Als im November 2025 während der Fahrt die Öldruck-Warnleuchte aufleuchtete, steuerte Franziska Schwarz die nächste Werkstatt an. Doch da war es bereits zu spät. Diagnose: Motorschaden an ihrem Ford Fiesta. Der im Ölbad laufende Zahnriemen hatte sich aufgelöst, das Sieb der Ölpumpe war verstopft, und Abrieb hatte sich im gesamten Motor verteilt. Kurbel- und Nockenwelle wurden in Mitleidenschaft gezogen, wirtschaftlicher Totalschaden. Ein Austauschmotor wurde eingebaut. Kostenpunkt: 10.800 Euro. Und das, obwohl der Wagen noch eine Zusatzgarantie bis April 2026 besitzt.
Ford-Zahnriemen im Ölbad
Der Dreizylinder EcoBoost von Ford besaß bis etwa 2019 einen in Öl laufenden Zahnriemen – eine überaus anfällige Lösung. Oft kommt es dazu, dass sich der Zahnriemen auflöst.
Bild: Schültke Automotive
Doch die eigentlichen Probleme begannen erst nach dem Defekt. Eine Kulanzanfrage beim Ford-Kundendienst Anfang Dezember wird abgelehnt. Das Fahrzeug befinde sich außerhalb der Neuwagengarantie. Erst später stellt sich heraus, dass eine Anschlussgarantie aktiv ist. Doch das war den Mitarbeitern im Kundenzentrum offenbar nicht bewusst.
Ford-Zahnriemen im Ölbad
Aufgelöstes Material, das das Ölsieb verstopft hat. Der Zahnriemen im Ölbad ist eine Fehlkonstruktion.
Bild: Schültke Automotive

Der entscheidende Fehler

Schwarz' Fehler: Ob Kulanz- oder Garantiefall – für die sachliche Prüfung eines Schadens sind ausschließlich die Ford-Vertragspartner zuständig, nicht das Kundenzentrum. Ford verweist auf klare Abläufe. Heißt: Garantie- oder Kulanzentscheidungen setzen eine technische Prüfung durch einen autorisierten Betrieb voraus. Ohne diese Diagnose ist keine Kostenübernahme möglich. Und tatsächlich hatte eine Werkstatt Frau Schwarz geraten, das Fahrzeug zu einem Ford-Betrieb zu bringen.
Ford-Zahnriemen im Ölbad
Frau Schwarz ist bedient. Alle Wartungsintervalle eingehalten, dennoch trat der schwere Schaden auf.
Bild: Franziska Schwarz
Stattdessen blieb der Wagen in einer freien Werkstatt. "Mein Auto stand schon Wochen in der Werkstatt. Aber ich bin berufstätig und alleinerziehend. Das Leben drehte sich weiter, und ich brauchte mein Auto", sagt Schwarz rückblickend. Zudem wäre das Abschleppen zu einem Ford-Partner für sie kostenpflichtig gewesen. Aus Sorge vor den weiteren Ausgaben entschied sie sich gegen den Transport und blockierte damit formal den Garantieweg.

Wartung und Öl als kritischer Faktor

Dabei sind für ihren Fiesta alle Wartungen im digitalen Service-Nachweis dokumentiert, kein Intervall wurde überschritten. Der letzte Service erfolgte im März 2024 bei 73.227 km, der Schaden trat bei 103.011 km auf. Ford verweist dennoch auf die Garantiebedingungen. Der Kunde muss belegen, dass sämtliche Wartungen exakt nach Herstellervorgaben durchgeführt wurden, insbesondere beim Motoröl. Ein Eintrag im digitalen Serviceheft genügt nicht. Entscheidend sind Rechnungen über Motoröl mit eindeutig freigegebenen Spezifikationen.
Ford-Zahnriemen im Ölbad
Die Partikel rieben an Lagerflächen wie dem Kurbelwellenlager. Auch Gleitflächen der Lagerschalen waren betroffen. Und auch die Nockenwelle nahm Schaden.
Bild: Schültke Automotive
Der im Fiesta verbaute Dreizylinder mit Ölbadzahnriemen gilt als äußerst sensibel. Bereits geringe Abweichungen bei Ölqualität oder -spezifikation können gravierende Schäden verursachen. Werkstätten sprechen intern von einem empfindlichen Aggregat, manche von einer tickenden Zeitbombe, vor allem, wenn Wartung und Öl nicht hundertprozentig passen. Im Fall von Frau Schwarz ist sogar davon auszugehen, dass bei den Wartungen alles richtig gemacht wurde. Doch unabhängig davon: Da für ihren Fiesta keine Diagnose von einem Vertragspartner vorliegt und auch kein Ford-Partner mit der Reparatur beauftragt wurde, ist weder eine Garantieleistung noch ein kulantes Entgegenkommen möglich.

Zwischen Überforderung und Systemlogik

Der Fall zeigt ein Dilemma moderner Fahrzeuge. Hochkomplexe Motoren treffen auf streng geregelte Garantieprozesse, die Beweislast liegt beim Kunden. Schäden dieser Art sind auch bei vergleichbaren Aggregaten anderer Hersteller bekannt. Doch ohne formgerechte Prüfung bleibt selbst bei bestehender Garantie kein Spielraum.
Unterschied Garantie und Kulanz
  • Garantie
    Eine Garantie ist eine vertraglich zugesicherte Leistung des Herstellers. Sind die Bedingungen erfüllt, also Laufzeit eingehalten, Wartungen nach Herstellervorgaben durchgeführt, Reparatur über einen autorisierten Vertragspartner veranlasst und liegt kein vom Kunden verursachter Schaden vor, besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Kostenübernahme.
  • Kulanz
    Kulanz ist eine freiwillige Leistung des Herstellers nach Ablauf oder außerhalb der Garantie. Es besteht kein Rechtsanspruch. Ob und in welcher Höhe sich der Hersteller beteiligt, ist eine Einzelfallentscheidung. Hersteller zeigen sich mitunter kulant, wenn ein technisches Problem bekannt ist, sich gehäuft Schäden zeigen oder der Kunde sein Fahrzeug regelmäßig markengebunden warten ließ.
  • Wichtig!
    Sowohl bei Garantie als auch bei Kulanz gelten feste formale Abläufe. Vor allem die Prüfung durch einen autorisierten Vertragspartner ist unabdingbar. Ohne diese Grundlage ist eine Kostenübernahme in der Regel ausgeschlossen.

Fazit

von

AUTO BILD
Der Fall zeigt deutlich: Wer Wartungen außerhalb des Herstellernetzes durchführen lässt, trägt im Ernstfall ein erhöhtes Nachweisrisiko. Und wer im Schadensmoment nicht den offiziellen Weg über einen Vertragspartner geht, verliert meist jede Chance auf Garantie oder Kulanz. Moderne Motoren verzeihen keine Fehltritte. Und moderne Garantiesystem noch weniger.