Erste Fahrt im BMW M235 xDrive Gran Coupé
Beim M235 Gran Coupé steht das M für mehr

– Das neue BMW M235 Gran Coupé ist mehr als ein Facelift. Das beweisen ein Gespräch und mehrere Runden auf dem Track!
Bild: Fabian Kirchbauer, BMW
Nur ein einziges BMW M235 xDrive Gran Coupé steht für die Testfahrt auf dem kleinen Rundkurs des BMW Performance Center in Spartanburg, South Carolina (USA), zur Verfügung. "Das sollten wir besser nicht kaputt machen", so Bernd Ofner, der Projektleiter der BMW-2er-Serie.
Das ist Wunsch und Befehl zugleich, denn neben der Tatsache, dass die US-Ausführung dank der anders gearteten CO2-Anforderungen 27 PS mehr als die 300 PS anliegen hat als die in Deutschland zu erwartende Spitze der 2er-Reihe, gießt es wie aus Eimern – was den Rundkurs zu einer Aquaplaning-Rutschbahn macht.

Das BMW M235 Gran Coupé ist ein echter Spaßmacher mit präzisem Handling.
Bild: Fabian Kirchbauer, BMW
Das BMW M235 Gran Coupé liegt perfekt in der Spur
Mit etwas Gefühl bekommen die Goodyear Eagle F1 dann aber so viel Temperatur, dass auch der Sportmodus mit entkoppeltem ESP kein Problem mehr ist. Klar, den Strandardsprint, den BMW für das US-Modell mit 4,7 Sekunden und für die Europaausführung mit 4,9 Sekunden angibt, sind hier momentan nicht zu machen.

Aus der doppelflutigen Abgasanlage kann das BMW M235 Gran Coupé ordentlich tönen.
Bild: Fabian Kirchbauer, BMW
Dafür fräst sich der kleine Allradbolide mit einer Zielgenauigkeit seinen Weg durch die Pfützen, dass Ofner mich bittet, doch mal die Hände vom Lenkrad zu nehmen, damit ich sehen und spüren könne, wie spurstabil der Straßensportler seine Bahn zieht. Und tatsächlich zuckt hier nichts.

Fast schon puristisch wirkt das Innendesign des BMW M235 Gran Coupé.
Bild: Bernhard Filser, BMW
Feine Modifizierungen für die schnelle Kurve
Der Grund, so erklärt der Projektleiter, sind feine Modifizierungen. So wurde zum Beispiel der Vorlaufwinkel um 20 Prozent vergrößert, die Lenkung bekam eine andere Übersetzung – bei zehn Prozent stärkerer Übersetzung erhöht sich die Präzision beim Kurvenlauf deutlich. Hinzu kommen Hydrolager, die das Vorspurlenken unter Last verringern. Neue Querlenkerlager und Verstrebungen im Unterboden versteifen die Karosserie, sodass auch bei extrem sportlicher Kurvenfahrt Verwindungen unterbunden werden.
Um den Tiefflug vor der Kurve so zu bremsen, dass es nicht zu einer Landung im Kiesbett kommt, wurden M-Compound-Bremsen verbaut, in die die Stopper aus dem M3 beißen. Fein dosierbar und ohne Fading geht es Runde um Runde, und mit etwas Mut und unter der Anfeuerung von Ofner traut sich der Autor dann auch, ein paar richtig sportliche Runden zu drehen.

Der Arbeitsplatz des Piloten ist aufgeräumt. Die Sportsitze des BMW M235 Gran Coupé verdienen ihren Namen.
Bild: Bernhard Filser, BMW
Das Ganze wird untermalt vom heute fast schon untypisch tiefen Spratzen aus den zwei Endrohren. Die Angst, dass dieser dem einen oder anderen Sportfahrer das Herz öffnende Klang nur für die US-Modelle verfügbar ist, verneint Ofner und verspricht, dass das Klangfeuerwerk auch bei den hiesigen Modellen zu hören sein wird.
Alltagstauglicher Sportler
Am Ende des Tages stand im Lastenheft des 2er natürlich auch, ein alltagstaugliches Auto zu formen. Eines, das Platz für mindestens vier Personen bietet und einen entsprechenden Kofferraum. Tatsächlich glänzt der lediglich 4,55 Meter lange M235 xDrive mit 430 Liter Stauraum, die sich bei umgelegter Rückbanklehne auf bis zu 1200 erweitern lassen.
In der zweiten Reihe geht es nicht zu wie in einer Großraumlimousine, aber man fühlt sich hier auch nicht eingeschnürt. Für das allgemeine Wohlbefinden sorgen im Übrigen auch ein vergrößerter Raddurchmesser, neue Reifen, die die Abrollakustik reduzieren, und die frequenzselektiven Dämpfer.

Viele feine Details veredeln mit dem M-Paket das Innenleben des BMW M235 Gran Coupé. Dazu gehören auch die Steppnähte auf der Armatur und die geprägten Aluminium-Intarsien.
Bild: Bernhard Filser, BMW
Viel mehr als ein Facelift
In Summe ist das Beschriebene schon Grund genug, hier von einem neuen 2er zu sprechen. Ofner fällt aber noch mehr ein. Die Veränderung an der Karosserie, die vor allem an der veränderten Dachlinie zum Heck hin zu erkennen ist oder die Front, an der der Grill jetzt unterhalb der Scheinwerferlinie liegt, ist produktionstechnisch mehr als ein Lifting.
Hinzu kommen Veränderungen am 2,0-Liter-Vierzylinder, bei dem das Brennverfahren, die Gestaltung der Einlasskanäle und der Brennräume, die Nockenwellensteuerung, aber auch das Zündsystem und die Abgasführung modifiziert wurden. Nicht zu vergessen sind ein besonders robuster Kurbeltrieb, eine optimierte Ölversorgung für die Kühlkanalkolben sowie neue Hauptlagerschalen und -deckel.
Allerdings gibt es das 2er Grand Coupé nicht für lau. Wer sportlich im 235 xDrive ums Eck schießen will, der muss mindestens 59.700 Euro auf den Tisch des BMW-Händlers legen.
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