Fahrbericht Lamborghini Gallardo Balboni
Blick zurück nach vorn

Ein Stier, der deinen Namen trägt ... Der heckgetriebene Gallardo LP 550-2 wurde nach dem langjährigen Testfahrer Valentino Balboni benannt und atmet den Geist vergangener Zeiten. Unterwegs mit Lambos neuer Heckschleuder.
Wie wird man eigentlich Testfahrer? Ein Beispiel: Ein junger Kundendienstmitarbeiter einer kleinen Sportwagenmanufaktur hat den Auftrag, Autos aus der Werkstatt auf den Parkplatz zu fahren. Auf dem direkten Weg sind es nur ein paar langweilige Meter. Doch die Autos sind alles andere als langweilig. Also beschließt er einen Umweg: Raus aus der Garage, einmal um das ganze Werk, einparken. Die Autos sind laut, der Weg staubig. Und er fährt schnell. Kollegen beschweren sich, der Chef ermahnt ihn. Einmal, zweimal, dreimal, viermal – es nutzt nichts. Er kann einfach nicht anders. Er liebt diese Autos, er liebt das Fahren. Und er kann fahren. Schließlich sucht man Testfahrer. Die Chance seines Lebens für den damals 24-Jährigen. Nach einem Trainingsjahr mit Chefentwickler Bob Wallace ist er dabei. "Am 5. September 1973 um 10 Uhr morgens durfte ich zum ersten Mal allein durch die Werksschranke auf die Straße fahren, mit einem Miura SV." Vergessen werde er den Tag nie, sagt Lamborghini-Testfahrer-Legende Valentino Balboni. "Wie die erste große Liebe."
Der Balboni-Lambo atmet den Geist vergangener Zeiten

Bild: Christian Bittmann
"Ich liebe diesen Sound – wie die Autos, wild und extrem"

Bild: Christian Bittmann
"Wir haben die Fahrwerkseinstellung dem Heckantrieb angepasst, Stabis, Feder- und Dämpferraten geändert", sagt Valentino. Der Balboni-Gallardo ist noch verbindlicher, straffer und härter. Wir sind zügig unterwegs, der Lambo zeigt etwas weniger Untersteuern als die Serie, die Lenkung wirkt freier und spricht einen Tick besser an. "Dieses Auto ist sehr speziell. Ich musste mich erst wieder an eine Schaltung gewöhnen", sagt Valentino. Das Klacken der offenen Kulisse mischt sich unter die wunderbare Soundkulisse des Klappenauspuffs. "Mit eGear ist mehr Platz im Kopf für anderes. Aber mit einem Handschalter fühle ich mich mehr als Teil des Autos", erklärt er. In der nächsten Kurve wischt das Heck leicht weg. Welche Hobbys hat ein Testfahrer? "Ich spiele gern Fußball im Garten", sagt Valentino. "Fallschirmspringen ist auch klasse. Aber nur Tandem." Auch privat ein bisschen Thrill. Jetzt geht er auf Tour mit seinem Auto. Erklärt es Kunden in aller Welt. "Eine neue Aufgabe für mich." Er mag neue Aufgaben, auch im (Un-)Ruhestand. Nur eines habe sich in all den Jahren nicht geändert: "Meine Mutter", sagt Valentino, Vater dreier erwachsener Kinder. "Seit 41 Jahren fragt sie jeden Morgen: Fährst du heute etwa wieder diese Autos?" – "Ja Mama." – "Dann fahr aber vorsichtig."
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