Ferrari 599 GTO: Einzelstück wird versteigert
Spektakuläres Einzelstück: der letzte Ferrari 599 GTO

Nichts für schwache Nerven: Der letztgebaute Ferrari 599 GTO ist ein spektakuläres Einzelstück und soll bald versteigert werden!
Bild: Mecum Auctions
Farbenfroh oder farbenblind? Viele sind der Meinung, ein Ferrari muss rot sein. Nicht so Phil Bachman, der seine Ferrari grundsätzlich in Gelb bestellte. Zudem ließ er jedes Modell in Maranello bis ins letzte Detail individualisieren. Schon bald wird diese einzigartige Ferrari-Sammlung in den USA versteigert.
Die Sammlung umfasst 46 der begehrtesten Ferrari-Modelle sowie zwei Alfa Romeo 8C. Beinahe jeder Ferrari ist ein Unikat mit einer eigenen Geschichte. Alles begann im Jahr 1983, als Bachman – von Beruf Autohändler – auf einer Ausstellung einen Ferrari 308 GTS Quattrovalvole sah. Rückblickend beschrieb er diese Begegnung als Schlüsselmoment. Nur wenige Tage später bestellte er seinen ersten Ferrari: einen gelben 308 GTS Quattrovalvole. Mit diesem Auto legte Bachman den Grundstein für eine Sammlung, die es so kein zweites Mal auf der Welt gibt.
Niedrige Kilometerstände
In den folgenden Jahren kaufte Bachman immer neue Modelle – stets in Gelb statt im klassischen Ferrari-Rot "Rosso Corsa". Dabei konzentrierte er sich nicht nur auf Neuwagen, sondern erwarb auch gebrauchte Ferrari aus unterschiedlichen Epochen. Besonders wichtig waren ihm zwei Aspekte: möglichst geringe Laufleistungen und der Status als letztes gebautes Exemplar eines Modells. So erreichte sich Bachman mit der Zeit einen besonderen Stellenwert bei Ferrari. Dieser ermöglichte ihm nicht nur den Zugriff auf die hauseigene Individualisierungsabteilung (den Vorläufer des heutigen Tailor-Made-Programms), sondern auch die Zuteilung der letzten Exemplare begehrter Sondermodelle.

Die Sonderwünsche beliefen sich 2011 auf über 100.000 US-Dollar.
Bild: Mecum Auctions
Daraufhin etablierte Bachman eine eiserne Regel: Kein Ferrari wurde jemals verkauft. Auch der 308 GTS Quattrovalvole blieb bis zuletzt Teil der Sammlung. Dass diese nun dennoch unter den Hammer kommt, hat einen traurigen Hintergrund. Bachman verstarb im August 2025 im Alter von 87 Jahren. Sein Sohn entschied daraufhin, die einzigartige Sammlung zu versteigern und den Erlös – der locker im zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte – der Phil & Martha Bachman Foundation zukommen zu lassen.
Mecum Auctions versteigert die Bachman Collection am 17. Januar in Kissimmee (Florida). Ein Blick auf die angebotenen Modelle lässt Sammlern weltweit das Herz höherschlagen: Vom Ferrari 166 MM/53 Vignale Spyder (selbstverständlich das letztgebaute Exemplar) aus dem Jahr 1953 über zwei Ferrari F40 – beide mit weniger als 1000 Meilen Laufleistung – bis hin zum Duo aus LaFerrari (einer von 499) und LaFerrari Aperta (einer von 210) ist praktisch jedes ikonische Ferrari-Modell vertreten. Meist mit extrem niedrigen Kilometerständen und in einzigartigen Farbkombinationen.

