Fahrbericht: Bürstner B66 Lyseo 732 TD
Wie schneidet das Reisemobil Bürstner B66 Lyseo 732 TD ab?

Der B66 TD ist ein Lyseo der alten Schule. Wie gut der Teilintegrierte mit seinem Queensbett im Heck ist, zeigt der moderne Klassiker im Fahrbericht!
Bild: Bernd Hanselmann
So ein bisschen gilt der B66 als Wanderer zwischen den Welten, zwischen Gestern und Heute. Nicht, weil er alt aussähe – das tut er nicht. Im Gegenteil: Sein Auftritt wirkt sportlich-elegant, beinahe ein wenig mondän. Und doch zitiert der Bürstner B66 die Vergangenheit. Insider sehen es, zum Beispiel am alten Logo – das moderne, eckige B findet sich am B66 ebenso wie der bisherige Schriftzug.
Und die Zahl 66 verweist auf das 66. Firmenjubiläum, auch wenn das bereits 2025 gefeiert wurde. Wobei: So viel zu feiern gab es nicht, und das weniger, weil die Zahl zwar nett, aber krumm ist, sondern viel mehr, weil Bürstner in schwierigen Zeiten steckte und eine Restrukturierung zu meistern hatte. Hubert Brandl, der neue Chef, kam von Niesmann+Bischoff und krempelte das Bürstner-Modellprogramm auf links – neu, innovativ, eigenständig.

Das "Lanzarotegrau" von Fiat führt Bürstner im Aufbau bewusst fort. Beim B66 ist es stets serienmäßig.
Bild: Bernd Hanselmann
Und mit nur drei Baureihen sehr gestrafft. Doch es brauchte letztes Jahr auch Fahrzeuge, die umgehend den Markt erreichen konnten. Die Interieurs der B66-Modelle waren bereits vorbereitet, das schicke Packaging war schnell geschnürt, der markante Name lag nahe: Schon zum 55. Geburtstag hatte Bürstner ein Sondermodell aufgelegt, mit großem Erfolg.
Daran knüpfte die B66-Palette an, die es letztes Jahr in allen Segmenten gab. Die Urban Camper und Wohnwagen sind bereits Geschichte, doch Vans und Reisemobile schwimmen auf einer Welle des Erfolgs. Warum das so ist, lässt sich leicht ergründen: Es ist, wie so oft bei Sonder- oder Editionsmodellen, die Verbindung aus attraktiver Ausstattung und einem hart kalkulierten Preis, der aktuell bei 79.666 Euro startet.
Technische Daten: Bürstner B66 Lyseo 732 TD
Technische Daten | Bürstner B66 Lyseo 732 TD |
|---|---|
Motorisierung | Fiat MultiJet 3 (Euro 6E) |
Leistung | 103 kW (140 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 2184 cm³ |
Drehmoment | 350 Nm bei 1500-2700/min |
Höchstgeschwindigkeit | 152 km/h |
Getriebe/Antrieb | Achtstufenautomatik/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 60 l/Diesel |
Länge/Breite/Höhe | 7190/2300/3050 mm |
Radstand/Bereifung | 4035 mm/235/75 R 16 C |
Masse fahrbereit/Zuladung | ca. 3146 / 354 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 2000 / 750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/Boden | GFK/GFK/GFK |
Stärke Wand/Dach/Boden | 30/30/40 mm |
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden | XPS/XPS/XPS |
Liegefläche Heck L x B | 1900 x 1500 mm |
Innenhöhe/-breite max. | 2050/2100 mm |
Kühlschrank/Eisfach | 132/15 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | Lithium, 12 V / 100 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 105/90 l |
Gasvorrat/Heizung | 2 x 11 kg/Truma Combi 6 |
Grundpreis/Testwagenpreis | 81.666 Euro/82.332 Euro |
Er gilt für den 6,99 Meter langen Bürstner B66 Lyseo 690 TD, den ein Grundriss mit Einzelbetten und L-Sitzgruppe kennzeichnet. Der B66 Lyseo 732 TD, wie hier im Fahrbericht zu sehen, kommt mit seinem Queensbett und der Visà-vis-Sitzgruppe auf 20 Zentimeter mehr Länge und einen Grundpreis von 81.666 Euro.

Die B66-Modelle werden serienmäßig mit 140 PS und Automatik ausgestattet.
Bild: Bernd Hanselmann
Nach einem Sonderangebot klingt ein Preis in dieser Höhe zunächst nicht. Doch Bürstner verspricht einen Vorteil von bis zu 18 000 Euro für die B66-Reihe, bedingt durch eine komplette, durchaus luxuriöse Ausstattung. Also doch ein wahrer Schatz für Schnäppchenjäger?
Bürstner setzt mit dem B66 auf All-in
Ein Rundum-sorglos-Paket muss mehr bieten als nur die schicke Optik, die Bürstner mit einem Fahrerhaus in Lanzarotegrau garantiert, einem Ton, der sich in der Beklebung elegant fortsetzt und zu dem die bronzefarbigen Akzente gut passen.
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Doch es sind die weiteren Extras, die hier keine sind, weil sie ab Werk in jedem teilintegrierten B66 stecken: ein 140-PS-Motor mit Automatik, Ganzjahresreifen auf Alurädern, eine breite Aufbautür, eine große Garage mit zwei Türen, Pioneer-Multimedia-Radio mit Rückfahrkamera, Markise, Ladebooster und eine 100-Ah-Lithiumbatterie. Den Einbau von Solarpanels und einer Klimaanlage hat Bürstner vorbereitet, eine Satelliten-Antenne ist samt Smart-TV sogar serienmäßig an Bord.

