Das Bild wird klarer. Acht von zehn Teams haben ihre neuen Formel-1-Autos nun also der Öffentlichkeit gezeigt oder zumindest erste Runden damit gedreht (wie Alfa Romeo). Heute folgt Ferrari, morgen noch Mercedes. Dann sind die meisten Formel-1-Autos der neuen Ground-Effect-Ära bekannt.
Enttäuscht haben bisher nur Haas und Red Bull. Beide Mannschaften kamen bei ihren Präsentationen über Showcars nicht hinaus.
Dennoch zeigen sich erste Trends. AlphaTauri, Aston Martin und Alfa Romeo überraschten mit extrem unterschnittenen Seitenkästen. McLaren und Williams bauen auf eine ausgeprägte Flaschenhalsform und damit ein super schlankes Heck. Bei Aston Martin fällt aus der Vogelperspektive ein breites Heck ins Auge.
McLaren und Alfa gehen im Bereich der Vorderradaufhängung neue Wege und wechseln von Push- auf Pullrod (Zugstreben statt Schubstreben). AlphaTauri und McLaren setzen auf extrem schlanke, elegante Nasen.
Acht von zehn Teams haben ihre neuen Formel-1-Autos der Öffentlichkeit gezeigt oder zumindest erste Runden damit gedreht.

Fest steht: Aus FIA-Sicht sind alle Kreationen bis jetzt offenbar legal. „Wir haben hier und da ein paar Überraschungen gesehen“, verrät FIA-Technikchef Nikolas Tombazis, „Bereiche, in denen die Autos unterschiedlicher sind, als wir das erwartet hatten. Aber bislang hat noch nichts einen massiven Alarm bei uns ausgelöst.“
Im Gegenteil, so der ehemalige Ferrari-Technikchef: „Bislang sehen wir eine faire Interpretation der Regeln. Es gibt kein Äquivalent zum Doppeldiffusor oder ähnliches.“
Hintergrund: Bei der letzten großen Regeländerung 2009 ersann BrawnGP den doppelten Kanal im Heck und fuhr der Konkurrenz damit um die Ohren. Damals fielen der Automobilweltverband und die Konkurrenz aus allen Wolken. Heute ist Ross Brawn Formel-1-Sportchef und schmunzelt: „Es liegt in der Natur der Teams, dass sie die FIA nicht alarmieren, wenn sie Möglichkeiten sehen.“
Allein: Welches technische Konzept das beste ist, bleibt vorerst unklar. Gut möglich auch, dass mehrere Wege zum Ziel und schnellen Rundenzeiten führen. Tombazis: „Im letzten Jahr gab es mit High- und Low-Rake auch zwei komplett unterschiedliche Konzepte, die auf die gleiche Performance gekommen sind. Warum sollte es jetzt nicht auch zwei oder drei Lösungen geben? Ein paar Konzepte sterben aber immer einen natürlichen Tod.“
Und sollte ein Team doch ein Schlupfloch entdeckt haben, hat Sportchef Ross Brawn ein entsprechendes Werkzeug zur Hand, um eine Dominanz wie damals seine eigene heute zu verhindern. Grund: Früher müssten bei kurzfristigen Regeländerungen alle Teams zustimmen. Das ist heute nicht mehr so.
Der Brite hat andere Techniker also mal wieder ausgebremst: „Wir könnten sehr schnell reagieren“, gibt er zu. „Und die Teams sind sich dessen bewusst. Also gehen sie weniger Risiken ein.“

Von

Bianca Garloff