Auf der Carbon-Abdeckung im Motorraum hat unter anderem Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo unterschrieben.
Bild: Mecum Auctions
Eines meiner persönlichen Highlights ist Bachmans 599 GTO – das letztgebaute Exemplar, bestätigt durch eine Plakette auf dem Armaturenbrett mit der Aufschrift "GTO Last Produced". Zur Einordnung: 2010 setzten die Italiener der 599-Baureihe mit dem GTO die Krone auf. Der im April vorgestellte 599 GTO orientierte sich stark am Rennwagen 599XX und war seinerzeit der schnellste straßenzugelassene Ferrari. Der V12 leistete 670 PS – mehr als im Enzo –, die Schaltzeiten des F1-Getriebes wurden auf 60 Millisekunden verkürzt. Das Resultat: 0–100 km/h in 3,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h.
Ferrari 599 GTO im Neuzustand
Auch wenn Ferrari seine Modelle grundsätzlich nicht durchnummeriert (Ausnahme: 550 Barchetta), soll es sich bei diesem 599 GTO mit der Chassisnummer 186565 um den allerletzten gebauten GTO handeln – faktisch also um die Nummer 599 von 599. Hinzu kommt: Das Fahrzeug wurde praktisch nie gefahren und präsentiert sich mit lediglich 104 Meilen (167 Kilometern) im Zustand.
Und dann wäre da noch die Farbkombination – alles andere als dezent. Natürlich entschied sich Bachman auch beim GTO für seine Lieblingsfarbe "Giallo". Doch es blieb nicht beim klassischen Gelb. In Anlehnung an historische Le-Mans-Rennwagen orderte er eine hellblaue (Azzurro) Livery. In enger Zusammenarbeit mit der Individualisierungsabteilung entstanden zahlreiche Detailarbeiten: Außenspiegel, das Cavallino auf dem Tankdeckel, Umrandungen an Türgriffen und Rückleuchten sowie diverse Dreamlines sind in Hellblau lackiert. Selbst die gelben Felgen tragen einen hellblauen Pinstripe. Der Heckdiffusor besteht aus dunkelblauem Sichtcarbon.

Nichts für schwache Nerven: Der Innenraum des 599 GTO ist noch wilder als das Exterieur.
Bild: Mecum Auctions
Und wer denkt, damit sei das Maximum erreicht, sollte einen Blick in den Innenraum werfen. Hier trifft hellblaues Leder auf gelbe Akzente. Nahezu jede Fläche ist beledert: Gepäckablage, Fußraum, Dachhimmel – sogar der Feuerlöscher ist in blaues und gelbes Leder gehüllt. Der Individualisierungswille ging so weit, dass selbst die Lautsprecherabdeckungen gelb ausgeführt sind. Mehr Individualität geht kaum.
Über 100.000 US-Dollar an Extras
Laut Mecum beliefen sich die Sonderwünsche im Jahr 2011 auf exakt 103.291 US-Dollar – rund ein Drittel des damaligen Neupreises von 317.500 Euro in Deutschland. Heute würden Individualisierungen dieser Art bei Ferrari vermutlich ein Vielfaches kosten, sofern sie überhaupt noch realisierbar wären.
Angeboten wird der vermutlich einzigartigste Ferrari 599 GTO inklusive eines farblich abgestimmten Schedoni-Koffersets, umfangreicher Dokumentation, einer von Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo signierten Motorraumabdeckung sowie zweier Ersatzsitze in passendem Racing-Design. Bei der Auktion gibt es weder Mindest- noch Schätzpreis. Der Verkauf ist also garantiert.
Wie viel wird das Einzelstück bringen?
Eine Prognose ist nahezu unmöglich. In den vergangenen Jahren kannten die Preise für den 599 GTO nur eine Richtung: steil nach oben. Die "günstigsten" Exemplare liegen mittlerweile bei rund 750.000 Euro – dann allerdings meist mit 20.000 bis 30.000 Kilometern Laufleistung. Fahrzeuge mit extrem niedrigen Kilometerständen und seltenen Farbkombinationen werden teils bereits für rund eine Million Euro angeboten.
Ob dieser einzigartige GTO die Millionenmarke knackt, bleibt abzuwarten. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht – auch wenn mancher denken mag, dieser Ferrari sei nur etwas für Farbenblinde.
Fazit
Zugegeben: Die Farbkombination ist heftig. Dennoch ziehe ich meinen Hut vor dem kompromisslosen Grad der Individualisierung. Praktisch jedes Auto aus der Bachman Collection ist ein Einzelstück – und der 599 GTO gehört für mich zu den Highlights. Umso spannender wird die Frage, welchen Preis dieses Sondermodell am Ende erzielen wird.
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