Eriba Car 602 auf Crafter-Basis: Wohnmobil im Test
Neuer Sechs-Meter-Kastenwagen – mal ganz anders

Nach dem geglückten Wiedereinstieg in die Reisemobilwelt Anfang 2024 brachte Eriba in diesem Jahr einen zweiten Grundriss auf Basis des feinen VW Crafter. Und der macht vieles ganz anders als andere Sechs-Meter-Kastenwagen.
Bild: Erwin Fleischmann
- Thomas Rönnberg
Immer das Gleiche auf der Messe: Viele neue Hersteller präsentieren viele neue Sechs-Meter-Kastenwagen, denn diese Klasse ist beliebt. Und wenn man reinschaut, muss man fast ein Gähnen unterdrücken.
Gut, ja, das Möbeldesign variiert und ist oft richtig schick, aber der Grundriss ist immer und immer wieder der gleiche: hinter dem Fahrerhaus eine Halbdinette mit Einzel- oder Doppelsitz, dahinter das Bad, gegenüber an der Schiebetür der Küchenblock. Und im Heck das feste Bett – üblicherweise quer eingebaut, bei 6,40er Länge zumeist längs. Zweckmäßig, aber langweilig. Eriba zeigt, dass es auch anders geht. Dem Eriba Car 600 mit ebendiesem Grundriss stellt man den Eriba Car 602 zur Seite. Und der vertreibt uns die Grundriss-Langeweile.
Das ist der Eriba Car 602
Zwar sind Fahrer- und Beifahrersitz drehbar, wie gehabt. Aber dahinter kommt nicht die Allerwelts-Halbdinette. Direkt an den Fahrersitz schließt sich ein Hochschrank an – mit 70-Liter-Kompressorkühlschrank unten und Kleiderschrank oben. Dahinter das Kastenbad in recht üblichem Layout mit Klappwaschtisch und schwenkbarem Kassetten-WC. Und dann fängt schon die kombinierte Wohn-, Relax- und Schlaflounge an. Die hat bei Eriba insofern Tradition, als die Caravans der legendären Touring-Baureihe traditionell eben so eine Heckdinette haben. Von den Touring-Modellen hat der Eriba Car auch die Zweifarblackierung geerbt. Hier sogar serienmäßig, in den Caravans kostet sie extra.

So mögen es Vanlifer: gemütliche Sitzgruppe mit freiem Blick in die Natur.
Bild: Erwin Fleischmann
Das Sitzen in gemütlicher Runde auf der Längsdinette hat insofern seinen besonderen Reiz, als man hier bei geöffneter Doppelflügel-Hecktür quasi wie in einer Loggia Platz nimmt: unter Dach, aber mit freiem Blick nach draußen. Ein bisschen muss man dann natürlich aufpassen, dass man nicht die quaderförmigen Armlehnenpolster hinausschubst, sie liegen nur lose auf den Sitzpolstern. Die sind ungewöhnlich tief – 75 Zentimeter –, denn man kann sie auch als getrennte Längsbetten benutzen. Damit man sich trotzdem schön anlehnen kann, sind die Rückenpolster mit loungigen, an angekletteten Bändern hängenden Einzelkissen aufgedoppelt: eine schön lässige, gemütliche Lösung. Zum Einzelbett wird jede der Bänke, wenn man die Rückenpolster herausnimmt. Man liegt straff, aber dank Tellerfederunterbau nicht unbequem.
Fahrzeugdaten | Eriba Car 602 |
|---|---|
Motorisierung | 2.0 TDI Euro 6e |
Leistung | 120 kW (163 PS) bei 3600/min |
Hubraum | 1968 cm3 |
Drehmoment | 410 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 165 km/h |
Getriebe/Antrieb | Achtstufen-Wandlerautomatik/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 75 l/Diesel + 18 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 5990/2070/2670 mm |
Radstand/Bereifung | 3640 mm/235/60 R 17 |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2900/600 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 3000/750 kg |
Liegefläche Heck L x B | 1910/2010 x 1710 mm |
Innenhöhe/-breite max. | 1925/1730 mm |
Kühlschrank/Eisfach | Kompressor, 70/7 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | 12 V/80 Ah, LiFePo4 |
Frisch-/Abwassertank | 100/80 l |
Gasvorrat/Heizung | 1x 2,7 kg/ Truma Combi D6E |
Grundpreis/Testwagenpreis | 78.900/93.845 Euro |
Für die Nacht baut das reisende Paar aber lieber die große Liegewiese auf und legt den optionalen Matratzentopper auf. Das erfordert einen gewissen Aufwand – vor allem, weil die dann übrigen Teile der Dinette irgendwohin gepackt werden müssen: beispielsweise in den Mittelgang unter dem Bett, wo schon der zusammengefaltete Tisch liegt. In der Praxis wird man sie meist ins Fahrerhaus bugsieren. Auch hier zeigt sich eine zentrale Schwäche dieses Grundrisses: der Mangel an Stauraum. Den würde man auf den ersten Blick in den großen Sitztruhen vermuten, der Platz dort ist aber großteils von Wassertank, Heizung und Bordtechnik besetzt. So bleibt auf der Fahrerseite nur ein 76 x 38 x 25 Zentimeter hohes Staufach, das so eben für einen Satz Nivellierkeile reicht. Rechts gibt es ein kleines, etwa quadratisches Fach und eine zehn Zentimeter flache, knapp 1,20 Meter lange Ablage.

