Farbwahl beim Auto: Unbunt verkauft sich besser
Farbenflucht: Warum unsere Autos immer grauer werden

Die Farbe entscheidet mit: Bunte Autos verlieren beim Wiederverkauf oft an Wert – Grau, Weiß und Schwarz sind deutlich gefragter.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Einen Seat Ibiza in "Mystic" muss man erst mal verdauen. Die Mischung aus Roségold und Apricot bringt manch einen zum Weinen. Andere finden, dass die Farbe dem Kleinwagen eine edle Ausstrahlung verleiht. Alles Geschmackssache.
Lange ist's her, dass Buntheit angesagt war bei unseren Autos. In den 1970er-Jahren dominierten Orange, Gelb, Grün und Rot das Straßenbild, dazu kamen Brauntöne, Hellblau und Ocker. Anfang der 80er zeichnete sich eine Entwicklung zu unbunten Farben ab; die Zahl der schwarzen, weißen und grauen Autos stieg stark an.

Gedeckt statt bunt: Mehr als die Hälfte der bei mobile.de angebotenen Autos sind als schwarz, grau oder weiß gelistet.
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Der Trend zur Tristesse hat mit gesellschaftlichen Entwicklungen und modischen Strömungen zu tun, aber auch mit schrumpfenden Privatkäufen. So wurden 2024 mehr als zwei Drittel aller neuen Pkw gewerblich zugelassen. Leasingfirmen und Flottenbetreiber nehmen Einfluss auf die Farbwahl. Ein orangefarbenes Massenmodell hat einen niedrigeren Wiederverkaufswert als ein unbuntes. Grau oder Schwarz bergen wenig Risiko, Weiß wird im Export nach Südeuropa und Afrika besonders bei kleinen Autos nachgefragt.
Gebrauchtwagenkäufer hingegen sind frei in ihrer Entscheidung. Wer sich offen zeigt für weniger begehrte Farben, hat gute Chancen, ein Schnäppchen zu machen. Eine Auswertung von mobile.de ergab Erstaunliches: Beim VW Golf (Erstzulassung ab 2013) liegen silberne Autos 17,9 Prozent unterm Durchschnittspreis, beim BMW 3er (ab 2012) sogar 33,9 Prozent. Eine große Zahl günstig angebotener Flottenfahrzeuge – Bundeswehr, Deutsche Bahn usw. – mit hohen Laufleistungen und eher magerer Ausstattung dürfte dafür verantwortlich sein.
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