Sein Name ist lang und kompliziert, fast wie bei einem Vertreter des alten Adels. Ford Transit Custom Nugget heißt der kompakte Camper korrekt, doch bei Ford sind sie gerne jovial und rufen ihn einfach kurz: Nugget.
Bereits zum Caravan Salon 2023 hatte Ford den neuen Nugget präsentiert. Neu ist er vor allem wegen des aktualisierten Basisfahrzeugs: Der Transit Custom der zweiten Generation bringt eine Reihe technischer Optimierungen mit.
Eine interessante Ergänzung ist die Plug-in-Hybrid-Version (PHEV) des Nugget. Während vollelektrische Antriebe in dieser Gewichtsklasse mit der Forderung nach hohen Reichweiten, wie sie auch für kompakte Reisemobile typisch sind, noch nicht schlüssig funktionieren, gilt die Kombination aus Benziner und Elektroantrieb als praktikables Konzept. So lässt sich auf Kurzstrecken emissionsfrei fahren.
Ford Transit Custom Nugget
Dank seines Drei-Raum-Konzepts bietet der Ford Nugget enorm viel Raum.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Die ersten Testwagen in Deutschland sind allerdings noch traditionelle Diesel. Ford lässt den Nugget weiterhin bei Westfalia entwickeln und bauen, als Basisfahrzeug dient der Transit der Ein-Tonnen-Klasse – die heißt bei Ford Custom. Daher der Name.

Ford setzt auf das bewährte Nugget-Layout

In der 5,05 Meter langen Standardversion tritt der Nugget wieder mit seinem bewährten Layout an. Gleiches gilt für den um 40 Zentimeter längeren Nugget Plus, der nun nicht mehr automatisch ein Sanitärabteil und eine Toilette erhält. Das gibt's optional, Standard wird hingegen ein Plus an Stauraum sein.
Ford bietet den Nugget in zwei Ausstattungsvarianten an. Neben dem "Titanium" – unserem Fotofahrzeug – kommt ein "Active", der unter anderem mit Offroad-Optik und größeren Rädern dem urbanen Auftritt des Titanium eine Prise mehr Abenteuer entgegensetzen will.
Ford Transit Custom Nugget
Ein System, das überzeugt: Die Bank ist ruck, zuck in Schlafstellung geschoben und aufgefaltet, die Füße finden im Küchenschrank Platz.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Wer den Nugget tatsächlich mit nassen Wiesen, Schnee oder sonstigen Tücken eines rutschigen Untergrunds konfrontieren will oder muss, der kann den Fronttriebler auch künftig mit Allradantrieb bestellen.

Das hat der Ford Transit Custom Nugget

Selbst nüchtern betrachtet ist der Nugget ein kleines Wunder. Warum? Weil Westfalia es wieder schafft, drei funktionale Räume in einem derart knappen Außenvolumen anzubieten. Aus dem Wohnraum wird nachts ein cleveres Schlafzimmer für zwei (Bett: 1,20 x 1,90 Meter), die Füße landen vorne im Küchenmobiliar, das passt wunderbar. Obendrein lässt sich die Bank nun viel leichter klappen, verschieben – und sogar beheizen!
Ford Transit Custom Nugget
Im Heck ist die Küche platziert, das ist das Besondere am Nugget.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Raum zwei entsteht im Dach. Ist es geöffnet, überrascht die Weite. Das Bett ist mit einer kleinen Leiter bequem zu erklimmen, die Matratze lagert auf komfortablen Tellerfedern und bietet mit knapp 1,30 mal über 2,00 Meter eine wunderbare Schlafmöglichkeit – auf Wunsch mit Fernblick, denn es lassen sich große Fenster aufzippen. Das Schließen des Dachs klappt in der neuen Version deutlich einfacher: Der Stoff faltet sich von alleine so, wie er soll. Einziges Manko ist das scharfkantige Gegenstück zum Schloss am oberen Querholm. Hier stößt sich die Nugget-Besatzung schnell schmerzhaft den Kopf.
Motorisierung 
2.0 EcoBlue 
Leistung 
125 kW (170 PS) bei 3500/min 
Hubraum 
1995 cm3 
Drehmoment 
390 Nm bei 1500/min 
Höchstgeschwindigkeit 
170 km/h 
Getriebe/Antrieb 
Achtstufenautomatik/ Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
70 l/Diesel + 20 l AdBlue 
Länge/Breite/Höhe 
5050/1999/2005 mm 
Radstand/Bereifung 
3100 mm/215/60 R 17 C 
Masse fahrbereit/Zuladung ca. 
2807/493 kg 
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) 
2500/750 kg 
Grundpreis/ Testwagenpreis 
73.126 Euro / 77.873,60 Euro 
Der dritte Raum im Nugget ist die Küche im Heck. Bei geöffnetem Dach lässt sich hier bequem Essen zubereiten, sogar Arbeitsfläche gibt es, weil der neue Nugget über eine Kühlschublade verfügt – damit entfällt die Klappe. Unten in den Schrank passt exakt eine Trockentoilette. Eine Warmwasserdusche für außen gibt's auch.

So fährt der Ford Transit

Ford bietet den Nugget mit 150 und 170 PS an. Im Testwagen war der stärkere Motor verbaut, der ausschließlich mit einem neuen Achtstufenautomatikgetriebe kombiniert wird. Weil Ford dessen Wählhebel von der Mitte weg an den Lenkstock verlegt hat, gelingt nicht nur der Durchstieg nach hinten leichter, auch die Bedienung des Nugget erhält einen spielerischen Charakter.
Ford Transit Custom Nugget
Handlich und agil fährt sich der Nugget. Der Automatikwählhebel sitzt nun an der Lenksäule, die Konnektivität überzeugt.
Bild: Jochen Gerhardt / AUTO BILD
Das wiederum passt gut zum Konzept, denn die Kombination aus einem kräftigen Antritt dank ordentlicher 390 Nm Drehmoment und kompakten Außenmaßen von knapp über fünf Metern ist stets leichtfüßig unterwegs. Am Steuer jedenfalls kommt nie das Gefühl auf, dass man ein Auto bewegt, in dem vier Personen bequem sitzen, essen und sogar übernachten können. Nur der Radstand von 3,10 Metern erinnert in engen Kurven oder beim Manövrieren an die Grundlagen der Physik.
Apropos Physik: Mit einer Höhe von 2,09 Metern – inklusive Markise – schlüpft der Nugget unter mancher Höhenkontrolle nicht mehr durch. Das gilt für Tiefgaragen ebenso wie für romantische Stellplätze am Meer, zumindest wenn das magische Zwei-Meter-Limit gilt.

Fazit

Unter den kompakten Campervans gilt der Nugget als Besonderheit: Seine Heckküche bringt echte Vorteile, sogar für eine Toilette ist Platz. Das macht ihn vielseitiger als manchen Wettbewerber. Obendrein ist er hochwertig gebaut, fährt sehr agil und angenehm.