Erwin Hymer Museum und Werkstatt
Zu Besuch in Hymer-Museums neuester Attraktion

Das Erwin Hymer Museum hat eine neue Werkstatt. Die ist, analog zu Porsche, direkt ans Museum angegliedert. Besucher können durch eine Glasscheibe den Fahrzeugrestauratoren bei der Arbeit zuschauen.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
- Martin Häußermann
Ein Besuch reicht eigentlich nicht. Denn wechselnde Sonderausstellungen machen das Erwin Hymer Museum immer wieder zu einer Attraktion. Dahinter steht Museumsdirektorin Susanne Hinzen, deren erklärtes Ziel es ist, das Museum lebendig zu halten und das Thema Campingurlaub sichtbar zu machen – und nicht einfach nur, alte Schätzchen aufzubewahren. Wobei diese natürlich eine wesentliche Rolle spielen. Die alten Wohnmobile, Wohnwagen und deren Zugwagen sind buchstäblich die Vehikel, um immer neue Geschichten rund ums Camping zu erzählen. Und die wollen in Schuss gehalten werden. Oldtimer-Sammler, aber auch Besitzer nicht mehr ganz taufrischer Womos wissen, wovon wir reden.
Museumsgründer und Stifter Erwin Hymer wusste das auch. Er ließ in seinem Geburtshaus eine Museumswerkstatt einrichten, bevor es noch ein Museum gab. Schließlich wollte seine Sammlung alter Fahrzeuge, die er über die Jahre zusammengetragen hatte, gepflegt und repariert werden.

Aus der Schaufenster-Perspektive bleibt die Werkstatt unsichtbar.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Damit beauftragte er ehemalige Mitarbeiter des Wohnmobil- und Wohnwagenherstellers Hymer. Klar: Wer könnte sich besser um die alten Campingfahrzeuge kümmern als diejenigen, die sie über Jahre, teilweise Jahrzehnte selbst zusammengebaut haben. Zumindest beim eigenen Fabrikat kannten die alten Hasen jede Schraube. Ansonsten kannten sie jemand, der sich auskannte. Einer dieser Spezialisten ist Max Ludy, der selbst über 40 Jahre in der Produktion arbeitete und längst im Ruhestand ist – aber dem heute jungen Werkstatt-Team nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht.
Die "alte Rep" hat ausgedient
Dieses Team hat eine neue Wirkungsstätte, denn die "alte Rep" – so wird die ursprüngliche Museumswerkstatt intern genannt – hat ausgedient. "Die alte Rep war wirklich in die Jahre gekommen. Wir bekamen zunehmend Probleme, Arbeitsschutzvorschriften einzuhalten. Und an Publikumsverkehr war gar nicht zu denken", berichtet Susanne Hinzen.

Markus Böhm, Marco Ruf, Andreas Krattenmacher (v. l.) vor einem Integrierten auf Mercedes L 206 D, 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, 60 PS.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Das erste Problem hätte man möglicherweise mit Modernisierungsmaßnahmen lösen können, das zweite auf keinen Fall. Susanne Hinzen schaut gerne mal über den Tellerrand und hatte das Porsche Museum als Vorbild erkoren. Dort kann man vom Foyer aus in die Museumswerkstatt schauen. Das hat zweifellos Erlebnischarakter. Sie überzeugte Hymer-Tochter Carolin Hachenberg, die der Stiftung vorsteht, ebenso wie den Stiftungsrat. Hier wirkt Gerda Hymer, die Witwe des 2013 verstorbenen Unternehmers.
Werkstatt von Foyer aus einsehbar
Gemeinsam beschloss man, dem Museum einen Anbau zu gönnen – aus gestalterischen und praktischen Gründen platzierte man ihn direkt neben dem Eingangsbereich, der durch ein großes Fenster optisch erschlossen wird. Die Besucher können also nicht nur vom Foyer aus, sondern schon von außen das Treiben in der Werkstatt verfolgen – über den Museumsvorplatz gelangen die Oldies bequem zur geräumigen Halle. Drei große Rolltore erschließen die drei Arbeitsplätze, die auch große Integrierte aufnehmen.

Manchmal muss sich Marco Ruf auch um Unterhaltungselektronik kümmern.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Bei unserem ersten Besuch waren sie belegt mit einem integrierten Hymermobil 520 D auf Basis des Mercedes-Transporters L 206 D, den Kenner auch als Harburger Transporter bezeichnen. Daneben ein Ford 17M de Luxe mit Zweifarblackierung und – natürlich – Anhängekupplung. Schließlich dient die Mittelklasselimousine aus den Sechzigern dem Museum als Zugfahrzeug für zeitgenössische Wohnwagen. Zur Abrundung hatte man auch noch das rohe Holzgestell eines frühen Dethleffs-Wohnwagens in die Halle geschoben.
Arbeit geht dem Museumsteam nicht aus
Schließlich war Wohnwagenbau zu Anfang echte Schreinerarbeit. Das ist das Fach von Andreas Krattenmacher, der durchaus in der Lage ist, Rahmenteile für ein solches Schätzchen nachzufertigen. Ansonsten kümmert sich der Schreiner um die Innenausstattungen der alten Freizeitfahrzeuge. Um Mechanisches kümmert sich Marco Ruf, seines Zeichens Kfz-Meister. Er hat gerade den 17M in Arbeit, der nicht nur neue Bremsen braucht, sondern auch eine Motorenrevision. Regie führt Markus Böhm, in Personalunion stellvertretender Museumschef und Sammlungsleiter.

Für den Dethleffs-Caravan fertigte Andreas Krattenmacher Holz- Rahmenteile nach.
Bild: Martin Häußermann / AUTO BILD
Dass dem Museumsteam jemals die Arbeit ausgehen könnte, darüber muss man sich keine Gedanken machen. Erst recht, weil die Aufgabe lautet, bei Restaurierungen die Reisespuren zu erhalten. Die Museumssammlung umfasst aktuell 265 Fahrzeuge, darunter 182 Wohnwagen, 38 Reisemobile, 35 Pkw, fünf motorisierte Zweiräder sowie zahlreiche Modelle. Die passen natürlich nicht alle ins Museum. Aber wenn wieder ein neues Kapitel aus der Campinggeschichte aufgeschlagen wird, rollen auch neue Fahrzeuge in die Ausstellung – und ein erneuter Museumsbesuch lohnt sich.
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