Ferrari hat es getan. Nach Jahren der Spekulationen, halbherzigen Andeutungen und vorsichtigen Strategiepapieren steht nun der erste vollelektrische Ferrari offiziell auf der Bühne: der neue Ferrari Luce. Und die Italiener machen dabei nicht den Fehler vieler anderer Sportwagenhersteller. Der Luce soll eben kein "Ferrari ohne V12" sein, sondern eine komplett neue Interpretation der Marke.

Kein Nachfolger, sondern eine eigene Baureihe

Mit vier Elektromotoren, 800-Volt-Technik, einer vierstelligen Leistung und über 530 Kilometern Reichweite (WLTP) setzt der Luce technisch jedenfalls ein dickes Ausrufezeichen. Spannender als die nackten Zahlen ist jedoch die Frage: Kann ein Elektroauto wirklich ein Ferrari sein?
Ferrari Luce !! SPERRFRIST 25. Mai 22:10 Uhr !!
Die eingerahmte Heckpartie trägt die markante vierfache Rückleuchten-Grafik, wie man sie bereits von zahlreichen Ferrari-Modellen kennt.
Bild: Ferrari
Ferrari bemüht sich auffallend stark, genau das zu vermitteln. Der Luce soll kein Nachfolger für SF90, 812 oder Purosangue sein. Stattdessen sprechen die Italiener von einem "neuen Kapitel" und einem "Ferrari 360°". Das zeigt sich bereits beim Konzept: vier Türen, fünf Sitze, großzügiger Innenraum und Lounge-Atmosphäre – kombiniert mit Supersportwagen-Fahrleistungen. Damit positioniert sich der Luce irgendwo zwischen Purosangue, Porsche Taycan Turbo GT und Lotus Emeya – allerdings deutlich extremer.
Interessant ist auch das Packaging. Ferrari nutzt die Elektroplattform bewusst, um mit klassischen Proportionen zu brechen. Kein Mitteltunnel, kein klassischer Frontmittelmotor – stattdessen eine flache Batterie im Unterboden und überraschend viel Platz.

Zusammenarbeit mit Ex-Apple-Designer Jony Ive

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Zusammenarbeit mit dem Designkollektiv LoveFrom rund um Ex-Apple-Designer Sir Jony Ive. Tatsächlich wirkt der Luce auf den ersten Blick ungewöhnlich reduziert für einen Ferrari.
Ferrari Luce !! SPERRFRIST 25. Mai 22:10 Uhr !!
Der Innenraum des Ferrari Luce ist hochwertig verarbeitet, und die zahlreichen abgerundeten Elemente erinnern stellenweise stark an Apple-Produkte. Der Hauptmonitor lasst sich drehen und neigen.
Bild: Ferrari
Die Linien sind glatt, fließend und beinahe minimalistisch. Ferrari spricht vom "Glass House" – einer gläsernen Kuppelstruktur, die sich über die komplette Fahrgastzelle zieht. Die Scheinwerfer verschwinden beinahe unsichtbar in der Karosserie, die Oberflächen wirken wie aus einem Guss. Das dürfte polarisieren. Klassische Ferrari-Fans werden die dramatischen Luftöffnungen und aggressiven Kanten vermissen. Andere sehen darin vielleicht den ersten echten Luxus-Elektro-Ferrari der Zukunft.
Ähnlich präsentiert sich auch der äußerst geräumige Innenraum. Die minimalistische Linienführung und die zahlreichen abgerundeten Elemente erinnern stellenweise stark an Apple-Produkte. Kein Wunder: Designer Jony Ive war maßgeblich an der Gestaltung von iPhone, iMac und vielen weiteren ikonischen Apple-Produkten beteiligt.
Ferrari Luce !! SPERRFRIST 25. Mai 22:10 Uhr !!
Innenraum und Infotainment sind radikal auf das Wesentliche reduziert und sehr intuitiv bedienbar.
Bild: Ferrari
Gemeinsam mit Ferrari ist dem Designteam ein gelungener Spagat zwischen Moderne und klassischen Elementen gelungen. Das Infotainment ist klar strukturiert und auf das Wesentliche reduziert. Klassische Knöpfe und hebelartige Schalter sorgen zusammen mit der grafischen Gestaltung für ein angenehm analoges Ambiente. Das sieht nicht nur hochwertig aus, sondern soll sich auch besonders intuitiv bedienen lassen.