Mit dem Topper und dank der Tellerfedern auf der gesamten Liegefläche schläft man bequem.
Bild: Erwin Fleischmann
Der Mangel an Stauraum setzt sich in der Küche fort. Der kompakte Block hat eine niedrige Besteck- und zwei größere Geschirrschubladen, die aber auch nicht sehr hoch sind. Ein Oberschrank fehlt, stattdessen gibt es eine offene Ablage mit einigen Gummibändern an der Außenwand, mit denen man ein paar Weingläser dekorativ fixieren kann: schön stylish reduziert, aber als Stauraum während der Fahrt kaum nutzbar. Die jeweils dreitürigen Dachstaukästen oberhalb der Dinette sind immerhin 1500 bzw. 1425 mm lang und 335 mm hoch, aber mit maximal 250 mm Tiefe auch kein Platzwunder.
Kleidung könnte man – außer im bereits erwähnten Kleiderschrank – allenfalls noch im offenen Fach über der Hecktür unterbringen; sie wird dort von zehn Gummibändern am Herausfallen gesichert. Eriba bietet als Zubehör Filzboxen an, die genau in das Fach hineinpassen. Eine kleine Sockelschublade unter dem Kühlschrank und zwei winzige Fächer über dem Fahrerplatz – eines davon mit Klappe – ergänzen das Stauraumangebot nur ein bisschen. Insofern eignet sich der Eriba Car 602 eher für kürzere Reisen oder für Minimalisten, die einfach nur wenig mitnehmen.

