Früher fuhren sie gegeneinander um die Formel-1-Weltmeisterschaft. In der Elektro-Rennserie Extreme E kämpfen Lewis Hamilton und Nico Rosberg erneut um den Titel. Allerdings als Teambesitzer, das Fahren in der Wüste überlassen der britische und der deutsche Ex-Champion anderen.
Und das mit großem Erfolg. Vor dem Finale am Wochenende in Uruguay sind Rosberg X Racing (RXR) und die Hamilton-Mannschaft X44 Vida Carbon Racing die Titelfavoriten.
In der Extreme E wechseln sich jeweils ein weiblicher und ein männlicher Pilot am Lenkrad der 550 PS starken Elektro-Buggys ab. Für Tabellenführer und Titelverteidiger RXR treten zwei Schweden an. Mikaela Ahlin-Kottulinsky, die von der Rundstrecke kommt, und der fünfmalige Rallycross-Weltmeister Johan Kristoffersson gewannen drei der bisher vier Rennen. Das X44-Duo mit der spanischen Rallyefahrerin Cristina Gutiérrez und dem neunmaligen Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb aus Frankreich siegte beim Saisonauftakt. 17 Punkte beträgt ihr Rückstand auf XRX, maximal 30 Zähler werden noch vergeben.
Für das ABT CUPRA XE Team greift in Uruguay Klara Andersson ins Lenkrad.

Zehn Teams bilden das Feld in der zweiten Extreme-E-Saison. Sie setzen alle technisch identische Renner ein. Nur beim Design haben die Mannschaften Spielraum. Zwischen den Veranstaltungsorten reist die gesamte Fahrzeugflotte gemeinsam mit einem umgebauten Postschiff. Damit soll der CO2-Fußabdruck der Serie ebenso reduziert werden wie durch den Einsatz von Wasserstoff als Betriebsstoff für die Stromaggregate.
Die deutschen Farben im Fahrerfeld vertreten der zweimalige DTM-Champion Timo Scheider und Jutta Kleinschmidt, die Siegerin der Rallye Dakar 2001. Kleinschmidts Saison endete allerdings vorzeitig: Beim Training zum Extreme-E-Lauf in Chile verletzte sie sich am Rücken bei der harten Landung nach einem Sprung. Ersatzfrau im Team ABT CUPRA XE an der Seite des viermaligen Dakar-Siegers Nasser Al-Attiyah ist seitdem Klara Andersson. Sie ist mit 22 Jahren die Jüngste im Starterfeld.
Das schwedisch-katarische Mixed-Team fuhr in Chile beim vierten Lauf erstmals aufs Podium, zählt beim Finale in Uruguay dennoch zu den Außenseitern. „Unser Ziel ist ein guter Saisonabschluss für das Team. Wir haben in Chile gesehen, dass wir das Tempo dafür haben“, ist Andersson optimistisch.
Das Rosberg X Racing Team geht als Tabellenführer ins Finale.

Um den Sieg an der Atlantikküste von Punta del Este kämpfen wohl wieder die Favoriten aus den Rennställen von Hamilton und Rosberg. Rein rechnerisch haben auch zwei weitere bekannte Namen Titelchancen: die Mannschaft des Rallye-Weltmeisters und Dakar-Siegers Carlos Sainz sowie das aus der US-Tourenwagenserie NASCAR bekannte Team Chip Ganassi Racing.
„Die Rundenzeiten werden sehr dicht beieinander liegen. Um schnell zu sein, muss man die richtige Spur treffen. Das wird natürlich besonders schwierig, wenn fünf Fahrzeuge direkt gegeneinander fahren“, sagt Timo Scheider voraus angesichts der mit rund drei Kilometern vergleichsweise kurzen Runden auf einem weitgehend künstlich angelegten Kurs.
Er fährt zusammen mit der Italienerin Tamara Molinaro für das Team der spanischen Traditionsmarke Hispano Suiza. Für Lewis Hamilton und Nico Rosberg mal ein anderer Gegner als immer nur Red Bull.

Von

Christian Schön