Fahrschule: Automatik statt Schaltgetriebe

Fahrschule: Führerschein mit Automatik statt Schaltgetriebe

Das ändert sich 2020 für Fahrschüler

Der Führerscheinerwerb mit Automatikautos statt mit Schaltwagen soll laut Verkehrsminister Scheuer 2020 leichter werden. Der TÜV kritisiert die Pläne scharf.
Durch die Änderung einer EU-Richtlinie will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Führerscheinerwerb erleich­tern. Er bestätigte damit einen Bericht von AUTO BILD. Nach den Plänen soll der Automatik-Führerschein attraktiver werden, auch um die Nutzung von E-Autos in Fahrschulen zu fördern. Es liefen dazu derzeit "Vorabstimmungen" auf Arbeitsebene zwischen dem Verkehrsministerium und der EU-Kommission, teilte das Ministerium mit. Mit der neuen Regelung könn­ten einige zusätzliche Fahrstunden sowie eine Eignungsprüfung durch einen Fahrlehrer reichen, um nach bestandener Automatik-Prüfung auch selbst schalten zu dürfen. Eine zweite amtliche Prüfung zu entspre­chenden Gebühren entfiele.

TÜV: "Bärendienst für Verkehrssicherheit"

Der TÜV-Verband lehnt diese Pläne vehement ab. "Im Gegensatz zu Ländern wie den USA ist der Schaltwagen in Deutschland immer noch der Normalfall – gerade bei Fahranfängern", sagte Geschäftsführer Joachim Bühler am 25. August 2019. Ohne ausreichende Fahrpraxis in einem Auto mit Schaltung und Kupplung werde es gefährlich. "Mit diesem Vorschlag würde man der Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen einen Bärendienst erweisen. Mit zunehmender Verkehrsdichte, neuen Fahrzeugen wie E-Scootern und zusätzlicher Technik in den Fahrzeugen nehmen die Anforderungen an die Fahrer zu. Deswegen müssen Fahranfänger im Interesse aller Verkehrsteilnehmer nachweisen, dass sie ihr Fahrzeug sicher beherrschen", sagte Bühler der dpa. Mit wenigen Übungsstunden auf einem leeren Supermarktparkplatz sei es nicht getan. Wer mit einem Wagen mit Schaltgetriebe fahren möchte, sollte auch weiterhin eine Führerscheinprüfung mit einem Schaltfahrzeug bei einer Prüfstelle ablegen müssen. Was meinen Sie?

Vier von fünf Befragten lehnen die Pläne ab

In Deutschland führen die TÜV-Organisationen und die Dekra die theoretischen und praktischen Fahrerlaubnisprüfungen durch. Der TÜV-Verband stützt sich bei seiner Haltung auch auf Ergebnisse einer Umfrage, die er selbst in Auftrag gegeben hatte. In der repräsentativen Forsa-Umfrage hätten vier von fünf Bundesbürgern (79 Prozent) die Ansicht vertreten, dass "Fahranfänger ohne ausreichende Schaltkompetenz eine Gefahr für die Verkehrssicherheit" seien. Nur jeder fünfte (21 Prozent) sei der Auffassung, dass sich Autofahrer das Schalten und Kuppeln selbst beibringen könnten.
Die derzeit gültige sogenannte Automatikregel besagt: Wer seine Fahrprüfung in einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe besteht, darf damit auch nur solche Fahrzeuge bewe­gen. Für die neue Regelung müsste eine EU-Richtlinie geändert werden. Dem Vernehmen nach wäre es aber auch möglich, dass Deutschland eine Änderung einführt, die dann von der EU "toleriert" wird, hieß es aus dem Verkehrsministerium.

Zustimmung von Fahrlehrerverbänden und MOVING

Zustimmung kam von Seiten der Fahrlehrer. Dieser Plan sei "ein dringend erforder­licher Schritt", sagte Jörg-Michael Satz, der Präsident der Interessenvertretung MOVING Inter­national Road Safety Association (Moving). Denn "die derzeitige Beschränkung wird von der Fahr­lehrerschaft als ein Hindernis für die Nutzung hochautomatisierter Fahrfunktionen angesehen, da diese Fahrzeuge in der Regel mit Automatikgetriebe ausgestattet sind." Auch der erste stellvertretende Vorsitzende des Bundesvereinigung der Fahr­lehrerverbände (BVF), Kurt Bartels, begrüßte die Pläne und nannte als Beispiele die Möglichkeit des Kennen­lernens von Stauassistenten und Autopiloten. Zudem vereinfachten sie den Einsatz von E-Autos in der Fahr­ausbildung. Nebenbei werde auch der Einstieg ins Autofahren einfa­cher, weil sich Fahrschüler neben den vielen Regeln in den ersten Fahrstunden nicht auch noch um den Gangwechsel kümmern müssen.

Keine Kostensteigerung zu erwarten

Teurer soll der Führerschein durch die Neuregelung indes nicht werden, so Bartels. Die zusätzlichen Stunden mit Handschaltung gli­chen sich mit den eingesparten Stunden wegen des leichteren Ein­stiegs in etwa aus. Und "wer nach der Fahrausbildung ohnehin nur noch mit Automatik fahren will, kann gegenüber der aktuellen Re­gelung sogar etwas Geld sparen". Wann genau die Automatikregel fällt, steht noch nicht fest. Er und Bartels rechnen damit, dass die geplante Neuerung bereits 2020 in Kraft tritt.
Mit Material von dpa

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