EU-Pläne sorgen für Wirbel: Bremst Ihr Auto bald automatisch ab?
"Big Brother" im Auto? EU denkt über automatische Tempobremse nach

Die EU prüft offenbar den nächsten Schritt bei der Geschwindigkeitsüberwachung. Künftig könnten Neuwagen per Satellit und 5G automatisch eingebremst werden.
Bild: Illustration / KI
Fährt Ihr Auto bald nur noch so schnell, wie es die EU erlaubt? Nach einem Bericht aus Großbritannien prüft die EU-Kommission offenbar eine Technik, die Neuwagen per Satellit, Mobilfunk und Verkehrszeichenerkennung automatisch ausbremst, wenn sie in eine Zone mit niedrigerem Tempolimit fahren. Kritiker sprechen bereits von einem "Big-Brother-System".
Schon heute müssen alle neuen Autos in der EU mit dem intelligenten Geschwindigkeitsassistenten ISA ausgestattet sein. Das System erkennt Tempolimits und warnt den Fahrer, wenn er zu schnell unterwegs ist.
Auto erkennt Tempolimit – und nimmt selbst Leistung weg
Künftig könnte die Technik deutlich weiter gehen. Nach Informationen der "Mail on Sunday", über die auch der "Telegraph" berichtet, wird über ein System nachgedacht, das GPS, 5G und Kameras zur Verkehrszeichenerkennung kombiniert. Erkennt das Auto ein niedrigeres Tempolimit, könnte es die Motorleistung automatisch reduzieren und den Wagen abbremsen.

Fährt Ihr Auto bald nur noch so schnell, wie es die EU erlaubt?
Bild: Sem van der Wal
Der Fahrer soll die Begrenzung zwar kurzfristig übersteuern können – etwa beim Ausweichen oder Überholen. Dauerhaft schneller als erlaubt wäre dann aber nicht mehr möglich.
Kritiker warnen vor "Big Brother"
Die Überlegungen stoßen bereits auf heftigen Widerstand. Brian Gregory von der Alliance of British Drivers nennt die Pläne "absurd". Unfälle würden dadurch nicht verhindert – entscheidend seien Aufmerksamkeit und Fahrkönnen.
Noch schärfer formuliert es der britische Oppositionspolitiker Richard Holden. Er warnt davor, dass Hacker oder feindliche Staaten ein solches System missbrauchen könnten. Seine Sorge: ein "Big-Brother-Szenario", bei dem Autos aus der Ferne beeinflusst werden.
Noch ist nichts beschlossen
Die EU-Kommission betont allerdings, dass sich die Gespräche noch in einem sehr frühen Stadium befänden. Es handele sich lediglich um erste Gedankenspiele zu möglichen Maßnahmen – eine Entscheidung gebe es bislang nicht.
Der Hintergrund ist klar: Überhöhte Geschwindigkeit zählt weiterhin zu den häufigsten Ursachen schwerer Verkehrsunfälle. Befürworter versprechen sich von einer automatischen Tempobegrenzung deutlich mehr Sicherheit.
Schon heute funktioniert der verpflichtende Geschwindigkeitsassistent allerdings nicht fehlerfrei. Nach einer Untersuchung der britischen Forschungsorganisation Thatcham Research erkennt das System geänderte Tempolimits in etwa jedem vierten Fall nicht korrekt.
Ob aus dem Warnton tatsächlich einmal ein elektronischer Tempobegrenzer wird, ist deshalb völlig offen. Sicher ist nur: Die Debatte dürfte Autofahrer in ganz Europa beschäftigen.
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