Am Anfang steht ein Traum. Die Vision der Ford-Techniker in Dearborn ist ein Sportwagen. Sie bauen einen Zweisitzer, vor dessen Hinterachse jener V4-Motor hockt, der später den deutschen Ford 12M antreiben soll. Mustang nennen sie das Heckmotor-Coupé – es bleibt ein Traum. Denn Lee Iacocca, General Manager der Ford Division, senkt den Daumen. "Damit kommt man nicht auf Stückzahlen", sagt er und setzt die Eckpfeiler für das Mustang-Projekt: Viersitzig soll er sein, kompakt, billig zu produzieren – und außergewöhnlich gestylt. Ergebnis: der Mustang.
Ford Mustang GTA
Weder der Sound noch die eher indirekte Lenkung und das Fahrwerk des Mustang animieren dazu, den Bullitt raushängen zu lassen.
Bild: Angelika Emmerling
Als der Mustang ab April 1964 zu den Ford-Händlern kommt, steht die Welt Kopf. Zu einem Basispreis von weniger als 2500 Dollar legt der "Stang" einen fulminanten Start hin. Mit 100.000 Exemplaren pro Jahr hatte Ford gerechnet. Doch bis Anfang 1965 waren 680.989 Exemplare verkauft – der größte Hit, den die US-Industrie in den 60er-Jahren landet. Er gilt als Begründer einer neuen Klasse: Die Pony Cars sind geboren. Zu Coupé mit Stufenheck und Cabrio kommt noch das Fastback-Coupé, das die Verkaufszahlen weiter steigert und als Basis für die brustbehaarten Sportversionen des Carroll Shelby dient. Aber auch normale Ford-Kunden werden reichlich mit Leistung bedient. Zwar dominiert im Verkauf der Sechszylinder aus dem Ford Falcon, aber wie auch bei den Konkurrenten Camaro und Challenger liegt der Reiz im V8.

Liebling der Asphalt-Cowboys: Ford Mustang GT 390

Ford Mustang GTA
Der Mustang-V8 brabbelt dezent aus dem Auspuff, reagiert spritzig aufs Gas und zieht kräftig aus dem Drehzahlkeller hoch.
Bild: Angelika Emmerling
Im Modelljahr 1967, dem unser Test-Fastback entstammt, ist der Topmotor ein 6,4-Liter-V8, 1969 gibt es sogar einen Siebenliter. Der Brot-und-Butter-Achtzylinder bleibt der 289er (4,7 Liter), der auch seinen Weg in Shelby Cobra und Ford GT findet. Im Mustang kommt eine milde Ausführung zum Einsatz, auf Wunsch mit Dreistufenautomatik. Damit liefert er jenen Komfort, den man von einem US-Kreuzer, nicht aber unbedingt von einem kompakten Sportwagen erwartet: Der V8 brabbelt dezent aus dem Auspuff, reagiert spritzig aufs Gas und zieht kräftig aus dem Drehzahlkeller hoch – der Schub wirkt subjektiv eindrucksvoller, als es die Messwerte vermuten lassen. Aber er giert nicht nach hohen Touren, sondern gibt einem das Gefühl, dass er noch ein paar Hunderttausend problemlose Meilen hält. Weder der Sound noch die eher indirekte Lenkung und das Fahrwerk animieren dazu, den Bullitt raushängen zu lassen. Noch dazu schaltet die Automatik so weich und unauffällig, dass der Fahrer sich entspannt und völlig gelassen in den Sonnenuntergang cruist.

Fazit

von

Götz Leyrer
Der Mustang ist ein ein attraktiv gestyltes, problemloses Coupé für jeden Tag. Der GTA bezieht die Sportlichkeit hauptsächlich aus seiner Optik. Zu seiner Zeit gab es große US-Limousinen, die ihm glatt davonbeschleunigen konnten. Dass er kein Kraftpaket ist, stört aber heute so wenig wie damals.