Die Küche bietet eine Kocher-Spüle-Kombi mit wenig Arbeitsfläche und drei relativ niedrigen Schubladen.
Bild: Erwin Fleischmann
Ein gewisser Minimalismus zeigt sich auch in der Küche. Praktisch finden wir die Kocher-Spüle-Kombination mit den beiden getrennten Glasdeckeln und dem Klappwasserhahn, das Zweiflammen-Kochfeld lässt sich gut in Richtung Becken sauber machen. Aber darum herum bleibt so gut wie keine Fläche – die gesamte Arbeitsplatte misst nur 795 x 450 mm. Etwas Linderung schaffen die netten kleinen Anstecktischchen, die sich an der Schmalseite des Küchenblocks oder auch an den Trennwänden im Wohn-/Schlafraum einhängen lassen. Das ergibt immerhin ein bisschen Ablagefläche. Bei umfangreicheren Kochaktivitäten muss der Wohnraumtisch als Hilfsarbeitsfläche herhalten. Dass der Freiraum zwischen Küchenblock und Bad im schmalen Crafter nicht wirklich großzügig ist, stört insofern nicht so sehr, als man ein wenig ins Bad ausweichen kann. Da hat die zweiteilige Falttür eindeutige Vorteile.
Das Bad selbst sieht ohne Zweifel schick aus, aber es eignet sich primär für schlanke Camper. Ist das Waschbecken herausgeklappt, hat ein korpulenterer Mensch schon fast Probleme, die Falttür hinter sich zu schließen. Angenehm: Dank Dachluke und Fenster in der Außenwand ist bestens für Licht und Luft gesorgt. Weniger angenehm: Wer – etwa als passionierter Freisteher – hier duschen will, muss einen Vorhang um sich herum ziehen.
Das hat der Eriba
Der Eriba Car 602 kommt mit kompletter Ausstattung. Viele Chassis-Extras sind hier schon eingepreist: etwa das Fahrwerk mit verstärkten Federn und Dämpfern, die Anhängerkupplungs-Vorbereitung inklusive Gespannstabilisierung, außerdem das Assistenzpaket Advanced mit Abstandsregeltempomat, Stauassistent, Spurhalter und Verkehrszeichenerkennung. Auch bei der Aufbau-Ausstattung wurde nicht gespart: Angefangen von der elektrischen Trittstufe und der 80-Ah-Lithium-Bordbatterie über das zweiteilige Fliegenschutzplissee und das auch per App steuerbare Zentral-Bediendisplay bis hin zur dimmbaren Ambientebeleuchtung und der elektrischen Abwassertankentleerung: Alles ist serienmäßig an Bord.

Der Fahrkomfort im Crafter ist erstklassig, das Mobiliar nicht klapperfrei.
Bild: Erwin Fleischmann
Im Testwagen war ein zweiter 80-Ah-Lithium-Akku eingebaut, außerdem das Camping-Paket für 990 Euro, das unter anderem die wichtige Faltverdunkelung fürs Fahrerhaus und den Matratzentopper enthält. Das Chassis-Paket für 5490 Euro war auch mit dabei, es umfasst 17-Zoll-Aluräder, Voll-LED-Scheinwerfer und das Antriebs-Upgrade auf 163 PS inklusive Achtstufen-Wandlerautomatik. Weitere Einzelextras am Basisfahrzeug – etwa das noch umfangreichere Assistenzpakt Extended, die beheizbare Frontscheibe, das große 12-Zoll-Navi mit Sprachsteuerung oder die abnehmbare Anhängerkupplung – lassen den Testwagenpreis auf fast 94.000 Euro ansteigen. Wer außerdem eine der drei verfügbaren Lederausstattungen zu 1990 Euro mitbestellt, dazu noch die Dachklimaanlage zu 2590 Euro und vielleicht noch die Thule-Markise aus dem Zubehörprogramm, durchbricht flugs die 100.000-Euro-Schallmauer.
So fährt der Eriba-Crafter
Neben dem schicken Design ist das Fahren die zentrale Stärke des Eriba Car, das gilt natürlich für den 602 genauso wie für den 600 mit Querbett. Der neue Crafter verwöhnt nicht nur mit einem modernen Cockpit im Stil der aktuellen VW-Pkw, es stimmt hier einfach alles: Sitze und Sitzposition sind erstklassig, die Lenkung sorgt für müheloses Manövrieren und angenehmen Fahrbahnkontakt – wenn man den hie und da unmotiviert eingreifenden Spurhalter abschaltet. Und der Zweiliter-Diesel läuft recht kultiviert, arbeitet mit der Achtstufen-Wandlerautomatik geschmeidig zusammen. Einzig das neue Bedienkonzept mit Automatik-Wählhebel rechts und fummeliger Wischerbetätigung im Blinkerhebel kann nicht begeistern.
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