Die beiden werden keine Freunde mehr: Fernando Alonso und Esteban Ocon. Zwei Jahre lang waren der Spanier und der Franzose Teamkollegen. Doch besonders harmonisch dürfte es bei Alpine nicht zugegangen sein, wie aktuelle Aussagen jetzt nahelegen.
Der Beginn der Eskalation ist beim Großen Preis von Spanien zu suchen. Da kamen sich Alonso und Ocon gleich mehrfach auf der Strecke in die Quere. Anschließend ging der Schlagabtausch verbal weiter: „Es ist schon enttäuschend, wenn sich der eigene Stallgefährte so verhält“, zeterte Alonso einen Grand Prix vor seinem Abschied bei Alpine, „aber gut, noch ein Rennen, dann ist es vorbei.“
Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer versuchte auf der Zielgeraden der Saison noch Schlimmeres zu verhindern: „Ich habe unseren Fahrern klargemacht, dass keiner über dem Team steht und dass es reihenweise Fahrer gibt, die sich die Finger danach lecken, für uns anzutreten. Ich hätte kein Problem damit, sie auf die Strafbank zu setzen.“
Esteban Ocon bekommt nicht genug vom Zoff mit dem Altmeister.

Ocon indes scheint sich der Rückendeckung seines Teams sicher zu sein, denn in Abu Abu Dhabi lederte er munter weiter. Der Franzose: „Ich fand einige Aussagen von Fernando enttäuschend. Für mich gab es keinen Grund, solche Kritik zu äußern. Ich respektiere ihn und seine Leistungen sehr. Aber ich bin ernüchtert.“
In der Tageszeitung Ouest France gibt er jetzt weiter Vollgas im Kleinkrieg gegen Alonso: „Es stimmt, dass ich einiges nicht gut fand, was er gegenüber den Medien gesagt hat, aber diese Gefühle behielt ich lange für mich. Es ist gut, dass sich unsere Wege getrennt haben.“
Auf die Nerven ging ihm offenbar auch Alonsos Faulheit, wie Ocon nun verrät: „Um ehrlich zu sein, habe ich 98 Prozent der Arbeit erledigt und er zwei Prozent. Ich war überarbeitet. Ich habe all diese Entwicklungsarbeit im Simulator erledigt und auch noch all diese Marketing-Auftritte.“
Gut für den überarbeiteten Franzosen: 2023 hat er mit Pierre Gasly einen neuen, jüngeren Beifahrer. Allein: Ob die teaminterne Beziehung harmonischer verläuft, ist fraglich. Auch mit Gasly lag Ocon lange Zeit über Kreuz. Teamchef Szafnauer sollte sich also schon jetzt darauf vorbereiten, weiter den Schiedsrichter spielen zu müssen.

Von

Bianca Garloff