Seit dem F50 in den 90er Jahren gab es keinen Serien-Ferrari mit Straßenzulassung mehr mit einem feststehenden Heckflügel. Zudem hat Ferrari noch nie ein Modell aus der XX-Serie herausgebracht, das der Kunde auf öffentlicher Straße bewegen darf. Beides ändert sich mit dem SF90 XX Stradale und dem dazugehörigen Spider.
Ferrari SF90 XX Stradale
Riesen-Flügel und Louvers über den Radhäusern – so extrem war lange kein Ferrari mehr.
Bild: Hersteller

Die Herangehensweise selbst ist schon mal verblüffend. So soll es nach der Premiere des normalen SF90 aus der Entwicklungsabteilung Stimmen gegeben haben, die da lauteten: "So, das war's jetzt aber. Mehr geht nicht." Bei Ferrari hat man das offensichtlich als Ansporn genommen und den Supersportler einer Generalüberholung unterzogen, bei der wirklich kaum eine Schraube unangetastet geblieben ist.

Mit 1030 PS sprintet der SF90 XX in 6,5 Sekunden auf Tempo 200

Der XX Stradale wurde dabei mit Hilfe der Erfahrungen aus dem Rennstrecken-XX-Programm quasi "reverse engineered", was auch ein bisschen erklärt, warum der neue Über-Ferrari nur 30 PS mehr unter der Haube hat, als die bisherige Version. 
AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt: Ferrari SF90 Stradale
Ferrari SF90 Stradale ASSETTO FIORANO
439.110
Ferrari SF90 Stradale ASSETTO FIORANO
2.500 km
736 KW (1001 PS)
07/2024
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale SF90 Stradale RacingSeats/FullCarbon/Lift/PPF
389.900
Ferrari SF90 Stradale SF90 Stradale RacingSeats/FullCarbon/Lift/PPF
9.898 km
736 KW (1001 PS)
03/2024
Zum Angebot
*
Ferrari SF90 Stradale *Fiorano*Carbon*LED*CarPlay*1.Hd.*
384.780
Ferrari SF90 Stradale *Fiorano*Carbon*LED*CarPlay*1.Hd.*
7.999 km
735 KW (999 PS)
09/2023
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano / Giallo Triplo
459.990
Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano / Giallo Triplo
4.600 km
740 KW (1006 PS)
08/2023
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale Assetto Fior. Atelier-Full Carbon
429.990
Ferrari SF90 Stradale Assetto Fior. Atelier-Full Carbon
4.200 km
736 KW (1001 PS)
08/2023
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale
379.980
Ferrari SF90 Stradale
4.303 km
735 KW (999 PS)
05/2023
Zum Angebot
Benzin (WLTP), 6,1 l/100km (komb.)*
Ferrari SF90 Stradale Ferrari Frankfurt***
399.800
Ferrari SF90 Stradale Ferrari Frankfurt***
3.400 km
736 KW (1001 PS)
04/2023
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale *Assetto Fiorano*Karbon*AFS*
419.000
Ferrari SF90 Stradale *Assetto Fiorano*Karbon*AFS*
5.750 km
735 KW (999 PS)
11/2022
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale FERRARI SINGEN
369.900
Ferrari SF90 Stradale FERRARI SINGEN
7.300 km
735 KW (999 PS)
07/2022
Zum Angebot
Ferrari SF90 Stradale SF90 Spider Tailormade
409.870
Ferrari SF90 Stradale SF90 Spider Tailormade
6.700 km
736 KW (1001 PS)
06/2022
Zum Angebot
Alle Ferrari SF90 Stradale gebraucht

Ein Service von

Ein Service von AutoScout24
Rechtliche Anmerkungen
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
Autobewertung
ANZEIGE