Vier Elektromotoren mit über 1000 PS Gesamtleistung

Technisch fährt Ferrari alles auf, was derzeit möglich ist. Vier Elektromotoren treiben den Italiener an – einer pro Rad. Zusammen liefern sie 1050 PS. Damit bewegt sich der Luce klar auf Supersportwagen-Niveau: Von 0 auf 100 km/h geht es in 2,5 Sekunden, die 200-km/h-Marke fällt bereits nach 6,8 Sekunden. Zur Höchstgeschwindigkeit nennt Ferrari lediglich "über 310 km/h".
Ferrari Luce !! SPERRFRIST 25. Mai 22:10 Uhr !!
23-Zoll-Felgen vorn und 24-Zoll-Felgen hinten klingen surreal, wirken im Gesamtkonzept aber nicht überdimensioniert.
Bild: Ferrari
Spannender als die reine Leistung ist allerdings Ferraris Fokus auf das Fahrgefühl. Die Italiener sprechen fast obsessiv von "natürlichem Feedback", "progressiver Leistungsentfaltung" und "harmonischer Kontrolle". Offenbar will man genau das vermeiden, was viele Elektroautos heute auszeichnet: brutale Beschleunigung ohne emotionale Tiefe. Eine aktive Federung, Allradlenkung und Torque Vectoring sollen diesen Charakter zusätzlich unterstreichen.
Besonders stolz scheint man in Maranello auf das Soundkonzept zu sein. Statt künstlicher Lautsprecher-Geräusche – wie sie etwa der Mercedes-AMG GT 4-Türer nutzt – soll der Luce echte mechanische Klänge der Elektromotoren nutzen. Sensoren erfassen Vibrationen und Resonanzen der E-Achsen, verstärken sie und spielen sie gezielt in den Innenraum und nach außen. Wie das am Ende klingt, wird allerdings erst ein erster Fahrtest zeigen.

Basispreis jenseits der 500.000-Euro-Marke

Mit dem Luce positioniert sich Ferrari in einem Segment, das gerade erst entsteht: elektrische Luxus-Hyper-GTs. Allerdings spielt Ferrari wie üblich in seiner eigenen Liga – vor allem beim Preis. Zum Marktstart Ende des Jahres dürfte der Luce bei rund 550.000 Euro liegen.
Ferrari Luce !! SPERRFRIST 25. Mai 22:10 Uhr !!
Zwischen den Scheinwerfern sitzt eine riesige Aerodynamik-Öffnung, optional sind klassisch gestaltete Fünfspeichenfelgen erhältlich.
Bild: Ferrari
Während Porsche den Taycan als Hightech-Sportlimousine vermarktet, verfolgt Ferrari einen anderen Ansatz: maximale Emotionalisierung der Elektromobilität. Der Luce soll sich nicht wie ein Computer auf Rädern anfühlen, sondern wie ein echter Ferrari. Das ist strategisch clever, denn genau hier liegt aktuell eine Marktlücke. Viele Elektroautos beeindrucken technisch – aber nur wenige erzeugen echte Begehrlichkeit. Ob Ferrari das gelingt, bleibt abzuwarten.
Diese Reise wurde unterstützt von Ferrari. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Der Luce ist Ferraris erstes Elektroauto – und zugleich ein großes Risiko für die Marke. Schließlich begeistert sich die eigene Kundschaft traditionell eher für V8 oder V12. Mit einem bärenstarken Antrieb und einem völlig neuen Soundkonzept will Ferrari seine Kunden nun von der Elektro-Welt überzeugen. Ob das gelingt, bleibt spannend.