Ford Transit fährt jetzt elektrisch
Dieser Elektro-Ford hat ganz schön was auf dem Kasten

Ford Pro elektrifiziert seine Bestseller und bringt Transit und Tourneo an die Ladesäule. Da sollten auch VW-Kunden ganz genau hinschauen.
Bild: Ford / Thomas Geiger / AUTO BILD
An der Laderampe ist er schon Dauergast, doch bald werden wir den Transit immer öfter auch an der Ladesäule sehen. Denn während die Elektrifizierung bei den Ford-Pkw ins Stocken geraten ist und alle Welt endlich auf den europäischen Explorer mit VW-Technik wartet, setzt die gewerbliche Sparte Ford Pro den meistverkauften Kastenwagen auf dem Kontinent jetzt unter Strom und bringt zu Preisen ab 57.963 Euro den Transit Custom in den Handel.
Ohne Einbußen bei den maximal 6,8 Kubikmetern Ladevolumen und mit bis zu einer Tonne Nutzlast gibt es den Platzhirsch dann in zwei Längen mit einem 82,5 kWh großen Akku, von dem allerdings nur 64 kWh genutzt werden können. Aber auch das reicht zumindest auf dem Prüfstand für bis zu 337 Kilometer.
Zwar hat Ford damit vor allem Handwerk, Handel und Gewerbe im Sinn, doch nehmen die Kölner auch Familien und Vereine ins Visier. Schließlich gibt es den E-Van für rund 6000 Euro mehr auch als Tourneo Custom mit einer variablen Bestuhlung für bis zu acht Mitfahrer. Und dann heißen die Wettbewerber plötzlich nicht mehr Ducato & Co, sondern der Ford fährt gegen den Opel Zafira und ist auch für die Fahrer von Mercedes EQV oder VW ID Buzz einen Seitenblick wert.

Ford Pro elektrifiziert seine Bestseller und bringt Transit und Tourneo an die Ladesäule.
Bild: Ford / Thomas Geiger / AUTO BILD
Mit vergleichsweise bescheidenem Platzangebot und eher eingeschränkter Variabilität sieht dagegen vor allem letzterer ganz schön alt aus neben dem neuen Ford. Das wissen sie auch in Niedersachsen haben entsprechend die Weichen gestellt: Während Nostalgiker und Kleinbusfahrer mit MEB und MQB aus Wolfsburg unterwegs sind, baut VW den nächsten Transporter auf Basis des Transit.
Ford Transit Custom: 125 kW Ladeleistung
Dass der Ford eine gute Wahl ist, merkt man schon im Stand. Denn wer zum ersten Mal einsteigt, muss nicht lange suchen, bis er seine Siebensachen verstaut hat. Sondern mit mittlerweile mehr als 50 Jahren Erfahrung haben die Kölner den Transit zum Tausendsassa gemacht, dessen Kabine vielseitiger ist als ein Schweizer Messer: In den Türen, vor dem Cockpit oder dahinter - überall gibt es Anlagen und Staufächer. Und wer die bei bis zu 125 kW Ladeleistung gar nicht mal ganz so lange Standzeit an der Steckdose sinnvoll nutzen will, kann sogar das Lenkrad umklappen und für Büroarbeit oder Brotzeit zum Tisch machen.

In den Türen, vor dem Cockpit oder dahinter – überall gibt es Anlagen und Staufächer.
Bild: Ford / Thomas Geiger / AUTO BILD
Klar, all das kennt man auch von den Verbrennern. Genau wie die variable Sitzlandschaft im Tourneo. Doch mit dem E-Antrieb bekommt das alles noch einmal eine ganz andere Qualität. Denn erstens herrscht endlich Ruhe im riesigen Resonanzraum, wenn statt das Brummens eines Diesels nur noch das Summen eines Stromes zu hören ist.
Die schwere Batterie sorgt auch bei leerem Laderaum für ein bisschen Achslast und damit für den nötigen Fahrkomfort. Und wo man beim Anfahren sonst bisweilen ein wenig Geduld braucht, fühlt sich der Kaventsmann aus Köln plötzlich ganz schön sportlich an und der Kleinbus geht mit seinen 218 PS und 415 Nm an der Hinterachse an der Ampel ab wie ein ICE, na zumindest wie ein Regional-Express.
Ford Transit Custom: Maximal Tempo 130
Allerdings hält der Elan nicht lange vor. Bis Tempo 100 dauert es zwar nur neun Sekunden, doch spätestens auf der Stadtautobahn wird der Atem mit steigendem Tempo ganz schön kurz. Und wer sein Geld mit schnellen Fernfahrten verdient oder seinen Urlaub nicht auf dem Weg vergeuden will, der ist mit den E-Versionen schlecht bedient. Schließlich zieht die Elektronik dem Antrieb schon bei 130 km/h den Stecker.

An Platz mangelt es im Ford Tourneo nicht.
Bild: Ford / Thomas Geiger / AUTO BILD
Und das ist noch die bessere Variante, wie sie nur im Tourneo Standard ist und im Transit 2500 Euro Aufpreis kostet. Denn wenn der Chef bequem am Schreibtisch sitzt oder im Kuga durch die Gegend kutschiert, müssen dem Personal am Lenkrad erstmal 136 PS reichen, mit denen der Sprint dann schon 12 Sekunden dauert und schon bei 110 km/h Schluss ist.
Aber Ford kann nicht nur kostengünstig und vernünftig, selbst wenn das bei den professionellen Nutzern die wichtigsten Kriterien sind. Sondern die Kölner haben auch ein Herz für verkappte Petrolheads oder Starkstromer und machen den Transit zum Bodybuilder im Blaumann. Inspiriert vom elektrischen SuperVan, der in Goodwood zuletzt mit 2000 PS zum legendären Hill Climb angetreten ist, haben die Kölner nämlich nicht nur Spoiler und Schweller an die Kastenkarosse geschraubt, sondern auch noch den Antrieb aus dem Mustang Mach E installiert und den Transit so mit 286 PS tatsächlich zum Eiltransporter gemacht.

Mit 79.671 Euro ist dieser Transit MS-RT teurer als ein Mustang Mach-E.
Bild: Ford / Thomas Geiger / AUTO BILD
Mit provozierend quietschenden Reifen gelingt dann der Sprint auf Tempo 100 schon in sieben Sekunden und Schluss ist immerhin erst bei 150 km/h. Allerdings hat das Vergnügen auch seinen Preis: Mit 79.671 Euro ist dieser Transit MS-RT teurer als ein Mustang Mach-E - hat dafür aber natürlich auch den größeren Nutzwert.
Fazit
Nein, auf der Autobahn sind elektrische Kleinbusse nach wie vor fehl am Platz. Doch für den Lieferverkehr in der Großstadt und deren Speckgürtel ist der elektrische Transit erste Wahl. Und zwar nicht nur für die Anwohner, sondern auch für den Fahrer. Dabei erweist sich das Doppel aus Transit und Tourneo als perfektes Team: Der eine bringt die Päckchen sauber ans Ziel, der andere die Personen. Und wenn's ein bisschen Spaß sein soll, gibt's auch noch den MS-RT.
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