Ist das schon eine Bewerbung bei Ferrari? Christian Horner lässt jedenfalls kaum Zweifel daran, welcher Job ihn zurück an die Formel-1-Kommandobrücke locken könnte. Mehr als ein Jahr nach seinem Aus bei Red Bull spricht der 52-Jährige im Interview mit der britischen „Times“ auffällig offen über Ferrari und macht der Scuderia ein Angebot, das er keinem anderen Team machen würde.
Denn eigentlich hat Horner nach 21 Jahren als Angestellter bei Red Bull keine Lust mehr auf einen klassischen Teamchef-Posten. Bei seinem nächsten Formel-1-Projekt möchte er idealerweise selbst beteiligt sein. Allein: Für Ferrari würde er diese Bedingung streichen.
"In dieser Phase meines Lebens gibt es nur ein Team, bei dem ich akzeptieren würde, nicht am Eigentum beteiligt zu sein“, sagt Horner. Gemeint ist Ferrari.

Horner schwärmt: Ferrari ist "der Traum“

Und dabei belässt es der ehemalige Red-Bull-Teamchef nicht. „Ferrari ist die größte Marke in der Formel 1. Es ist der Traum“, schwärmt Horner. Gleichzeitig bezeichnet er die Scuderia als "schlafenden Riesen der Formel 1“.
Christian Horner
Ex-Teamchef Christian Horner ist an einem Teamchef-Posten bei Ferrari interessiert
Bild: Red Bull Content Pool
Eine offizielle Bewerbung ist das natürlich nicht. Doch viel deutlicher kann sich ein ehemaliger Weltmeister-Teamchef öffentlich kaum für einen Posten positionieren, der derzeit noch gar nicht frei ist. Auch italienische Medien interpretieren Horners Aussagen inzwischen als regelrechte Selbstbewerbung in Maranello.

Glock kritisiert Horners Ferrari-Flirt

Genau das stößt Timo Glock sauer auf. Der frühere Formel-1-Pilot kritisiert bei Sky die Art und Weise, wie Horner seinen Namen öffentlich mit Ferrari verbindet. "Das ist eigentlich nicht die feine englische Art, sich über die Medien so ins Gespräch und Ferrari in Unruhe zu bringen“, sagt Glock bei Sky.
Der Hintergrund: Ferrari hat bereits einen Teamchef. Fred Vasseur besitzt einen Mehrjahresvertrag, den die Scuderia gerade erst 2025 verlängert hat. Damit bekommen Horners Aussagen zusätzliche Brisanz. Denn er erklärt nicht nur seine grundsätzliche Bereitschaft zu einem Comeback. Er nennt ganz konkret Ferrari als Ausnahme von seiner eigenen Regel, während Vasseur dort im Amt ist.

Horner will "noch einen Tanz“

Dass Horner überhaupt zurück in die Formel 1 möchte, macht er ebenfalls deutlich. Er habe das Gefühl, noch "einen Tanz“ übrig zu haben. Auch gegen seinen langjährigen Rivalen Toto Wolff würde er offenbar gern wieder antreten, wie er im Interview betont.
Die sportliche Bilanz dafür bringt Horner mit: Unter seiner Führung gewann Red Bull sechs Konstrukteurs- und acht Fahrer-Weltmeisterschaften – vier mit Sebastian Vettel, vier mit Max Verstappen. Ferrari wartet dagegen seit 2008 auf einen Konstrukteurs-Titel, der letzte Fahrer-Weltmeister der Scuderia war Kimi Räikkönen 2007.
Ob Ferrari tatsächlich Interesse an ihm hat, ist allerdings offen. Belastbare Hinweise auf aktuelle Verhandlungen mit Horner gibt es bislang nicht. Seine Aussagen zeigen zunächst vor allem eines: Sollte sich in Maranello eine Tür öffnen, steht Horner ziemlich demonstrativ davor.