FIA-Präsident Todt im Interview
Beschwerden wegen Schumi-Dominanz

FIA-Präsident Jean Todt spricht im Interview mit ABMS über die aktuelle Entwicklung der Formel 1, Ferraris neue Stärke und die Formel E.
Herr Todt, nach den ersten vier Monaten mit den neuen Besitzern: Wie bewerten Sie die neue Formel 1?
Jean Todt (71): Zunächst einmal: Ich hatte eine großartige Zeit mit Bernie. Er war es, der mich als Teamchef bei Ferrari empfohlen hat. Aber Bernie ist auch Bernie. Manchmal waren wir uns einig, manchmal nicht. Trotzdem hat er einen außergewöhnlichen Job gemacht mit der Formel 1. Der Ansatz der neuen Eigentümer ist sehr professionell, sie sind demütig, willens zu lernen und eng mit der FIA zusammenzuarbeiten. Ich sehe die Formel 1 auf einem guten Weg - auch wenn es darum geht, das Interesse der Jugend zu wecken.
Macht es auch Ihnen dank der neuen Regeln und neuer, schnellerer Autos wieder Spaß Formel 1 zu schauen?

Jean Todt mit Liberty Medias Chase Carey
Kann Ferrari das Entwicklungstempo von Mercedes auch über die Saison hinweg mitgehen?
Ferrari hat erstaunliche Arbeit geleistet und ja – ich denke, dass sie das ganze Jahr über konkurrenzfähig sein können. Sebastian Vettels Herangehensweise erinnert mich ein wenig an Michael. Die professionelle Arbeitsweise, die Fähigkeit ein Team anzutreiben. Michael hat nicht gerne verloren – dieselbe Einstellung sehe ich bei Vettel.
Wünschen Sie sich Ferrari als Weltmeister?
Ich habe keinen Favoriten. Ich bewundere gleichermaßen, welchen tollen Job Mercedes macht, die nun seit Jahren mit der hochkomplizierten Hybridtechnik an der Spitze fahren. Es ist eine große Leistung immer weiter zu siegen.
Wie haben Sie das damals bei Ferrari geschafft?

Mit Schumi feierte Todt große Erfolge bei Ferrari
Honda schafft es derzeit noch nicht einmal in die Nähe der Top-Hersteller zu kommen. Wie kann man sie trotzdem bei der Stange halten?
Ich hoffe wirklich, dass sie vorher nicht gekillt werden – also so entmutigt sind, dass sie aussteigen. Es ist immer leicht zu kritisieren, aber Hondas Situation demonstriert, wie schwierig es ist gute Formel-1-Motoren zu bauen. Ein Hersteller wie Honda ist wichtig für die Formel 1.
Was muss getan werden, damit die Königsklasse wieder ausgeglichener wird?
Die Kosten müssen runter, die Einnahmen gerechter verteilt werden. Damit wir die vorhandenen Teams halten und neue anziehen können. Derzeit haben wir nur zehn Teams. Zwölf sollten möglich sein. Es gibt auch Interesse, aber wir werden erst eine Ausschreibung machen, wenn wir das Gefühl haben, es gibt seriöse Projekte.
Wie stehen Sie zu einer Budgetobergrenze?

Jean Todt mit seinem Sohn Nicolas
Aktuell wird über neue Motoren ab 2020 diskutiert. Red Bull hätte am liebsten wieder V10 oder V12-Motoren.
Die Autos sind derzeit zu kompliziert, zu viel Hightech, das stimmt. Aber die Formel 1 wird sicher nicht zu den Motoren von vor zehn Jahren zurückkehren. Die Antriebseinheiten müssen aber wieder einfacher, lauter und billiger werden. Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Kosten auf etwa zwölf Millionen Euro zu drücken. All das sollte auch dazu führen, dass die Abstände zwischen den Teams sinken.
Wann löst die Formel E die Formel 1 ab?

Die Formel E wird immer attraktiver...
Und wozu dient dann die Formel E?
In den Städten sehe ich sehr wohl Elektrofahrzeuge. Deswegen promoten wir genau dort die Formel E. Ich bin fasziniert von dem Interesse, das die Serie generiert. Es gibt nicht einen Hersteller, der nicht über sie spricht oder nachdenkt. Der finanzielle Input ist im Vergleich mit allen anderen Serien gering, der Output groß. Im Herzen von Städten wie New York, Rom oder Hongkong zu fahren, hätte man sich doch früher nie vorstellen können.
Im Rahmen der Formel E fährt mittlerweile zu Demozwecken auch ein autonomes Auto. Hat so etwas wirklich Zukunft im Motorsport?
Nein. Im Sport ist das menschliche Element extrem wichtig, der Held, der den Unterschied machen oder scheitern kann. Deshalb sind Fahrhilfen nicht gut für den Motorsport und ich sehe autonome Autos nur auf der Straße. Dort können sie den Verkehr in Zukunft aber sicherer machen.
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