Sie ist die Königin der Wüste, doch dieses Terrain ist selbst für Dakar-Gewinnerin Jutta Kleinschmidt (49/Abt-Cupra) extrem!
Beim Insel-XPrix der Extreme E auf Sardinien rast die Deutsche an diesem Wochenende auf einem Militärgelände auf Sardinien gemeinsam mit ihrem Teamkollegen Mattias Ekström (43) gegen den Klimwandel und um den Sieg.
Doch diesmal geht es nicht durch die Wüste Saudi-Arabiens oder des Senegal und auch nicht vorbei am größten Gletscher Grönlands, diesmal wird auf steinhartem Untergrund gefahren. Der Nato-Truppenübungsplatz im Südwesten der Mittelmeerinsel besteht aus einem felsigen Untergrund, einer losen Sandschicht darüber, diversen Büschen sowie zwei Wassergräben. Der fast acht Kilometer lange Rundkurs gilt als technisch anspruchsvollste Strecke des Jahres.
„Das größte Problem bereiten die versteckten Bodenwellen“, weiß Kleinschmidt. „Und wenn es regnen sollte, dann wird der Sand ganz schnell zu Matsch und wir fahren wir auf Glatteis.“
Eine besondere Herausforderung stellt der XPrix deshalb auch für die Reifen da. Continental hat den Luftdruck entsprechend von 1,5 auf 1,8 bar angehoben. Trotzdem müssen die 37-Zöller einiges aushalten.
Continental entwickelt und produziert die Einheits-Walzen für die Extreme E.
Ein extremes Rennen braucht extreme Reifen! Und die kommen aus Deutschland. Entwickelt werden die Walzen bei Continental in Hannover, produziert werden sie in den USA (Michigan).
Das schwarze Gold der Extreme E basiert auf dem CrossContact-Offroad-Reifen. „Aufgrund des Nachhaltigkeits-Gedankens der Extreme E mussten wir einen Reifen für fünf verschiedene Locations bauen – mit ganz unterschiedlichen Untergründen: tiefer Sand, Felsen, Wasser“, erklärt Catarina Silva, Continental-Projektleiterin für die Extreme E. „Dazu kommen ganz unterschiedliche äußere Bedingungen: Mal herrscht sengende Hitze, mal Eiseskälte.“ Mit einem kleinen Team aus Niedersachsen ist sie bei jedem Rennen vor Ort.
Die Herausforderung, in kürzester Zeit Rennreifen für bis zu 544 PS starke Elektro-Allradler zu entwickeln, war groß. Silva: „Das Auto ist so besonders, dass wir nicht mit normalen SUVs testen konnten. Das Drehmoment ist extrem (920 Nm, d. Red.). Auch deshalb haben wir besondere Alu-Felgen im Einsatz, die am Reifenwulst fixiert werden.“
Hintergrund: Beim Vorsaisontest gab es wegen des Drehmoments eine Rotation von 40 Zentimetern auf der Felge. Ergo mussten die Reifen so festgeklemmt werden, dass sie sich auf der Felge nicht mehr bewegen können.
Die nächste Challenge: Pro Auto und Rennen stehen sechs Reifen zur Verfügung. Alle Gummis wurden bereits vor der Saison produziert und auf dem Extreme-E-Schiff St. Helena eingelagert. „Das heißt, in Saudi Arabien hatten wir unsere erste große Bewährungsprobe, als alle Reifen schon verladen waren“, erklärt Catarina Silva. „Zum Glück haben wir alles richtig gemacht und brauchten keine nachträglichen Änderungen.“
Allein die schiere Größe der schwarzen Walzen beeindruckt.
Fakt ist: Allein die schiere Größe der schwarzen Walzen beeindruckt. Die Daten: 34 Kilo pro Stück, 37 Zoll Durchmesser, 31,75 Zentimeter Breite, 13,9 Millimeter Profiltiefe. Catarina Silva: „Es ist eine Mischung aus LKW und SUV-Reifen, weil das Gewicht des Fahrzeugs mit 1650 Kilo so hoch ist. Außerdem haben wir eine besondere Mischung und Profil entwickelt, so dass wir für jede Temperatur und jeden Untergrund genug Grip, Traktion und Haltbarkeit haben.“
Durchschnittlich 70-100 Kilometer legt ein Auto pro Rennwochenende zurück. Die Reifen sehen danach immer noch wie neu aus. „Bei der Dakar, braucht ein Team bei einem Rennen mehr Reifen als wir für eine ganze Meisterschaft“, rechnet Catarina Silva vor.
Am Sonntag ist der Kautschuk-Cocktail beim XPrix auf Sardinien auch im TV zu bewundern. ProSieben Maxx überträgt ab 16 Uhr. Heute (Samstag) wird das Qualifying auf ran.de übertragen.

Von

Bianca Garloff