Die Karriere des SLR neigt sich dem Ende zu. Mit dem Sondermodell Stirling Moss nimmt Mercedes nach rund 1700 Einheiten Abschied. Obwohl das Auto nicht nur Fans hatte, machen die Veredler noch lange nicht Feierabend. Nach Brabus, Mansory und Asma stellt jetzt FAB Design seine Interpretation des Supersportlers vor. FAB-Inhaber Roland Rysanek weiß ganz genau: Wer zu spät kommt, muss richtig auffallen. Was dem Breitbau-Guru aus dem schweizerischen Mellingen vortrefflich gelingt. Obwohl er generös auf eines seiner bewährten Stilmittel verzichtet: die grelle Lackierung. Sein SLR Desire glänzt in serienmäßigem Silber. Verursacht aber trotzdem Menschenaufläufe und Getuschel.

Der Heckflügel erhitzt die Gemüter

FAB Design SLR Desire
Die "Luftbremse" in der Heckklappe funktioniert immer noch – trotz des großen Heckflügels.
Bild: Lena Barthelmeß
Die klotzige Front sucht ihresgleichen. Geprägt von zwei riesigen rechteckigen Lufteinlässen verleiht sie dem Gesicht kantigen Charme, den man mag oder hasst. Wir finden das markante Kinn gelungen – allerdings erst nach eingehender Betrachtung. Ähnlich kontrovers dürfte über das Heck diskutiert werden. Ein riesiger, auf einem Dreieckständer thronender Heckflügel erhitzt die Gemüter. Der schroffe Diffusor nicht minder. "Ich wollte dem Auto einerseits einen Tick mehr Sportlichkeit verleihen", erklärt Rysanek seine Motivation. "Deshalb habe ich die Formel-1-Nase mit dem mittigen Steg nach unten verlängert und das im Windkanal erprobte Heckbrett installiert. Andererseits versuche ich, eine Brücke in die Vergangenheit schlagen: Die Kotflügel mit den Falten über den Rädern zitieren den 300 SLR von 1955."

Mercedes schickt den V8-Kompressor demnächst endgültig ins Altersheim

FAB Design SLR Desire
Neben die beiden Serienendrohre montiert FAB Design beidseitig ein voll funktionsfähiges drittes.
Bild: Lena Barthelmeß
Um die Karosserie um 15 Zentimeter zu verbreitern, tauscht FAB aus – im großen Stil: Nicht nur Front- und Heckstoßfänger sowie die Motorhaube, sondern auch alle Kotflügel müssen voluminöseren Varianten weichen, die alle aus Carbon bestehen. Nicht nur das Exterieur, auch der Sound sprengt fast die Regularien des öffentlichen Straßenverkehrs. Ein Druck auf den Startknopf setzt ein unvergessliches Hörspiel in Gang: Mit einem ohrenbetäubenden Schrei anspringend, nimmt die Lautstärke des Motors langsam ab, um schließlich in einen herrlich unrunden Leerlauf zu münden. 750 PS kitzelt FAB Design aus dem V8-Kompressor-Aggregat. Dafür muss er alle Register ziehen: Kolben, Ventile, Kompressor – der Tuner überarbeitet den Motor nach allen Regeln der Kunst. Die Essenz dieses Maßnahmenpakets imponiert: 124 PS mehr als beim Serienfahrzeug. Statt ursprünglich 780 stehen 1080 Newtonmeter zur Verfügung. Ein Wert, der eine Getriebeverstärkung unumgänglich machte.
Das Fahrerlebnis gestaltet sich so eindrucksvoll wie unvergesslich. Wagt es der Pilot tatsächlich, Leistung und Drehmoment voll abzurufen, setzt Schub ein, dessen Ausmaße schmerzen. Der Vorwärtsdrang fällt so atemberaubend aus, als würde einen der Kompressorriemen strangulieren. Die Vibrationen des Motors versetzen das ganze Fahrzeug in konvulsive Zuckungen. Aufgeregt tänzelnd versuchen die fetten Hinterwalzen zwischen Drehmoment und Asphalt zu vermitteln. Dem Auspuff entweichen derart gefährliche Fanfaren, als würden in seinem Endtopf kriegerische Urvölker hausen. Am Ende des Tages hat uns der krasseste SLR aller Zeiten tatsächlich so weit, dass wir erschöpft, aber glücklich gestehen: Du wirst uns fehlen, teurer Freund.