Gibt es eine systematische Kampagne gegen die aktuellen Formel-1-Besitzer Liberty Media? So sieht es aus. Denn: Derzeit machen Gerüchte die Runde, Liberty Media wolle die Königsklasse nach nur zwei Jahren wieder verkaufen. Allein: Der Blog namens johnwallstreet.com hat sich bislang weder mit glaubwürdigen News aus der Formel-1-Szene einen Namen gemacht noch eindeutig von einem Verkauf der Königsklasse geschrieben. Zu lesen war dort vielmehr: "Die Firma (Liberty Media; d. Red.), so ist zu hören, soll derzeit Szenarien eruieren, wie sie ihre Anteile an der Formel 1 verringern kann."
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Zukunft
Für Red Bull macht der Kauf der Formel 1 laut Motorsportchef Helmut Marko keinen Sinn.
AUTO BILD MOTORSPORT fragte bei Liberty Media in London nach. Dort wollte man die Meldung noch nicht einmal öffentlich kommentieren, so abwegig sei sie. Auch ein Verkauf an Red Bull, wie andernorts spekuliert wurde, ist derzeit offenbar kein Thema. Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko: "Das macht in so einer Konstellation für uns keinen Sinn." 
Denkbar sei lediglich ein Szenario, bei dem die Königsklasse an alle oder einen Teil der Teams verkauft werde. Ein entsprechendes Angebot lag vor zwei Jahren auch schon einmal auf dem Tisch. Doch keiner der Teilnehmer zeigte Interesse.

Streckenpromoter gehen auf die Barrikaden

Zufall oder nicht? Fast parallel zur vermeintlichen Verkaufsmeldung gehen die Streckenpromoter auf die Barrikaden. Nach einem Meeting in London verschickte die "Formula 1 Promoters Association" ein Statement, worin 16 Rennstreckenbetreiber Liberty hart angehen.
Die Kritikpunkte:
• Es sei nicht im Interesse des Sports, dass die Formel 1 immer weniger im Free TV zu sehen ist.
• Es fehle Klarheit über neue Initiativen der Besitzer, und vor allem mangele es an Kontakt zu den Streckenbetreibern, um diese Ideen umzusetzen.
• Neue Rennen sollten nicht auf Kosten traditioneller Events eingeführt werden. Zudem wünsche man sich alternative Geschäftsmodelle, wie sie potenziellen neuen Partnern bereits angeboten werden.
AUTO BILD MOTORSPORT fragte in Hockenheim nach. Geschäftsführer Georg Seiler dazu: "Im Hinblick auf das durch die FOPA veröffentlichte Statement bestätigen wir unsere Teilnahme an dem entsprechenden Meeting vergangenen Montag und unterstützen die getätigten Aussagen." 
Allerdings räumt er auch ein, dass der Kontakt zu Liberty Media durchaus positiv sei – immerhin hat man den bereits abgesagten Grand Prix für 2019 doch wieder zurück nach Hockenheim holen können. 
Seiler deshalb: "Uns ist es wichtig darauf hinzuweisen, ohne die FOPA-Veröffentlichung in Frage zu stellen, dass die direkten Gespräche mit Liberty Media zur Erreichung unserer spezifischen Interessen und des derzeitigen F1-Vertrages ebenso wie die laufende operative Zusammenarbeit konstruktiv war und ist. Dennoch sind wir, wie die gesamte FOPA, der Meinung, dass die Promoter in grundsätzlichen Entscheidungen zur Zukunft der Formel 1 unterrepräsentiert waren."
Der Hockenheimring-Chef begründet den Anspruch der Streckenbetreiber auf mehr Mitspracherecht so: "Als einer der größten Umsatztreiber für die Formel 1 mit teils jahrzehntelangen Erfahrungen haben wir Promoter den Anspruch, unsere Expertise im Sinne einer erfolgreichen Fortentwicklung der Formel 1 noch stärker einzubringen. Schließlich haben am Ende wir das Produkt gegenüber den Fans zu verkaufen und müssen schauen, dass die Promoter-Rolle wirtschaftlich darstellbar bleibt."
Fakt ist: Es rumort hinter den Kulissen der Königsklasse. 2009 gab’s das zuletzt, als die Hersteller eine Piratenserie planten. Es endete allerdings wie das Hornberger Schießen …