Wie viel ist mein Auto wert? Kostenlose Autobewertung

Ein Service von

Ein Service von Carwow
Der extrem tief hinter dem Fahrer verbaute Vierliter-V8 gewinnt dabei 17 PS auf nun 797, die drei Elektromotoren sind insgesamt 13 PS stärker und bringen es zusammen nun auf 233 PS. Macht unter dem Strich beeindruckende 1030 Pferde. Das reicht für einen 0-100-Wert von 2,3 Sekunden, Tempo 200 ist nach noch beeindruckenderen 6,5 Sekunden erreicht.
Der Verbrenner wartet mit neuen Kolben und einem nochmals feiner gearbeiteten Ansaugtrakt auf, zudem wurden die Brennkammern optimiert und der komplette Motor um 3,5 Kilo erleichtert. Der Sound soll sich gegenüber der Normalversion durch einen einkonstruierten Schaltplopp noch mal intensiviert haben. Aber keine Angst: So infantil wie bei den DSG-Sportlern aus dem VW-Konzern klingt das nicht – wir durften an der Teststrecke in Fiorano schon mal einem getarnten Testträger lauschen.
Ferrari SF90 XX Stradale
Der Vierliter-V8 leistet nun 797 PS – 17 mehr als bislang. System-Power: 1030 PS.
Bild: Hersteller

Ein weiteres neues Feature ist der Extra Boost – quasi ein Push-to-pass-Button, der im Qualifying-Mode aktiviert werden kann. Der zusätzliche Leistungsschub drückt pro Betätigung für maximal zwei Sekunden und eben so oft, wie der verfügbare Energiespeicher es hergibt. Die Leistung konnte man uns auf Nachfrage nicht exakt beziffern, sie sei abhängig vom Fahrzustand und dem aktuell anliegenden Drehmoment. Auf der Hausstrecke in Fiorano soll der Boost zweieinhalb Zehntel pro Runde bringen.

Die Luftführung stand bei der Entwicklung besonders im Fokus

Doch der primäre Fokus der Entwicklung lag auf der Aerodynamik: Schon an der Front fällt der XX Stradale mit kontrastfarbenen Luftleitkanälen auf, die gleich eine Doppelfunktion in sich vereinen: Zum einen dienen sie als Luftleitkanal für den Kühler der E-Technik, des Weiteren wird der Strom seitlich in zwei S-Ducts geleitet, die – ähnlich wie beim F8 Tributo – für ein paar Kilo Abtrieb an der Vorderachse sorgen. 
Auf der Haube sind die beiden Entlüftungslöcher noch mal in sich abgetrennt: Zwei größere mittlere Sektoren leiten die vom Kühler erwärmte Luft mittig in Richtung Heckflügel, die äußeren Auslässe lenken die kühle Luft aus den S-Ducts um die Frontscheibe herum in Richtung der beiden seitlichen Kühler.
Ferrari SF90 XX Stradale
Im Cockpit setzen sich die Kontrastfarben von außen fort.
Bild: Hersteller
Allein an der Front generiert der SF90 XX über die S-Ducts zusammen mit einem geschlosseneren und strömungsoptimierten Unterboden und dem neuen Frontsplitter 20 Prozent mehr Abtrieb als bisher. Der massige Heckflügel toppt diese Werte am Heck natürlich noch mal merklich, was dazu führt, dass der XX bei Tempo 250 irre 530 Kilogramm Abtrieb entwickelt – allein 315 davon am Heck.
Ein weiteres Feature neben dem offensichtlichen (aber leider nicht verstellbaren) Carbonflügel ist der Shut-off-Gurney, ein Mechanismus, der ein Verkleidungsteil hinter dem Heckfenster immer dann nach unten senkt, wenn zusätzlicher Abtrieb gebraucht wird. Dadurch entsteht eine zusätzliche Abrisskante, und der Luftwiderstand wird erhöht.

