Noch hat Mike Krack (49) seinen neuen Job nicht angetreten. Doch im Laufe des Frühlings soll es soweit sein: Dann wird der Ex-BMW-Motorsportchef neuer Teamchef von Aston Martin. Wir haben im Rahmen der 24 Stunden von Daytona mit ihm gesprochen. Dort war er noch im Auftrag von BMW am Start.
Mike Krack, wir erwischen Sie im Interview noch als BMW-Sportchef, künftig sind Sie Sebastian Vettels neuer Boss als Teamchef bei Aston Martin. Glauben Sie, dass Sie und BMW sich bald in der Formel 1 wieder sehen könnten? Oder anders formuliert: Ist das neue Motoren-Reglement in der Königsklasse nicht auch für BMW reizvoll, um den Wiedereinstieg zu erwägen?
Mike Krack (49):
BMW schaut sich immer an, was in der Formel 1 gerade passiert. Aber ich glaube das ist im Moment kein Thema.
War das Angebot von Aston Martin zu gut, um es auszuschlagen?
Mit dem Angebot hatte es nichts zu tun, sondern mit der Chance. Ich hatte eine sehr schöne Zeit bei BMW, vor allem die letzten Jahre, als ich mehr Verantwortung hatte. Es ist jetzt einfach eine Gelegenheit gewesen. Wenn die nicht gekommen wäre, wäre ich auch sehr happy, wo ich war. Es war nicht so, dass ich weggerannt bin. Aber das war eine Chance, wie man sie nur einmal bekommt im Leben. Und nachdem ich früher schon ein paar Jahre Formel 1 gemacht habe, hat mich das noch mal gereizt.
Aston Martins neuer Teamchef Mike Krack.

Medial rücken Sie mit dem Wechsel sehr in den Fokus: Es ist Formel 1 und ein Posten, der sehr unter Beobachtung steht, gerade auch in Deutschland mit Sebastian Vettel als vierfachem Weltmeister.
Ich mache es nicht wegen des Rampenlichts. Es ist einfach eine Herausforderung. Ohne despektierlich gegenüber dem zu sein, was ich zuletzt gemacht habe, aber man kann sagen: Willst du erste Bundesliga spielen oder Champions League? Wenn man einen Fußballer fragt, will der auch Champions League spielen.
Wie ist ihr persönliches Verhältnis zu Sebastian Vettel, den Sie ja noch von BMW-Sauber kennen?
Wir haben ein gutes Verhältnis.
Denken Sie, dass Vettel ein gutes Wort für Sie eingelegt hat?
(lacht) Das weiß ich nicht, ich war ja nicht dabei. Das müssen Sie ihn schon selbst fragen.
Mit welchem Mindset gehen Sie an Ihre neue Arbeit heran?
Man darf nicht vergessen: Die Konkurrenz schläft nicht. Das Niveau ist überall relativ hoch und man kann sich nicht anmaßen, dass man irgendwo hinkommt und direkt alles gleich niederschlägt, weder bei den Sportwagen noch in der Formel 1. Professioneller Motorsport ist nicht so einfach, war es auch noch nie. Zumindest habe ich es noch nie einfach erlebt.
Das dürfte auch so bleiben: Bei Aston Martin wartet viel Arbeit auf Sie, Eingewöhnungszeit haben Sie keine.
Das stimmt. Und es ist dort auch kein Vorgänger vorhanden, der mich einarbeitet.
Der Fall ihres Vorgängers (Ex-Teamchef Otmar Szafnauer hat das Team angesichts ausbleibender Erfolge verlassen) zeigt vor allem, dass der Druck aktuell auf wenigen Posten in der Formel 1 größer ist...
Das ist mir bewusst. Der Druck ist ordentlich, aber vor allem muss man ihn abfangen, damit er sich nicht aufs ganze Team überträgt. Das habe ich auch bei BMW immer versucht, das ganze Konzernumfeld so gut wie möglich vom Motorsport fernzuhalten. Das ist schon wichtig, denn sonst verliert man die Spezialisten, wenn die sich mit Dingen beschäftigen müssen, mit denen sie eigentlich nichts anfangen können.
Sie wollen dem Team also den Rücken freihalten. Wer hält ihren frei?
Ich habe zuhause zum Glück eine Frau, die Weltmeisterin darin ist. Man sagt ja: Hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau. Das stimmt wirklich, denn wenn die Familie das nicht mitträgt, geht es nicht. Oder man lässt es ganz und hat keine Familie. Ich habe zwei Kinder, 12 und 14. Wenn da einer gesagt hätte 'Mach das nicht', hätte ich es gelassen. Die bleiben jetzt aber erstmal in Deutschland und dann schauen wir weiter. Man ist ja sehr exponiert und ich will erst einmal sehen, wie es funktioniert. Außerdem will ich jetzt auch nicht jeden aus seiner Umgebung reißen, nur um dieses Abenteuer zu starten. Bisher läuft's gut, aber wir sind ja auch noch nicht gefahren. Wenn es nicht so läuft, muss ich Lawrence Stroll (Teambesitzer; d. Red.) erklären warum.“
Sebastian Vettel.

Wie kam der Kontakt mit Aston Martin zustande. Klingelt einfach eines Tages das Telefon und dann ist diese Megachance da?
Ja, so war es tatsächlich. Das Telefon hat geklingelt, es war aber nicht Aston Martin sondern eine Headhunter-Firma. Die waren erst sehr allgemein und vage.
War also nicht gleich klar, worum es geht?
Nein, überhaupt nicht. Die sind sehr, sehr gut in der Verklausulierung. Nach dem ersten Gespräch wusste ich nur, dass es um Formel 1 geht, noch nicht um welches Team oder welche Rolle.
Wissen sie noch, was Sie gemacht haben, als der Anruf kam?
Oh ja: Ich saß gerade in der Corona-Quarantäne. Da hatte ich dann ohnehin viel Zeit nachzudenken.

Von

Frederik Hackbarth