Fahrbericht Maserati GranTurismo S
Feuertaufe

Beim Maserati GranTurismo S verschieben sich die Attribute in Richtung rassiger Sportwagen: Statt 405 PS wie im Standard-GT toben hier drehgierige 440 PS – mit unerbittlich straffer Dämpfung und höllisch lautem Italo-Rock gewürzt.
- Stefan Helmreich
Längst hat der Asphalt der Superstradas rund um Modena seinen Sättigungsgrad erreicht. Dabei gibt er sich so saugstark wie der Rosso-mondiale-Lackanzug des Maserati GranTurismo S. Auch auf dessen geschärftem Pininfarina-Körper tummeln sich die Wasserperlen. Sachte rinnen sie die Endloshaube hinab, dippen auf die innerlich geschwärzten Schlitzaugen. Hinten dröppeln sie von der Kofferraumflosse, hangeln sich entlang der Kante des angedeuteten Diffusors, versuppen an den Lippen der Endrohrschlünde. Oder geraten in Aufruhr. Tanzen zum grollenden Startgruß der zweiflutigen Auspuffanlage, beginnen zu flitzen, sobald der um 35 PS erstarkte, auf 4,7 Liter Hubraum erweiterte V8 die Drehzahlleiter erklimmt, bei 4750/min saftige 490 Newtonmeter auf die Heck-Pirellis schaufelt und dem nach Transaxleprinzip balancegünstig an der Hinterachse platzierten MC-Shift-Getriebe bei 7600 Touren den Schaltbefehl erteilt.
Ein hinreißend sinnlicher Italiener
MC steht für Maserati Corse, was nach Rennsport klingt, im Automatikmodus mit ausgedehnten Gangwechselpausen aber eher an die Cambiocorsa-Urzeit erinnert. Erst wenn die Sport-Taste klickt, der Pilot per Zupfer am verlängerten Schaltpaddel die Alleinherrschaft über die sechs Gänge beansprucht, brüllt der GTS die unselige Getriebevergangenheit geradewegs in die Emilia Romagna. Jenseits von 5500/min wechselt die elektrisch gesteuerte Box ins MC-Shift-Programm, tauscht die Gänge in 100 Millisekunden, untermalt vom markigen Schlürfen beim Hoch- und gurgelnden Zwischengassalven Abgesehen vom grandiosen Auspuffkonzert wirkt der Maserati auf dem glitschigen Geläuf so grazil wie ein Bodybuilder beim Eistanz. Erst die Maisonne separiert neben einer trockenen Fahrspur auch die S-Variante vom Basis-GT. Auf Gas- und Lenkkommandos feuriger zubeißend, von den gesteiften Dämpfern unerbittlich auf die Teerdecke gepresst, distanziert sich der stärkste Großserien-Maserati der Geschichte von der bulligen Beschaulichkeit seines softeren Bruders – auch weil die scheibendimensional gewachsene Brembo-Bremse endlich das federbettartige Pedalgefühl ablegt. Bleiben stolze 1,9-Tonnen Ruhelast, die ebenso auf die Agilität drücken wie die 15.050 Euro Sportzuschlag auf das Gemüt so manches Maseratisto.
Service-Links