Fliewatüüt - Das Kultmobil der 70er ist zurück
Peter Mühlenkamp ist der Entwickler des Fliewatüüt. Die Karosserie ist aus Glasfaser.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Wer heute um die 50 Jahre alt ist, der ist sehr wahrscheinlich mit Robbi, Tobbi und dem Fliewatüüt aufgewachsen. Der WDR hatte 1972 das Kinderbuch mit Puppen verfilmt. Im Mittelpunkt steht dieses seltsame Gefährt, das fliegen (FLIE), im Wasser schwimmen (WA) und wie ein Auto fahren kann (TÜÜT). Am 1. Dezember 2016 kommt das Fliewatüüt in einem neuen Film in die Kinos. Die menschliche Hauptfigur ist der kleine Tobbi aus Tütermoor, der eigentlich Tobias Findeisen heißt. Er ist elf Jahre alt, betätigt sich als Erfinder und geht in die dritte Klasse. Der Schöpfer des Film-Fliewatüüt heißt Peter ("Mühli") Mühlenkamp, ist 33 Jahre alt und kommt aus Berlin. Mühli ist Setbauer und hat "Technical Arts & Special Effects" in London studiert. Tobbi, Figur aus einem Kinderbuch, hat sich das Fliewatüüt ausgedacht, und Mühlenkamp hat es gebaut, 44 Jahre später. Gleich zweimal sogar.

Im Fliewatüüt steckt Liebe zum Detail

Fliewatüüt - Das Kultmobil der 70er ist zurück
Wirklich fliegen kann das Fliewatüüt natürlich nicht, auch schwimmen ist unmöglich.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Im Kino spielen echte Schauspieler mit zwei echten Fliewatüüt. Ein schnelles für die Außenaufnahmen. Und ein langsames, aber mit Platz für die Kameras hinter den Sitzen, für die Innenaufnahmen. Und genau das steht in einer Halle in den Studios in Hürth bei Köln. Dort erklärt Mühlenkamp, Entwickler und Erbauer der beiden Autos AUTO BILD (Aubi) das knubbelige, rote Ding, das er mit unglaublich viel Liebe und Kreativität konstruierte und baute. "Natürlich gab es ein paar Vorgaben von der Produktionsfirma", erzählt er. "Das Fliewatüüt sollte nicht nur rot sein, zwei Multifunktionstriebwerke und eine Hauptvorschubdüse bekommen, sondern auf jeden Fall vorn zwei und hinten ein Rad haben."

ZTR Roadster als Basis für Film-Fliewatüüt

Chassis ZTR Roadster
Das Chassis stammt vom ZTR Roadster, einem dreirädrigen Motorrad.
Bild: Werk
Mühlenkamp suchte – und stieß auf den ZTR Roadster. Das Dreirad mit 20-PS-Motorradmotor, das es im Internet für 5000 Euro gibt, bildet die technische Basis des Autos. Der Konstrukteur verlängerte das Heck und verkürzte die Front. Er vergrößerte die Spurweite und erhöhte die Bodenfreiheit. Auf das Chassis kam eine Konstruktion aus Glasfaser, daran jede Menge Teile bekannter und weniger bekannter Auto- und Möbelhersteller. Für das sogenannte Stuntmodell blieb der Einzylindermotor im Heck. Theoretisch beschleunigt der das Fliewatüüt auf bis zu 110 km/h. Stuntfahrer Christoph Knobloch war aber nie schneller als mit Tempo 50 unterwegs. "Das", sagt er, "ist schon ordentlich, wenn man so tief sitzen muss, dass die Kameras einen nicht sehen, mit dem Lenkrad zwischen den Knien."

Fliewatüüt-Lampen von einem Motorrad

Fliewatüüt - Das Kultmobil der 70er ist zurück
Das Cockpit mit original Flugzeuginstrumenten: Die Rollzahlen stammen aus einem Heizölzählwerk.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Das "Hero-Modell", in dem die On-Board-Aufnahmen mit dem Kinderschauspieler Arsseni Bultmann als Tobbi und dem Roboter gedreht wurden, benötigte dagegen Platz hinter den Sitzen, wo sich der Verbrennungsmotor befindet. Mühlenkamp entfernte den Antrieb, baute vorn einen Elektromotor und Bleibatterien ein. Und steuerte per Fernbedienung, "damit der junge Schauspieler nicht auch noch fahren muss, während die Szene gedreht wird". Das Hero-Modell kommt zwar nur auf fünf km/h, muss von außen und im Cockpit aber natürlich genauso aussehen wie das Stuntmodell. "Deshalb haben wir alle Teile zweimal besorgt – plus Ersatzteile", erklärt Mühlenkamp. Eine Suche auf dem Schrottplatz, zum Beispiel nach den Türgriffen des Golf I, fiel daher aus. "Wir haben gleich ein halbes Dutzend Teile im Internet neu bestellt und dann hinterher auf alt gestylt." Die Suche nach den Anbauteilen führte ihn bis in die Lampenabteilung von Ikea.

Fliegen kann das Fliewatüüt nicht

Fliewatüüt - Das Kultmobil der 70er ist zurück
Aus dem Heck strömt rosarotes Abgas, denn im Film fährt das Fliewatüüt mit Himbeersaft.
Bild: Marcus Gloger / AUTO BILD
Damit überall, wo das Fliewatüüt auftaucht, in Tütermoor, am Nordpol oder in Hürth, auch nichts passieren kann, haben von Anfang an DEKRA-Prüfer aufgepasst. Doch wie das so ist im Kino: Das meiste ist getrickst. Die Triebwerke von Flug- auf Fahr- und weiter auf Schwimm-Modus zu schalten, geht im Film auf Knopfdruck. In Wahrheit müssen der Konstrukteur und der Stuntman eine Viertelstunde schrauben. Und, klar, fliegen oder schwimmen kann Mühlis Fliewatüüt auch nicht. Aber es lassen sich schnell zwei Ösen am Dach befestigen, an denen das Ding per Seil vor einem neutralen Hintergrund baumelt. Die perfekte Illusion. Genauso wie die rosaroten Abgase, die hinten aus dem Fliewatüüt kommen. Weil der Motor ja mit Himbeersaft läuft. Also, im Film. Und die pinkfarbene Wolke, die das Ding hinter sich herzieht, ist in Wahrheit auch nur bengalisches Feuer. Mühli und Aubi hatten trotzdem ihren Spaß in dem Ding. Und den Himbeersaft tranken sie lieber selber.