Fiat E-Ducato: Fahrbericht
Mehr Reichweite für den E-Ducato

Bild: Stellantis
- Michael Kirchberger
Sehr variantenreich, das Programm der leichten Nutzfahrzeuge bei Stellantis. Vier Transportermarken sind unter dem Konzerndach zu Hause, dazu zählen Fiat, Opel, Peugeot und Citroën, und alle haben sie jeweils drei Baureihen verschiedener Größe im Angebot. Rund ein Drittel seines Umsatzes (2023: 189 Milliarden Euro) beschert dem Autoriesen das Geschäft mit den Nutzfahrzeugen, fast 1,7 Millionen Transporter wurden im vergangenen Jahr weltweit verkauft. In Deutschland stammt jeder vierte Leichtlaster von einer der Konzernmarken, und das Flaggschiff, der Fiat Ducato, ist seit Jahren das beliebteste Basisfahrzeug für Reisemobile, egal ob als Ausbau oder mit Aufbau. Aber auch die kleineren Ausführungen werden gern zum Campervan gemacht, Pössl etwa lässt den Citroën SpaceTourer als elektrischen e-Vanster vorfahren, Crosscamp setzt dem Opel Vivaro eine Hubdach-Haube auf.
Mit dem neuen Modelljahr rückt das Stellantis-Angebot dichter aneinander. Die Technik wird harmonisiert, die Zahl der Assistenzsysteme wächst, und in je-dem der vier Trios gibt es künftig eine rein elektrische Variante. Die hat in allen drei Baureihen dank Optimierung erheblich an Muskelmasse und Ausdauer zugelegt. Im Ducato, der bei Opel als Movano, bei Citroën als Jumper und bei Peugeot als Boxer an den Start geht, bringt es der Antriebsstrang nun auf satte 200 kW (270 PS). Doppelt so viel wie beim Vorgänger. Und 400 Nm Drehmoment sind ebenfalls ein Wort.

Das Cockpit überzeugt mit griffigem Lenkrad und vielen Ablagemöglichkeiten.
Bild: Stellantis
Damit ist der elektrische Transporter zügig und vor allem leise unterwegs. Er fährt sich agil und kommt flink um die Kurven, ein Verdienst des niedrigen Schwerpunkts. Und endlich rückt auch die Reichweite in einen für Camper akzeptablen Rahmen. Sie steigt nicht nur wegen der Optimierung des Antriebsstrangs, sondern vor allem dank eines dicken Batteriepakets mit 110 kWh. Bis zu 424 Kilometer weit soll der E-Ducato im WLTP-Zyklus mit dem voll geladenen Akku kommen. In der Praxis dürfte er als Campervan zumindest die 300-Kilometer-Marke schaffen. An den Schnellladestationen mit 150 kW ist die Batterie in 55 Minuten wieder auf 80 Prozent ihrer Kapazität gebracht.
Preise auf ähnlichem Niveau
Die Preise sind bei den verschiedenen Marken auf beinahe gleichem Niveau. In Italien sei der Ducato geringfügig günstiger, in Deutschland der Opel Movano, was an den markttypischen Gegebenheiten liegt. Bei uns startet der Movano-e bei 66 402 Euro einschließlich Mehrwertsteuer, das sei um 25 Prozent günstiger als bisher.
Nachgeschärft haben alle vier Marken den optischen Auftritt ihrer Transporter. Opel setzt die von den Personenwagen bekannte Vizor- Frontpartie vor allem beim Combo und dem Vivaro um. Glattflächiger werden auch die Gesichter bei den Geschwistern geformt, dank weiteren Feinschliffs an der Karosserie konnte der Energieverbrauch um bis zu fünf Prozent verringert werden.

Der mittlere Platz kann als drehbarer Tisch dienen.
Bild: Stellantis
Bei der Ausstattung nehmen sich die Leichtlaster nicht viel. Im Angebot finden sich unter anderem LED-Matrix-Licht, Peugeot beschwört sein i-Cockpit und Citroën will mit den Advanced-Comfort-Sitzen im Berlingo den Komfort für Fahrer und Beifahrer steigern. Multifunktional ist auch der Eat-and-Go-Sitz von Fiat, der den mittleren Platz im Fahrerhaus zum drehbaren Tisch macht, der für die Frühstückspause taugt, sich aber auch als Abstell- und Arbeitsfläche für einen Laptop eignet. Was im Wohnmobil aber eher überflüssig ist. Darüber hinaus wurde das Angebot der Assistenzsysteme erweitert, neben der Notbremsautomatik gibt es nun eine Verkehrszeichenerkennung und eine 360-Grad-Kamera für sicheres Rangieren. Zum Serienstandard der Elektriker gehören die Klimaautomatik, die elektrische Parkbremse und das schlüssellose Start- und Zugangssystem.
E-Versionen dürfen 1,5 Tonnen einladen
Ausgerüstet mit den bekannten Dieselmotoren bieten Ducato, Movano, Jumper und Boxer eine Nutzlast bis zu zwei Tonnen, die E-Versionen dürfen 1,5 Tonnen einladen. Am Zusatzgewicht des Akkus sollte der Umbau nicht scheitern, die Auflastung auf 4,25 Tonnen, die vermutlich von Sommer an schon mit der Fahrerlaubnis B chauffiert werden darf, wird ab Werk angeboten. Höhere Gewichtsklassen, wenn etwa mit einem Tiefrahmenchassis das Basisfahrzeug fit für integrierte und teilintegrierte Reisemobile gemacht wird, realisieren die Hersteller in eigener Regie.

Die aktuelle Version der Ducato-Reihe zeigt sich optisch nur leicht verändert.
Bild: Stellantis
Während alle Elektrovarianten jetzt schon bestellbar sind und Anfang Herbst ausgeliefert werden, braucht das leichte Brennstoffzellen-Nutzfahrzeug von Stellantis noch etwas länger. Der Wasserstoffantrieb geht jedoch bald in Serie, einen Preis hierfür gibt es aber noch nicht. Gebaut werden die kompakte und die mittlere Baureihe in der französischen Stadt Hordain, die großen Vans kommen weiterhin aus Sevel in Süditalien und dem polnischen Gliwice.
Von Vorteil ist die Technik-Angleichung für den Kunden allemal. Denn die Zahl der Servicebetriebe steigt mit dem Zusammenschluss auf rund 1500 Stationen zur Wahl. Ein Opel kann auch vom Peugeot-Partner gewartet werden, der Citroën Jumper kann die Inspektion auch von der Fiat-Werkstatt erledigen lassen, ohne dass die Garantie darunter leidet.
Fahrzeugdaten: Fiat E-Ducato
- Länge: 6,36 m
- Sitzplätze: 3
- Nutzlast: 635 kg
- Preis: ab 67.345 Euro
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