatte das Bundeskabinett das milliardenschwere Entlastungspaket 2 auf den Weg gebracht, das die durch den Ukraine-Krieg stark gestiegenen Energiekosten abfedern sollte. Zu ihm gehört auch eine Energiepreispauschale, ein Hartz-IV-Zuschlag sowie ein Kinderbonus – und das 9-Euro-Ticket für den gesamten Nah- und Regionalverkehr, um dessen Nachfolgeregelung noch deutlich heftiger gestritten wird als beim Tankrabatt.

So sieht die Energiepreispauschale aus

Indirekt profitieren viele Autofahrer von einer weiteren Maßnahme: Alle Arbeitnehmer und selbstständig Berufstätige erhalten einmalig 300 Euro als Energiepreispauschale. Diese Förderung muss als zusätzliches Einkommen versteuert werden. Die Auszahlung soll im September 2022 erfolgen. Freiberufler erhalten eine Ermäßigung auf die Einkommensteuer-Vorauszahlung.

Wie hoch sind der Kinderbonus und der Hartz-IV-Bonus?

Familien bekamen zudem im Juli einmalig 100 Euro Kinderbonus als Aufschlag aufs Kindergeld ausgezahlt. Und auch einen sogenannten Hartz-IV-Bonus gibt es. Dieser wurde aufgrund der weiter gestiegenen Energie- und Verbraucherpreise von 100 auf 200 Euro angehoben.

Was die Steuersenkung den Staat kostete

Alle Maßnahmen aus Energiepauschale, 9-Euro-Ticket, Familienzuschuss und die Senkung der Energiesteuer werden in diesem Jahr mit insgesamt 17 Milliarden Euro im Bundeshaushalt zu Buche schlagen. 
Christian Lindner
Finanzminister Lindner (FDP) hatte die Steuerentlastung für Benzin und Diesel auf den Weg gebracht.

Das blieb von der Hilfe nach Steuern übrig

Nach dem Versteuern bleiben vom Energiekosten-Zuschuss in Höhe von 300 Euro unterschiedlich niedrige Beträge real in der Brieftasche. Hier einige aktuelle Berechnungen vom Bund der Steuerzahler:
Singlehaushalt mit Spitzenverdiener: Ein Single mit Steuerklasse 1 und einem Jahresgehalt von 72.000 Euro erhält nach diesen Berechnungen exakt 181,80 Energiekosten-Beihilfe. Grob kalkuliert würde das beim aktuellen Spritpreis den Kauf von 83,6 Liter Diesel oder 88,4 Liter Super E10 ermöglichen – etwas mehr als eine Tankfüllung.
Kraftstoffpreis
Die Preise an den Tankstellen hatten sich zwischenzeitlich erholt – doch wie geht es nach dem Tankrabatt weiter?
Familie mit Spitzenverdiener: Derselbe Arbeitnehmer, aber verheiratet und mit einem Kind, fällt in Steuerklasse 4 und erhält von der Energiepreispauschale 184,34 Euro.
Familie mit durchschnittlichem und kleinem Einkommen: Wer unter denselben Voraussetzungen auf 45.000 Euro Jahresgehalt kommt, bekommt 216,33 Euro Energie-Beihilfe raus. Mit 15.000 Euro Jahresgehalt sind es dann schon 248,83 Euro.
Geringverdiener: De facto die volle Summe erhalten demnach nur diejenigen, die weniger als 10.000 Euro Jahreseinkommen verdienen. Das ist bereits sehr nahe am Existenzminimum, das steuerrechtlich aktuell für Alleinstehende bei 9408 Euro ansetzt.
Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft sind Familien mit einem Bruttohaushaltseinkommen von 35.000 Euro im Jahr die größten Nutznießer des Maßnahmen-Pakets.
Mit Material von Reuters, dpa, afp

Von

Roland Wildberg