Fahrbericht Castagna Milano Aznom
Ein Italiener hebt ab

Eine kleine Firma in Mailand will es mit den ganz Großen aufnehmen: Der Castagna Milano Aznom wettert mit exklusiver Optik und 372 km/h gegen Ferrari & Co. Als Basis dient eine Corvette Z06.
- Detlev Hammermeister
Gioacchino Acampora, 39, wirkt mit seinen braunen Augen und seinem pausbäckigen Gesicht so, wie wir uns einen netten italienischen Eisverkäufer vorstellen; wie einer, der flehendem Kinderblick nicht widerstehen kann und auf den verschwenderischen Berg an Schokoladeneis gern noch eine Extrakugel obendrauf packt. Doch Acampora verkauft keine Träume für kleine Kinder. Sondern für große. Er ist Designer und Entwickler von Castagna Milano, einer kleinen Firma in Mailand, die bislang in erster Linie kultigen Mini oder {
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} in der Garage haben und jetzt noch gern etwas Besonderes dazustellen wollen", sagt Acampora.
Austauschbare Karosserieteile

Bild: Christian Bittmann
Auf Knopfdruck mehr PS

Bild: Christian Bittmann
Eine erschütternde Ansage. Denn Acamporas Rosskur reduziert das ursprüngliche Corvette-Gewicht von 1418 Kilo um gut zwei Zentner. Gleichzeitig sprang die Motorleistung dank zweier ladeluftgekühlter Kompressoren um über 300 PS in die Höhe. Das Drehmoment: fast 1000 Newtonmeter. Ein vergleichbares Dynamikpotenzial ergäbe sich, würde man den aufgeladenen Siebenliter-V8 in einen Fiat Bravo einbauen. Die versprochenen Fahrleistungen überraschen da kaum: 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und über 372 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Maximaltempo ist allerdings nicht allgemeingültig, sondern hängt vom montierten Karosseriekit ab. Wenn besonders viel Abtrieb gefordert ist, muss man sich mit 334 km/h begnügen.
Exklusives Fahrgefühl, exklusiver Preis
Auf den verstopften Straßen zwischen Mailand und Como kommen wir kaum in Versuchung, die Unterschiede herauszufahren. Erst recht, weil es sich um das erste und bislang einzige Exemplar handelt. Relativ brav reiht sich der Aznom in die Autoschlangen ein, gibt sich recht handlich und zwar hart, aber nicht knüppelhart gefedert. Entspannt blicken wir auf das gut abzulesende Head-up-Display in der Windschutzscheibe und lauschen dem Grizzly-Grollen des V8 – aber auch dem Klappern der insgesamt eher provisorisch verarbeiteten Karosse. Vergessen, wenn ein kleines Stück freier Straße lockt: Ein Tritt aufs Gas, und der Achtzylinder prügelt das kleine Kohlefaserbündel auf eine Weise nach vorn, dass dem Fahrer fast das Bewusstsein schwindet. Das dürfte genau der Moment sein, in dem Acampora bei Probefahrten den Kaufvertrag zückt. Denn in diesem Dynamikdelirium unterschreiben Fans auch eine Rechnung, auf der ein ziemlich abgehobener Betrag steht: 1.000.000 Euro.
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