Der Zeitpunkt rückt näher… Immer wieder wird Sebastian Vettel (34) seit seinem Abschied bei Ferrari Ende 2020 mit einem Rücktritt aus der Formel 1 in Verbindung gebracht. Er selbst befeuert solche Gerüchte: "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich mit dem Gedanken nicht schon beschäftigt hätte."
Der Hesse hat mittlerweile auch andere Interessen. Er ist Vater und Kämpfer für mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Deshalb ist auch sein einstiger Mentor Bernie Ecclestone nicht überzeugt von Vettels Willen, dem Erfolg in der Königsklasse alles unterzuordnen.
"Er ist nicht so konzentriert", sagt der ehemalige Formel-1-Chef und bezieht sich auf Vettels Einsatz für die Umwelt, Demokratie und Gleichberechtigung.
"Früher, als er Rennen gewann, wusste er nicht, was in der Welt vorgeht und kümmerte sich nicht drum. Nun kümmert er sich und denkt an die Zukunft der Welt. Ich finde, er hat zwar recht, aber ich glaube nicht, dass er seine Position nutzen sollte." Ecclestone betont: "Er sollte sich zu einer Million Prozent auf die Formel 1 konzentrieren."
Allein: Ob Vettel das selbst noch will, ist offen. Fest steht aber: Die Verhandlungen zwischen dem viermaligen Weltmeister und Aston Martin über eine Verlängerung haben begonnen. Und: Das Team des englischen Traditionsherstellers will mit dem Heppenheimer weitermachen.
Aston Martin will Vettel überzeugen, seinen Vertrag zu verlängern.

"Wir waren immer klar darin zu sagen: Wenn er weitermachen will, wollen wir ihn für eine lange Zeit halten", bestätigt Teamchef Mike Krack am Rande des GP Kanada.
Hintergrund: Vettels Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Erst 2021 hatte er den Kontrakt mit dem britischen Team um eine weitere Saison verlängert. Einen Zeitplan gebe es aber nicht. "Wir sprechen miteinander und haben seine sehr, sehr gute Beziehung“, so Krack. „Es ist nicht so, dass wir uns Deadlines setzen müssen", so Krack. "Natürlich gibt es aber einen Punkt; wenn wir zu lange warten, dann bekommen wir Probleme. Das weiß er auch."
Doch so weit ist es noch nicht. Derzeit führe man "sehr vertrauenswürdige" Gespräche. Dazu trägt auch die Verbesserung des AMR22 bei. Seit das erste große Update in Barcelona ans Auto geschraubt wurde, geht es stetig aufwärts. In Aserbaidschan erreichte Vettel mit Platz sechs das bisher beste Saisonergebnis.
Für das kommende Wochenende in Silverstone hat Aston Martin weitere neue Teile in der Pipeline. Krack spricht von einem „beachtlichen Update". Der Teamchef rechnet allerdings auch mit Weiterentwicklungen bei der Konkurrenz. Krack: "Es geht also darum, wie effektiv es sein wird. Aber wir sind recht zuversichtlich, dass wir einen guten Schritt gemacht haben. Und auch der nächste Schritt wird gut sein. Das Ziel muss es sein, vors Mittelfeld zu kommen, damit man aus den Punkten starten kann." Und Vettel so einen Verbleib in der Formel 1 schmackhaft machen kann.
Denn der Ex-Champion dürfte seine Entscheidung auch von der Weiterentwicklung des Autos und dem entsprechend sichtbar werdenden Potential des Teams abhängig machen. Geht es nach Ecclestone, ist das aber nicht der ausschlaggebende Faktor. Der Brite: "Es geht darum, ob er sich entschieden hat, Politiker oder Formel-1-Fahrer zu sein."
Bleibt die Frage, ob Vettel nicht doch beides kann…

Von

Bianca Garloff