Giftgrünes Make-up, gieriger Schlund, dicke Backen wie Bolle am Zahltag, Schalensitze Marke Schraubstock und unter der Haube Hochleistung für Ford-geschrittene: 305 Turbo-PS will der neue Focus RS nur über die Vorderräder in den Asphalt fräsen. Dafür hat die Rennsemmel ein mechanisches Sperrdifferenzial, zudem soll eine neue, patentierte Vorderachsstruktur die an der Lenkung zerrenden Kräfte reduzieren. Start frei. Erster Eindruck: Der Fünfzylinder lässt sich im hohen Gang bei niedrigen Touren schön schaltfaul fahren.
Das Fahrwerk ist trocken wie Wüstenstaub, der Sound herrlich bassig-schmutzig. Da haben die RS-Entwickler etwas nachgeholfen: Bestimmte Frequenzen werden gezielt in den Innenraum geleitet. Das animiert, mal ein bisschen fester zuzutreten. Für spontane Leistungsbereitschaft wurde der Turbolader nahe an die Zylinderbank montiert und macht so schon bei niedrigen Drehzahlen (ohne Turboloch) ordentlich Druck. Der RS kann damit erstaunlich gut umgehen. Bei dosiertem Gas zeigt der Über-Focus, dass er eigentlich ein Rennwagen im Straßenanzug ist. Dann ballert er los wie ein Mega-Kraftwerk auf der Flucht vor den Grünen. In 5,9 Sekunden auf Tempo 100, wenn gefordert bis 263 km/h! Die Traktion selbst aus engen Kurven heraus ist dabei erstaunlich gut, die Zerrkräfte an der absichtlich etwas indirekt ausgelegten Lenkung viel geringer als vermutet. Für 33.600 Euro inklusive üppiger Ausstattung ist der Focus RS einzigartig in der 300-PS-Liga – in dieser Halbstarken-Optik sowieso.
Das gefällt uns: Der Kompromiss zwischen krawallig und kultiviert.
Das fehlt uns: Der Motor in einem zivileren Kleid.
Das überrascht uns: Eigentlich müssten die 305 PS die Vorderachse rausreißen – tun sie aber nicht.

Fazit

Eine Brennhexe erster Kajüte. Politisch nicht korrekt, aber ein absoluter Spaßvogel. 305 wilde Pferde zu einem Preis, für den es sonst nur biederbrave Massenware gibt. Die Optik muss man mögen ...