Fiat 500e (Typ F1A): Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter Fiat 500e für 11.000 Euro – eine gute Entscheidung?

Der Fiat 500e (Typ F1A) lockt mit viel Charme, urbanen Parkplatztalenten und geringen Fixkosten. Ist er gebraucht eine kluge Kaufentscheidung?
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Gutes Aussehen war beim Fiat 500 schon immer Programm. Seit seinem Comeback 2007 lebte der kleine Italiener vom Stil, Charme und dem Versprechen urbaner Leichtigkeit. Seine Technik? Spielte eher zweite Geige. Doch mit der zweiten Generation des Retro-Fiat, die ab 2020 als 500 an den Start ging, verschob sich die Gewichtung. Rein elektrisch, auf einer neuen Plattform und gebaut in Turin, sollte der 500 plötzlich mehr sein als nur Design-Ikone. Für Gebrauchtwagenkäufer wird daraus eine spannende Gleichung: Wie viel Substanz steckt im Dolce-Vita-Stromer?
Erwachsener als der Vorgänger
Das ist er: Mit nur 3,63 Meter Länge bleibt der 500 ein klassisches Stadtauto, wirkt aber deutlich erwachsener als sein Vorgänger. Die Proportionen sind stimmig, viele Details wirken überraschend fein ausgearbeitet – LED-Leuchten, bündige E-Türgriffe, glatte Flächen. Retro bleibt Programm, aber viel moderner und präziser interpretiert.
Im Innenraum setzt sich der Fortschritt fort. Das Cockpit wirkt aufgeräumt, digital und – je nach Ausstattung – verblüffend hochwertig. Große digitale Displays, moderne Menüführung, bessere Materialien.

Neu war der Fiat 500e kein Schnäppchen, dieses Exemplar mit kleinem Akku kostete fast 30.000 Euro!
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Dennoch bleibt der Fiat dem Profil der kleinen Klasse treu: Vorn sitzt es sich luftig auf recht konturlosen Sitzen, hinten eher kuschelig. Insgesamt ist das Konzept mehr eine 2+2-Lösung als ein vollwertiger Viersitzer. Für die Gebrauchtkauf-Entscheidung relevant: Etliche 500e stammen aus urbaner Vornutzung, nicht selten auch aus Carsharing- oder Mietflotten.
Entsprechend lohnt ein pingeliger Blick auf Lenkrad und Bedienelemente. Hier zeigen sich Nutzungsspuren durch häufig wechselnde Fahrer oft deutlicher als bei klassischen Privatfahrzeugen.
Techniche Daten
500e (23,8 kWh) | 500e (42 kWh) | Abarth 500e | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM/vorn | PSM/vorn | PSM/vorn |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 43 kW (58 PS) | 43 kW (58 PS) | 47 kW (64 PS) |
Spitzenleistung | 70 kW (95 PS) | 87 kW (118 PS) | 114 kW (155 PS) |
Drehmoment | 220 Nm | 220 Nm | 235 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 135 km/h | 150 km/h | 155 km/h |
0–100 km/h | 9,5 s | 9,0 s | 7,0 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 21,3 kWh (netto)/Strom | 37,3 kWh (netto)/Strom | 37,3 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Ein-Stufen-Reduktionsgetriebe/Vorderrad | Ein-Stufen-Reduktionsgetriebe/Vorderrad | Ein-Stufen-Reduktionsgetriebe/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 3632/1683/1527 mm | 3632/1683/1527 mm | 3632/1683/1518 mm |
Kofferraumvolumen | 185-550 l | 185-550 l | 185-550 l |
Leergewicht/Zuladung | 1255/400 kg | 1440/250 kg | 1410/385 kg |
Charme und Ausstattung gibt's reichlich
Das hat er: Karge Konfigurationen sind selten. Der 500e punktet gern mit Charme und Ausstattung. Was ein klarer Vorteil bei der Fahrzeugsuche ist. Ausstattungslinien wie "Icon", "Passion" oder "La Prima" bringen gegenüber den Basismodellen "Pop" und "Action" spürbar mehr Serienausstattung mit: großes 10,25-Zoll-Infotainment, Assistenzsysteme für autonomes Fahren der Stufe 2 und schlüsselloser Zugang sind die Klassiker. Dazu kommen stylishe Sondermodelle wie "Red", "Armani" und "Bocelli", die mit speziellen Farben und Interieurstoffen Luxus-Akzente setzen.

