Fahrbericht Honda U3-X (Tokyo Motor Show 2009)
Per Einrad durch den Messezirkus

Die Japaner wollen endlich Ordnung in den Personenverkehr bringen – ausgerechnet mit einem Einrad! AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka hat den kuriosen U3-X mal ausprobiert.
Es sieht aus, als hätte Honda sich aufs Recycling von ausgedienten Ghettoblastern verlegt. Auf Transportgröße zusammengeklappt, verrät der U3-X auf jeden Fall nichts von seinem interessanten Innenleben, mit dem die Japaner den Personenverkehr neu ordnen wollen. Dazu benutzt Honda in diesem Fall nicht wie bisher vier oder zwei, sondern erstmals nur ein einziges Rad. Zumindest prinzipiell. Bei genauer Betrachtung sind es dann doch ziemlich viele Räder oder besser Rollen, auf denen der U3-X unterwegs ist. Doch dazu später mehr.
Intelligente Elektronik verhindert den Umfaller

Bild: Thorsten Weigl

Bild: Werk
Der Trick mit dem Schuh
Eine Besonderheit des U3-X liegt dabei in seinem speziellen Antriebrad. Das Hauptrad, das wie bei einem richtigen Einrad für vor und zurück zuständig ist, besteht in Wirklichkeit nämlich aus mehreren quer zur Radnabe montierten Rollen. Werden die in Bewegung gesetzt, schiebt der Honda seitlich oder auch diagonal davon. Aus diesem Grund muss zum Fahren von richtigen Kurven auch ein Trick angewendet werden. Einfach die Fußspitze leicht auf dem Boden schleifen lassen, schon biegt der U3-X ab wie ein ganz normales Einrad. Zugegeben, das erfordert dann doch schon ein bisschen Übung, stellt aber niemanden vor echte Probleme.
Gedacht ist Hondas Studie zum Einsatz unter Fußgängern. Deswegen wurde die Höchstgeschwindigkeit (leider) auch auf sechs Stundenkilometer begrenzt und bei den Abmessungen darauf geachtet, dass man nicht ständig an Passanten und Spaziergängern hängen bleibt (Tiefe 32 cm, Breite 16 cm).
Bislang erlauben die Honda-Techniker dem U3-X den Einsatz nur auf ebenen Wegen und am besten in überdachten Bereichen – Wasser oder Fahrbahnverwerfungen mag der Elektroroller nicht. Bevor über eine noch nicht beschlossene Serienfertigung aber weiter nachgedacht wird, müsste ohnehin das schwierige Zulassungsthema geklärt sein. In Japan darf der U3-X nicht ohne Weiteres am öffentlichen Verkehr teilnehmen. Segway ist an dem kategorischen Nein der Behörden schon gescheitert. Doch vielleicht drücken die Beamten bei einem großen einheimischen Hersteller ja mal ein Auge zu und finden eine Ausnahmegenehmigung. Dann müsste Honda sich nur noch einen attraktiven Preis ausdenken. Wir meinen: In Euro sollte der auf jeden Fall dreistellig sein.
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