In unter 30 Metern soll der XX aus 100 km/h zum Stillstand kommen

Bremsenseitig wurde das neue ABS EVO aus dem 296 GTB integriert, das durch eine fortgeschrittenere Sensorik den Bremsweg der obligatorischen Carbon-Keramik-Verbundanlage (398 mm vorn, 390 mm hinten) nochmals verkürzen soll. Ferrari traut sich sogar, Werks-Bremswerte anzugeben: von 100 auf 0 km/h soll der XX nur 29,2 Meter benötigen, aus doppeltem Tempo ist nach 108,1 Metern Stillstand. Das wäre tatsächlich ein sensationeller Wert, der sich erst mal in einem Test beweisen muss.
Beim Fahrwerk wurde alles nochmals versteift, die Rollrate um zehn Prozent reduziert. Die erreichbaren Fliehkräfte in Kurven sollen um neun Prozent höher sein als beim SF90 Stradale.
Ferrari SF90 XX Stradale
Die Heckpartie hat die weitreichendsten Änderungen erfahren.
Bild: Hersteller
Optisch fallen natürlich die auffälligen Zweifarb-Elemente auf – an unserem Testwagen in Bianco Artico als Hauptfarbe und Flash Orange für die Details an S-Duct, Heckflügel-Endplatten sowie auf den beiden hinteren Luftauslässen und im Innenraum. Und ja, falls Sie den Eindruck haben, der XX Stradale würde Ihnen die Zunge herausstrecken – ging uns genauso ...
Am Heck hat sich Designchef Flavio Manzoni besonders ausgetobt. Die beiden Doppel-Heckleuchten sind verschwunden und wichen einem durchgehenden Leuchtenband. Darunter wurde die Diffusor-Sektion vergrößert, seitlich ziehen sich zwei Doppel-Finnen hinab und verlängern so die Seitenlinie, die zusammen mit dem Flügel einen Longtail-Look erhält.

Selbst große Fahrer finden eine angenehme Sitzposition

Innen beherrschen zwei Materialien den grundlegenden Look: Kohlefaser und Alcantara. Die neuen Carbon-Türpanele binden die äußere Kontrastfarbe prominent ein, Platz finden Fahrer und Beifahrer auf brandneuen Racing-Sitzen mit sichtbarer Kohlefaserstruktur und Vierpunktgurten. Trotz der radikalen Optik ist der Sitzt jedoch verstellbar, was – anders als etwa im Daytona SP3 – selbst für große Fahrer eine angenehme Position ergibt (der Autor misst 1,96 Meter).
Ferrari SF90 XX Stradale
Neue Vollcarbon-Rennsitze mit Vierpunktgurt.
Bild: Hersteller

Kommen wir zum Schluss noch zum unangenehmen Teil: Der SF90 XX Stradale – und auch der ein halbes Jahr später auf den Markt kommende Spider – ist längst ausverkauft. Und das zu Preisen von 770.000 Euro für den Stradale und 850.000 Euro für den Spider (ital. Markt, inkl. dortiger Steuern). 
Ferrari kann sich seine Kunden eben aussuchen – und das haben sie auch hier im Vorfeld gemacht. Wer genügend Ferrari in seiner Sammlung stehen hat und den Geist der Marke mit Herz und Seele lebt, der könnte vielleicht Glück gehabt haben und einen der nur 1398 SF90 XX (799 Stradale und 599 Spider) angeboten bekommen haben.
Für alle anderen gilt: Warten bis zum zweiten (Stradale) bzw. vierten Quartal 2024 (Spider), denn dann werden die ersten Kundenautos ausgeliefert. Vielleicht bekommt man ja doch mal einen in freier Wildbahn zu Gesicht.
Die Reise wurde unterstützt von Ferrari. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Immer wenn man denkt, Ferrari könnte einen nicht mehr verblüffen, legen die Italiener noch eine Schippe drauf. Als XX Stradale wird der ohnehin schon abartig schnelle SF90 zum extremsten Biest aus Maranello, das je eine Straßenzulassung tragen durfte.