Erst Autowäsche, dann Weltmeister? Antonelli macht es wie Senna
Antonellis kurioses Auto-Ritual vorm WM-Matchball

Kimi Antonelli kann beim Großen Preis der USA Formel-1-Geschichte schreiben und Sebastian Vettels Rekord brechen. Doch bevor der Mercedes-Star um den WM-Titel kämpft, muss erst sein AMG GT 63 sauber sein.
Bild: Rudy Carezzevoli/Getty Images1
Die Szenerie ist ohnehin kurios: Kimi Antonelli ist 20 Jahre alt, jagt mit fast 350 km/h über die Rennstrecken dieser Welt, hat acht Grand Prix gewonnen und steht kurz vor dem größten Triumph seiner Karriere: dem WM-Titel in der Formel 1. Und was macht er, bevor er zum nächsten Rennen aufbricht? Er wäscht sein Auto.
Nicht irgendeines, sondern seinen Mercedes-AMG GT 63. Und auch nicht mal eben schnell in der Waschstraße. Kimi Antonelli legt selbst Hand an, mit Wasser, Schwamm und einer Akribie, die man sonst eher vom professionellen Fahrzeugaufbereiter kennt.

Kimi Antonelli mit seinem Mercedes-AMG GT 63 PRO 4MATIC+.
Bild: Mercedes
„Ich nehme mir Zeit, weil es gut gemacht werden muss. Es muss gründlich gereinigt werden“, erklärt der Italiener sein ungewöhnliches Ritual.
Vor allem beim Trocknen ist der Mercedes-Pilot penibel: „Denn wenn man es nicht gut trocknet und noch Wasser darauf ist, dann sieht es komisch aus. Es sieht schmutzig aus.“ Fest steht: Erst wenn der AMG wieder glänzt, kann es zum nächsten Rennen gehen.
Schon Senna wusch seinen Honda selbst
So kurios das Ritual für einen Formel-1-Superstar klingen mag: Antonelli ist damit in bester Gesellschaft. Auch Ayrton Senna, dreimaliger Weltmeister und einer der größten Rennfahrer aller Zeiten, griff selbst zum Gartenschlauch. Berühmte Fotos aus dem Jahr 1991 zeigen den Brasilianer in Portugal bei der Handwäsche seines roten Honda NSX.

Ayrton Senna und sein Honda NSX.
Bild: Privat
Ein Mann, der damals bereits zweimal Formel-1-Weltmeister war, kniet neben seinem Sportwagen und kümmert sich persönlich um den Lack. Fast 35 Jahre später erinnert Antonelli mit seinem Waschritual an die brasilianische Legende. Und könnte nun selbst Geschichte schreiben.
Antonelli kann Vettel-Rekord brechen
Denn beim Großen Preis der USA in Austin hat der Mercedes-Pilot seinen ersten WM-Matchball. Mit 340 Punkten führt Antonelli die Fahrerwertung nach 17 Saisonrennen souverän an. Teamkollege George Russell liegt mit 238 Zählern bereits 102 Punkte zurück, Ferrari-Star Lewis Hamilton folgt mit 229 Punkten.
Acht Grand-Prix-Siege hat der Italiener in dieser Saison schon gefeiert. Gewinnt er auch in Austin, während Russell höchstens Neunter und Hamilton maximal Fünfter wird, ist ihm die Weltmeisterschaft fünf Rennen vor Saisonende nicht mehr zu nehmen.

Kimi Antonelli kann beim Großen Preis der USA Formel-1-Geschichte schreiben und Sebastian Vettels Rekord brechen.
Bild: Sona Maleterova/Getty Images
Und damit würde Antonelli einen Rekord brechen, der seit 16 Jahren Bestand hat.
Sebastian Vettel war 23 Jahre und 134 Tage alt, als er 2010 in Abu Dhabi seinen ersten WM-Titel mit Red Bull gewann. Bis heute ist der Deutsche der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte.
Antonelli könnte ihn mit gerade einmal 20 Jahren ablösen. Mehr als drei Jahre jünger als Vettel damals – und das bereits in seiner zweiten Formel-1-Saison.
Vom Problem-Rookie zum WM-Favoriten
Dabei sah es vor einem Jahr noch ganz anders aus. In seiner Debütsaison 2025 fehlte Antonelli häufig die Konstanz. Fehler und Rückschläge nagten am Selbstvertrauen, nach der Sommerpause musste er sich sogar kritische Worte von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff anhören.
2026 ist davon kaum noch etwas zu sehen. Schon beim Saisonauftakt in Melbourne bewies Antonelli seine neue mentale Stärke: Nach einem heftigen Trainingsunfall mit Belastungen von bis zu 25 g fuhr er im Qualifying auf Platz zwei und wurde auch im Rennen Zweiter.
„Wenn mir so etwas wie in Melbourne letztes Jahr passiert wäre, wäre der Rest des Wochenendes wahrscheinlich extrem beeinträchtigt gewesen“, räumt Antonelli ein. Die Erfahrung habe ihn verändert: „Die Dinge passieren etwas leichter, weil man sie nicht mehr so krampfhaft erzwingt.“
Warum Antonelli nicht an den WM-Titel denken will
Ausgerechnet vor seinem möglicherweise größten Wochenende will der Italiener deshalb nichts von einer vorzeitigen Krönung wissen. „Es ist definitiv verrückt, wenn man darüber nachdenkt, aber genau deshalb werde ich nicht darüber nachdenken“, gibt Antonelli in Austin seine Strategie vor.
Unterbewusst weiß der Italiener natürlich trotzdem, auf welchen Erfolg er zusteuert. „Es wäre ein Traum, etwas, wovon ich geträumt habe, seit ich klein war. Sich überhaupt in einer solchen Position wiederzufinden, ist unglaublich. Aber zuerst versuchen wir, den Job ordentlich zu Ende zu bringen, und danach können wir den Rest genießen.“
Und sollte es mit dem historischen Titel tatsächlich schon in Austin klappen, dürfte zu Hause ein ganz besonderer Moment warten: die nächste Handwäsche seines Mercedes-AMG. Dann vielleicht schon als jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten.
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