Der EU-Plan, Autos ab einem Alter von zehn Jahren nach Erstzulassung künftig jedes Jahr zur Hauptuntersuchung zu schicken, hat heftige Reaktionen hervorgerufen von Unwillen bis Empörung. Die Kritik ist vehement, und jetzt hat sich selbst das Kfz-Gewerbe, das davon profitieren würde, dagegen gestellt.
Zunächst zum Vorschlag der EU-Kommission: Den Berechnungen zufolge würde ein jährlicher TÜV-Termin für zehnjährige Pkw und Kleintransporter die Zahl von Verkehrstoten und Verletzten um ein Prozent senken. Als Hintergrund erkennt das europäische Gremium eine höhere Pannenanfälligkeit älterer Pkw. Sie seien häufiger in Unfälle verwickelt und würden mehr Schadstoffe ausstoßen als jüngere Fahrzeuge.

Elektronische Parkscheiben im Vergleich

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  • umständliche Einrichtung
  • automatisches Intervall (30 Min.) nicht einstellbar
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Info: Bei Notengleichheit in der Bestenliste sortieren wir ab sofort nach unseren internen Testergebnissen, in denen wir auf drei Nachkommastellen genau rechnen.

Derzeit müssen Pkw in Deutschland alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung, Neuwagen das erste Mal nach drei Jahren. Ein Überziehen des HU-Termins ist eine mit Bußgeld belegte Ordnungswidrigkeit. Bevor der Vorschlag der jährlichen technischen Untersuchung in Kraft treten kann, müssen noch das EU-Parlament und die EU-Staaten zustimmen. Allerdings gilt in einigen europäischen Ländern bereits eine jährliche Prüfpflicht.

Kfz-Gewerbe gegen jährliche Prüfpflicht

Interessanterweise wendet sich der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), der von jährlichen Prüfterminen profitieren würde, klar gegen die EU-Pläne. So teilte ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün mit: "Nicht die Frequenz der Hauptuntersuchungen ist entscheidend, sondern ihre fachliche und technische Güte." Die Kosten für Autofahrer seien schon jetzt immens hoch. Der ZDK lehnt eine jährliche HU-Pflicht für ältere Autos daher ab. Der Verband verweist auch darauf, dass viele der möglichen Sicherheitsmängel bei den in Deutschland gängigen jährlichen Fahrzeuginspektionen behoben würden.

Widerstand gegen das Vorhaben

Gegen den Vorschlag regte sich schon vergangene Woche erheblicher Widerstand. Laut ADAC sind jährliche HU-Termine, insbesondere in Deutschland, nicht notwendig. Denn schon in den vergangenen Jahren sei der Umfang der Hauptuntersuchung wegen der immer komplexeren Fahrzeuge deutlich erweitert worden, teilte der ADAC auf AUTO BILD-Anfrage mit. Daher: "Ein engerer Turnus ist aus Sicht der Fahrzeugtechnik nicht notwendig und belastet Verbraucher zusätzlich", so eine ADAC-Sprecherin.
Der renommierte Unfallforscher Siegfried Brockmann sagte gegenüber AUTO BILD: "Den Vorschlag halte ich für super übertrieben. Technische Defekte sind nur sehr selten die Ursache von Unfällen. Diese Quote könnte natürlich weiter gesenkt werden, aber nur mit erheblichem Aufwand und Kosten für die Verbraucher." Auch der AUTO BILD-Chefredakteur sieht die Pläne kritisch, hier sein Kommentar dazu.

TÜV unterstützt die Forderung


Dagegen stützt der TÜV-Verband die Pläne für die jährliche Hauptuntersuchung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ab zehn Jahren. Das trage zur Sicherheit im Straßenverkehr bei. Nach Ansicht des Dachverbands der TÜV-Prüfstellen stellt die alternde Fahrzeugflotte eine Herausforderung für die Verkehrssicherheit dar.
Der TÜV hat festgestellt, dass die Mängelquoten bei der HU in der Altersgruppe der zehn bis elf Jahre alten Fahrzeuge massiv ansteige. Dabei falle fast jedes vierte Fahrzeug (23 Prozent) mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch, begründet der TÜV diese Haltung.
Die EU-Kommission räumt allerdings selbst ein, dass technische Defekte nur einen relativ geringen Anteil an den Unfallursachen ausmachen.
Stehen Aufwand und Ertrag im richtigen Verhältnis zueinander? Klar, Menschenleben darf man nicht bewerten. Aber ohne konkrete Zahlen, wie viele Menschen denn zu Schaden kommen durch technisch unfitte Autos, erscheint die Forderung nach jährlicher HU stark überzogen. Und selbst die Kfz-Werkstätten sind dagegen.