Enrico Tetzlaff steht etwas fassungslos vor einem silbernen Mercedes. Über einen befreundeten Anwalt bekam er den gebrauchten Benz in die Finger und stellt das Auto auf seinem YouTube-Kanal "Die Autogesellschaft Dresden" vor: 7500 Euro hat der Käufer für die E-Klasse der Generation W 212 bezahlt. Klingt fair, der Benz in der feinen Linie Avantgarde besitzt einige Extras.
Dieser Benz wurde manipuliert. Eine Auswertung ergab mehrere Kilometerstände. Ein Steuergerät wies einen Wert von über 1,6 Millionen Kilometer auf.
Bild: Die-Autogesellschaft-Dresden.de GmbH & Co.KG
Zwar hat der Wagen schon rund 230.000 Kilometer gelaufen und ist knapp 14 Jahre alt. Doch das Alter und die Laufleistung steckt so eine E-Klasse in der Regel locker weg. Schließlich besitzt der 212er den Nimbus eines soliden Langläufers, etliche gebrauchte Modelle besitzen Laufleistungen von über 300.000 Kilometern. Dieser Umstand macht das Modell allerdings auch interessant für Tacho-Betrüger.

Laufleistung laut Diagnose: 1.609.343 Kilometer

Kurz nach dem Kauf treten Getriebeprobleme auf, weshalb der neue Besitzer eine Mercedes-Werkstatt in Zittau aufsucht. Und dort stellt man beim Auslesen der verschiedenen Steuergeräte unterschiedliche Kilometerstände fest. Das Steuergerät des Zündschlosses, im Gegensatz zu den anderen elektronischen Speichern nur sehr schwer manipulierbar, hat einen schockierenden Wert registriert: Sagenhafte 1.609.343 Kilometer zeigt das Diagnosegerät des Mercedes-Mechanikers an.
Beim neuen Eigentümer sitzt der Schock tief, der Verkäufer weigert sich den Wagen zurückzunehmen, taucht unter – und die Sache landet beim Anwalt.

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Tetzlaff begutachtet im Video die manipulierte E-Klasse und staunt. Denn sollte der Mercedes wirklich über 1,6 Millionen Kilometer gelaufen sein, wäre der Zustand überraschend gut. Sowohl die Karosserie als auch die Innenausstattung hinterlassen einen noch ordentlichen Eindruck.
Der Innenraum weist Abnutzungsspuren auf, ist aber alles andere als komplett zerschossen. 1,6 Million Kilometer Laufleistung wären in vielerlei Hinsicht eine Sensation.
Bild: Die-Autogesellschaft-Dresden.de GmbH & Co.KG
Allerdings ergab die Inspektion in der Werkstatt ungewöhnliche Schäden. So waren die Endrohre extrem verrußt, der "Dieselpartikelfilter innerlich gebrochen", und das Hinterachsdifferenzial erzeugte stark mahlende Geräusche, sodass es getauscht werden muss. Das sind für einen 212er jedenfalls keine typischen Schadensbilder, die nach gut 200.000 Kilometer auftreten.

Bei genauerem Hinsehen häufen sich Auffälligkeiten

Neben ein paar Steinschlägen, schiefen Spaltmaßen und den doch eher leichten Abnutzungspuren erkennt auch Tetzlaff bei seinem Check immer mehr Auffälligkeiten. Ein nicht befestigter Scheinwerfer deutet auf einen schlecht reparierten Unfallschaden hin. Bei der Probefahrt fallen das stark abgenutzte Lenkrad, fehlende Innenspiegel und Assistenten auf, die ihren Dienst inzwischen eingestellt haben. Hat man aber alles schon mal schlimmer erlebt, insofern wäre der Zustand ein kleines Wunder, sollte der siebenstellige Kilometerstand stimmen.
Für eine Mercedes E-Klasse der Generation W 212 sind hohe Kilometerstände nichts Ungewöhnliches. Das T-Modell wirkt auf den erste Blick noch gut beisammen.
Bild: Die-Autogesellschaft-Dresden.de GmbH & Co.KG
Allerdings ist es fraglich, ob der wahre Kilometerstand jemals ans Tageslicht kommt. Ein Youtube-Nutzer weist in seinem Kommentar darauf hin, dass das Steuergerät vom Zündschloss einen Schutzmechanismus besäße und den Kilometerstand automatisch auf 1,6 Millionen km einstellen würde, sobald Manipulationsversuche vorgenommen werden.