Fünf Jahre nach der Vorstellung wirkt das Cockpit noch frisch.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Extras wie ein JBL-Soundsystem, Glasdach oder induktive Ladeschale sind populär. Besondere Karosserievarianten erhöhen zwar die Vielfalt, sind aber gleichzeitig bei der Suche auch Kostentreiber: Das 3+1-Konzept mit kleiner Zusatz-Hintertür auf der Beifahrerseite ist praktisch beim Einsteigen, aber kein Raumwunder. Das 500e Cabrio mit elektrischem Stoffverdeck ist inzwischen eine Seltenheit im Segment, also entsprechend begehrt und daher meist teurer.
150 bis 275 Kilometer Reichweite sind realistisch
So fährt er: Der 500 ist ein Typ für die Stadt, punktet mit toller Handlichkeit und starkem Antritt. Der Elektromotor liefert stets reichlich Drehmoment, was im Stadtverkehr für ein leichtfüßiges, souveränes Fahrgefühl sorgt. Drei Antriebsvarianten stehen zur Wahl: 95 PS mit 21,3-kWh-Batterie, 118 PS mit 37,3 kWh und 100 Kilogramm Mehrgewicht sowie die exotisch-krawallige Abarth-Version mit ziemlich feisten 155 PS.
Das Fahrwerk zeigt sich den 1,25 bis 1,4 Tonnen gewachsen, selbst bei höheren Laufleistungen bleibt Poltern oder Spiel in den Achsen die Ausnahme. Die Rekuperationsfunktion reduziert zudem den Bremsverschleiß deutlich.

In Wohngebieten punktet der kleine Fiat bis 20 km/h mit einem Gag, spielt eine italienische Melodie als Warnsignal.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Geladen wird mit bis zu 85 kW am DC-Lader und mit 11 kW am AC-Lader, der Akku unseres Testwagens hat einen SoH-Wert von 93 Prozent. Realistisch sind es je nach Batterie und Witterung 150 bis 275 Kilometer Reichweite, im Winter teils deutlich weniger. Wer primär mit Kurzstrecken plant, sollte damit problemlos zurechtkommen. Und für den Notfall gibt es den stromsparenden "Sherpa"-Modus.
Und Autobahn? Dort erfährt der Fiat konzeptbedingt seine Grenzen. Mehr Geräusche und geringe Vmax sind schmerzhaft. Ausreichend fahrstabil ist der 500, doch sein ideales Revier ist und bleibt die Stadt. Ärgerlich ist die teils knappe Zuladung, eine Anhängelast ist nicht vorgesehen.
Stärken
- Modisch-urbanes Konzept
- Angenehme Handlichkeit
- Stark im TÜV-Report
Schwächen
- Mit Basis-Akku geringe Reichweite
- Mitunter Software-Probleme
- Topmodelle und Derivate relativ teuer
Der aktuelle Fiat 500 hat qualitativ stark zugelegt
Das macht Ärger: Fiat bietet ab Werk zwei Jahre Neuwagengarantie (auf vier Jahre verlängerbar) sowie zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf den Akku gibt es acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie (SoH-Wert 70 Prozent). Der Klassensieg im TÜV-Report zeugt von der beachtlichen Qualität, doch im Alltag gibt es immer wieder Softwareprobleme und teils wenig kompetente Werkstätten. Außerdem nerven Phantomfehler sowie nicht sonderlich haltbar ausgelegte Achswellen. Beim KBA sind aktuell vier Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 15,5 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 150-450 Euro |
Haftpflicht (13)* | 503 Euro |
Teilkasko (18)* | 626 Euro |
Vollkasko (15)* | 944 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6e)* | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 8788 Euro |
|---|---|
Antriebswelle l. | 657 Euro |
E-Motor | 4225 Euro |
Querlenker v. l. | 464 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 541 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1116 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 718 Euro |
Infotainmentbildschirm | ab 641 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 185/65 R 15 W) | 450 Euro |
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