Manchmal hat man das Gefühl, dass es nicht mehr weitergeht. Roland Rysanek von FAB Design erreichte 2009 dieses Stadium. Der schillerndste Mercedes-Optimierer der Welt war mit seinem getunten Maybach und den veredelten Varianten von SLR und SLR Roadster ganz oben angekommen. Und stand nun vor der kaum lösbaren Frage: Wie das bislang Erreichte übertreffen? Rysanek überlegte nur kurz. Beschloss dann, erstmalig Porsche zu tunen und kaufte sich einen Panamera Turbo. Dann schloss er sich im stillen Kämmerlein ein – und rief mich Mitte November letzten Jahres an: "Ich bin im Modellbau. Das Auto nimmt Gestalt an. Ich habe ein gutes Gefühl." Sprach's und machte weiter. Unmittelbar vor dem Genfer Salon 2010 durften wir ihn jetzt besuchen, sein Messehighlight in Augenschein nehmen – und fahren.

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FAB Panamera Widebody
Der Trick mit der Ecke: Der Karbon-Bumerang vor dem Vorderrad verleiht dem imposanten Panamera noch mehr Zackigkeit.
Bild: Lena Barthelmeß
Das erste Aufeinandertreffen führt beim Betrachter zum FAB-typischen Aha-Effekt: ungläubiges Staunen, gepaart mit atemloser Begeisterung. Das Auto ist der Hammer. Heißt aber nicht so. Sondern ganz schlicht und eingängig Panamera Widebody. Wide ist er wirklich, dieser Body. Wobei FAB schon immer mehr wollte und konnte, als nur die Backen aufblasen. Vollendete Harmonie aller Proportionen ist das Ziel. "Die Dimensionen müssen einfach passen", erklärt Rysanek. Feng-Shui für Autos. Als Grundlage der ganzen Pracht und Herrlichkeit dient grundsolide Handwerkskunst: Alle Anbauteile bestehen aus Carbon oder einem Kohlefaser-Kunststoff-Verbundmaterial, die ausschließlich bei FAB vor Ort montiert werden. Zeitnah soll es ein konventionelles Bodykit geben, das dann in alle Winkel der Welt verschickt werden kann.

FAB-Porsche – ein Männerauto mit Coupécharakter

FAB Panamera Widebody
Verdiente Ehrung: Wir verleihen hiermit den Titel "Supersportlimousine".
Bild: Lena Barthelmeß
Vor allem dem umstrittenen Heck des Panamera widmet FAB viel Zuwendung. Ein vom Flugzeugbau inspirierter Heckflügel und die neuen breiten Kotflügel nehmen dem Buckel die Schärfe. Mit den sich bis in die Fondtüren ziehenden Hinterbacken findet das Gesäß den Anschluss an den Rest des Fahrzeugs. Dank der verdeckten hinteren Türgriffe bekommt die Limo Coupécharakter. Zudem macht FAB den Falz der Heckklappe unsichtbar. Dadurch scheint der Deckel bis über den Auspuff zu reichen. Optischer Effekt: Das Auto rückt der Straße näher – wirkt gedrungener und maskuliner. Überhaupt ist der FAB-Porsche ein Männerauto. Einsamer Wolf, grimmiger Cowboy, letzter Mohikaner – was immer man will. Dabei fühlen sich an Bord des Breitbau-Boliden auch Frauen wohl. Zumindest, wenn sie auf Glanz und Glamour stehen.

Das Porsche-Experiment glückt

Damen der Fraktion "schlichter Hosenanzug, kaum Schmuck und zurückhaltendes Make-up" dürften hingegen schreiend das Weite suchen. Der Pilot fängt sie rasch wieder ein. Darf er doch stolze 580 PS befehligen. Die 80 Mehr-PS sind allein Optimierungen der Elektronik geschuldet. Langfristig sollen mit Hilfe neuer Lader 700 PS mobilisiert werden. Wobei Sturm und Drang des Autos schon jetzt durchweg imposant ausfallen. Die zusätzliche Karosseriebreite scheint den durchzugsstarken Achtzylindermotor völlig kalt zu lassen. Begleitet von triumphalen Fanfaren des Auspuff-Triumvirats muss sich der Steuermann permanent zurücknehmen, um in der streng reglementierten Schweiz nicht direkt ins Kittchen zu brausen. Schlussendlich wollen wir FAB gratulieren: Porsche-Experiment geglückt. Roland Rysanek sucht schon wieder nach neuen Herausforderungen: Als Nächstes will er einen Italiener veredlen.