Fahrbericht Isdera Autobahnkurier
Das ist (k)ein Traum

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Die meisten Konstrukteure wagen von kompromisslosen Kreationen wie diesen kaum zu träumen. Doch wenn Isdera-Chef Eberhard Schulz eine Vision hat, wird sie verwirklicht. Egal wie lange es dauert.
Hildesheim? Die niedersächsische Stadt im Schatten von Hannover hatten Autofans bislang nicht auf der Rechnung, wenn es um den Ursprung fantastischer Traumwagen ging. Oder um die Heimstatt kreativer Ingenieure, die, tänzerisch auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn balancierend, gerne mal die Autowelt auf den Kopf stellen. Und doch sehen sich die Hildesheimer jetzt mit einem Gefährt konfrontiert, das aussieht, als habe hier Steven Spielberg seine Requisiten für den nächsten Indiana-Jones-Film ausgepackt. Mit vergitterten Scheinwerfern, so mächtig, als wollten sie Licht in die dunkelsten Untiefen deutscher Vergangenheit schneiden; und mit einer Motorhaube, so lang, als habe sich eben noch Greta Garbo auf ihr geräkelt.
Die Wiederbelebung einer gloriosen Auto-Epoche

Klar, dass da auch Denkmäler ins Wanken geraten: "Die Motorhaube vom Mercedes 540K ist ein Meter 80, da sollten es bei mir schon zwei Meter sein. "Anders hätten die beiden Fünfliter-V8-Motoren von Mercedes auch nicht hineingepasst. Die leisten 300 PS. Pro Stück, versteht sich. Der hintere Achtzylinder treibt konventionell die Hinterachse an. Der vordere ist umgedreht und leitet sein Drehmoment an die Vorderräder. "Mit den beiden V8 komme ich zu einem Oldie mit Allradantrieb. Und auf die Zylinderzahl 16", schwärmt Schulz. Das war damals das magische Synomym für automobile Opulenz schlechthin. Dass all das nicht nur in fabelhaften Visionen funktioniert, dafür spricht die Erfahrung von Eberhard Schulz als Autobauer. Er ist der Eigner der 1981 in Leonberg gegründeten und jetzt in Hildesheim ansässigen Isdera GmbH – die Abkürzung für Ingenieurbüro für Styling, Design und Racing. Eine kluge Wortschöpfung, denn die Bezeichnung "Schulz" hätte auf der fiebrigen Flunder, die er 1983 als erstes käufliches Auto präsentierte, nicht so gut ausgesehen: ein spyder, wie er für unseren Vergleich zur Verfügung stand.
Radikale Ideen gab es schon beim spyder 036i


Vehement und mit verhaltenem Grollen setzt sich der 2,3-Tonner in Bewegung – und verleiht sofort eine Ahnung von jener herrischen Geste, mit der ein Traumauto einst die Welt in Arm und Reich teilte. So eine Motorhaube fordert immer Respekt – heute wie damals. Beim 600 PS starken Isdera sogar noch bei Tempo 230. Es muss ein erschütterndes Erlebnis sein, bei der Geschwindigkeit diesen Kühlergrill im Rückspiegel auftauchen zu sehen. Noch bei 242 km/h, dem Maximaltempo, kann das passieren. Aber nicht oft. Denn der Autobahnkurier soll ein Einzelstück bleiben, ein unverkäufliches dazu. "Es sei denn, ein autovernarrter Scheich macht ein unwiderstehliches Angebot", meint Schulz. Wäre fast schade, wenn sich so einer nach Hildesheim verirrte.
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