Entspannt sitzt man auf lederbezogenen Bänken gegenüber. Das bedeutet jedoch Umbauaufwand, wenn Gäste mitfahren.
Bild: Bernd Hanselmann
Eine Spezialität dieses Grundrisses ist das Queensbett. Es ist elektrisch um rund 25 Zentimeter höhenverstellbar, übrigens nur per Schlüsselschalter von der großen Garage aus. Der Hintergrund ist einfach: So fährt das Bett auf und ab, ohne dass aus Versehen Ladegut (oder das Bett) beschädigt wird.
Wer sich für diesen Grundriss entscheidet, sollte das Bettmaß im Blick haben: Mit 150 Zentimeter Breite und (maximal) 190 Zentimeter Länge fällt die Matratze nicht üppig aus, dazu kommt ein enorm schmaler Durchgang. Mehr als eine Handbreit Platz bleibt nur dann, wenn das Kopfteil der Matratze aufgestellt wird – bequem beim Lesen, doch zum Schlafen untauglich.
Der B66 duftet nach Luxus
Schon beim Einsteigen wird klar, dass Bürstner hier nicht trickst, sondern tatsächlich volles Programm liefert. Die Aufbautür zeigt sich mit 65 Zentimetern nicht nur üppig breit, sondern verriegelt auch doppelt, besitzt ein Fenster mit Verdunkelungsplissee und einen Mülleimer. Eine Fliegenschutztür ist ebenfalls serienmäßig montiert.
Innen empfängt der B66 mit einer für diese Klasse eindrücklichen Atmosphäre. Unerwartet ist der intensive Duft von Leder: Die B66-Modelle stattet Bürstner mit Echtlederpolstern aus, mit farbig passenden Kedern und aufwendigen Logo-Steppungen. An den Cockpitsitzen kommen Karonähte hinzu. Der Käufer erhält sogar drei Farben zur Wahl – Chocolate, Stone oder (wie im Testwagen) Cream. Dieser helle Ton harmoniert bestens mit dem eher dunklen, kräftig gezeichneten Holz.

Das Queensbett lässt sich motorisch in der Höhe verstellen, das Kopfteil ist zudem aufstellbar. Doch mehr als 1,90 x 1,50 Meter misst die Matratze nicht.
Bild: Bernd Hanselmann
Besonders elegant und weitläufig wirkt der Raum zudem durch die betont geraden, grifflosen Klappen der Oberschränke. Dazu setzt das Anthrazit der zentral stehenden, L-förmigen und kompakten Küche einen klaren Kontrapunkt.
Sie überzeugt mit edler Haptik, bietet viel Stauraum, jedoch eine recht knappe Arbeitsfläche. Der Kühlschrank steht gegenüber, mit seinem Fassungsvermögen von 132 Litern schluckt er auch für eine Familie genug. Beinahe unauffällig ist vor dem Schlafzimmer im Heck das Bad platziert – die Dusche links, Toilette mit Waschbecken rechts. Beide Räume lassen sich mit zwei Türen verbinden und so bequem nutzen.
Wer mit mehr als zwei Personen reist, kann die bequeme Vis-à-vis-Sitzgruppe mit zwei Vario-Sitzen umbauen. Ein weiteres Bett ist hier als Zubehör bestellbar (666 Euro), ein elektrisches Hubbett (1666 Euro) oberhalb der Dinette ergänzt zwei weitere Schlafplätze auf bis zu 150 Zentimeter Breite.

Wer sich nur ein weiteres Bett wünscht, kann den Umbausatz für die Sitzgruppe dazu ordern.
Bild: Bernd Hanselmann
Vom Lyseo, als Baureihe bei Bürstner schon länger bekannt, stammt auch der praktische, weil funktionale Doppelboden. Er bietet einiges an Stauraum, hält allerdings nach hinten eine kleine Stufe bereit. Bürstner spart auch bei den Details nicht und verbaut bereits USB-C-Steckdosen, eine aufwendige indirekte Beleuchtung und ein digitales Bedienteil für die Truma Combi 6. Allein das Dachfenster in der Haube fehlt: Dafür fordert Bürstner 966 Euro extra.
Die 140 PS sind nötig
Je nach Ausstattung, und dabei spielt besonders das Hubbett eine Rolle, klettert das Leergewicht schnell auf deutlich über drei Tonnen. Bürstner führt für 266 Euro Aufpreis eine Auflastung auf 3650 Kilogramm an – nötig, wenn vier Personen im B66 unterwegs sind. Auf unserer Testfahrt im Schwarzwald zeigte das Fahrwerk keine Schwächen, besonders dank der verbreiterten hinteren Spur stellte es auch in zügigeren Kurven keine Fragen.
Doch bergauf ruft der B66 die vorhandenen 140 PS vollständig ab. Leichtfüßig fühlt sich der Teilintegrierte dann nicht an, immerhin übernimmt die Automatik alle Schaltarbeit. Wer jedoch mehr aufs Reisen setzt, nicht aufs Rasen, den wird das wenig stören.
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